Integration
«HEKS Neue Gärten» – mit Gartenarbeit Wurzeln schlagen

Das Projekt «HEKS Neue Gärten» bietet in Rheinfelden Flüchtlingsfrauen gesellschaftlichen Anschluss.

Dennis Kalt (text und Foto)
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Im Heks-Garten wird die Erde, die für das Gemüse als Nährstoffquelle dient, selbst hergestellt.

Im Heks-Garten wird die Erde, die für das Gemüse als Nährstoffquelle dient, selbst hergestellt.

Dennis Kalt

Der Spaten dringt mit Wucht in einen Haufen Erde und wirft diese durch ein grobes Sieb, um das Geäst herauszufiltern und in die darunterstehende Schubkarre zu befördern. Anschliessend wird die Erde auf den einzelnen Beeten verteilt, um den Gurken, der Paprika und dem Zucchini genügend Nährstoffe zum Wachsen zu liefern. «Wir versuchen, so viel wie möglich von unserem Garten wieder zu verwerten und stellen deswegen auch unseren eigenen Kompost her», sagt Gartenfachfrau Brigitte Denk vom Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (Heks).

In Rheinfelden im Familiengartenverein Neuland betreiben Flüchtlingsfrauen und Migrantinnen aus Eritrea, Syrien, Marokko, Sri Lanka und der Türkei zusammen mit vier freiwilligen Helferinnen Gartenarbeit und bauen Spinat, Kartoffeln, Salat und Kürbisse auf 500 Quadratmetern an. Dabei handelt es sich um das Integrationsprojekt «HEKS Neue Gärten», welches das Ziel verfolgt, die soziale Integration von Menschen mit Migrations- und Flüchtlingshintergrund, die noch über kein tragendes soziales Netz verfügen, zu fördern.

Partizipation und Spracherwerb

«Wir treffen uns hier einmal die Woche, um die Parzellen zu bestellen, aber auch um viel Spass zu haben und zu lachen», sagt Denk. Den Garten bezeichnet sie dabei als «geschützten Raum», da Menschen mit ähnlichem Schicksal aufeinanderträfen, um einer gemeinsamen Tätigkeit nachzugehen: «Deswegen ist die Hürde, miteinander Deutsch zu sprechen, auch nicht so hoch wie abseits des Gartens», sagt Denk. Neben den neuen Teilnehmern helfen auch sogenannte Multiplikatoren – Frauen mit Migrationshintergrund, die aber schon einige Jahre dabei sind – bei der Gartenarbeit mit: «Gerade die Multiplikatoren sind dafür sensibilisiert, wie man den Frauen, die noch nicht gut Deutsch können, etwas erklären muss, da sie aus eigener Erfahrung ein Gespür für die Komplexität der deutschen Sprache haben», erklärt Brigitte Denk.

Neben dem Erlernen der Sprache sorgt der Erfahrungsaustausch mit der Gartennachbarin auch für die Stärkung des Selbstbewusstseins und für Partizipation. Weiter lernen die Flüchtlinge und Migrantinnen auch kulturelle, soziale und geografische Aspekte der Schweiz kennen: «Wir haben beispielsweise kleine Wappen der Kantone mitgebracht und den Teilnehmerinnen gezeigt, welches Wappen zu welchem Kanton gehört», sagt Denk.

Sinngebende Alltagsbeschäftigung

«Aus ihrem Umfeld gerissen, fühlen sich viele Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen isoliert und leiden darunter, keine Beschäftigung zu haben», erklärt Denk. So sagt die gebürtige Marokkanerin Rabia Benghafour, die seit vier Jahren am Projekt teilnimmt: «Ich wollte einfach nicht nur den ganzen Tag zu Hause hocken. Ausserdem habe ich bereits sehr viel über den Gemüseanbau gelernt.»

Das Gemüse, das in den einzelnen Beeten angebaut wird, können die Projektteilnehmerinnen mit nach Hause nehmen: «Ich pflanze am liebesten Kartoffeln an, weil meine Kinder gerne Raclette essen, und mit dem Kürbis koche ich zu Hause Couscous», sagt die Marokkanerin, und ihre Gartennachbarin Kavitha Raveenthiran aus Sri Lanka meint: «Ich esse sehr gerne das Gemüse, das ich selber anpflanze. Mir schmeckt es einfach besser als das aus dem Supermarkt.»

Damit das Gemüse dieses Jahr gross und kräftig wird, wünscht sich Brigitte Denk nur eins: viel Sonnenschein und Wärme.

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