Möhlin
Heizen mit Hackholzschnitzeln gehört in Möhlin schon zum Energiealltag

Bevor die «Energiewende» zum Reiz- und Schlagwort wurde, beschäftigte sich Möhlin schon intensiv mit der Nutzung von erneuerbaren Energien. Es entstanden Wärmeverbünde, um vom Öl unabhängiger zu werden und die Umwelt durch weniger CO 2 zu schonen.

Peter Rombach
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Adrian Wunderlin ist der technische Leiter der neuen Heizzentrale in Möhlin. Walter Hohler

Adrian Wunderlin ist der technische Leiter der neuen Heizzentrale in Möhlin. Walter Hohler

Einheimische Wälder liefern Holzhackschnitzel, mit denen hoch technisierte Anlagen befeuert werden. Der zuständige Forstbetriebsleiter Urs Steck sieht die Versorgung langfristig als gesichert an. Und dies beflügelte die Kommunalpolitik mit Gemeindeammann Fredy Böni an der Spitze, beispielgebend voran zu marschieren. Die 2008 gegründete Wärmeverbund Möhlin AG, an der je zur Hälfte die Einwohnergemeinde und AEW Energie AG beteiligt sind, realisierte im Neubauquartier Aeschemerbündte eine neue Heizzentrale.

Sichtlich stolz und etwas euphorisch spricht Fredy Böni von der «modernsten und derzeit grössten Anlage in der Schweiz». Diesbezüglich nennt er Zahlen: ein 1200 Kilowatt-Ofen sowie einer mit 450 KW verwerten einheimisches Hackholzschnitzel. Jährlich werden etwa 5300 Kubikmeter dieses Brennmaterials benötigt. «Wir verfügen über genügend Reserven», bestätigt der Gemeindeammann die Einschätzung seines Forstchefs. Die Rohstoffversorgung erfolgt quasi vor der Haustüre, also ohne lange Anfahrtswege, dank intelligenter Technologien.

Das Einsparen von rund 445 000 Liter Heizöl allein durch den Betrieb der neuen Heizzentrale sehen Experten als Herausforderung an, das Beispiel Möhlin landesweit hervorzuheben. Im Endausbau kann sie, nach bisherigem Kenntnisstand, 280 Haushalte, zwei Schulhäuser, eine Turnhalle und einen Kindergarten erwärmen. Und eine spezielle Überwachungsanlage registriert sogar, welche Liegenschaft wie viel Energie bezieht.

Gemeindeammann Böni freuts natürlich, gemeinsam mit der AEW in eine Pionierrolle gelangt zu sein. «Durch den Einbau von Feinstaubfiltern werden auch die älteren Anlagen optimiert und die Umweltverträglichkeit verbessert.»

Tue Gutes und Rede darüber gilt auch für Möhlin. Offizielle Einweihung der neuen Heizzentrale ist am Samstag, 9. März, 10 Uhr. Dann soll es nicht nur Erläuterungen zur Energiephilosophie einer Gemeinde mit fast 10 200 Einwohnenden geben, sondern rein technische Demonstrationen in der neuen Heizzentrale, also Führungen für die Bevölkerung. Geschäftsführer Hans Schibli von der Wärmeverbund Möhlin AG deutet noch auf einen anderen Aspekt: «Unsere Anlagen decken ihren Strombedarf vollständig mit Wasserenergie ab; es handelt sich also um einhundert Prozent umweltfreundlich erzeugte Energie.»

Viel Schulterklopfen bleibt erkennbar, signalisiert aber auch, dass Möhlin das Label «Energiestadt» anstrebt und anderen Gemeinden im Fricktal nacheifern möchte. Nochmals Gemeindeammann Fredy Böni: «Wir stehen wirklich gut da mit unserer Energiebilanz.» Sein Fernziel verrät er jetzt eher nebenbei: «Möglichst viele an das Fernwärmesystem anschliessen.»

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