Manch einem Zeitgenossen ist die Situation gar nicht so fremd, peinlich dafür allemal: In einem angeregten Gespräch fällt einem plötzlich der Name eines langjährigen guten Freundes partout nicht mehr ein. Einfach weg! Das ist dann oftmals der Moment, wo «Dingsda» ins Spiel kommt, um die Situation irgendwie und ohne grösseren Schaden noch zu retten.

Der Sache mit dem «Dingsda» hat sich schon vor Jahren der Schriftsteller und ehemalige Bezirksschullehrer Heinz Picard intensiv angenommen, darüber humorvolle, nachdenkliche, teils seltsam fantasievolle oder auch tragische Kurzgeschichten geschrieben. Sein erstes Buch darüber «Willkommen in Dingsda» veröffentlichte er 2010. Sein viertes und vorerst letztes Buch stellte Heinz Picard am Sonntag im bis auf den letzten Platz besetzten Kornhauskeller Frick vor. Gemeinsam mit seinem Bruder René Picard las er Geschichten aus «Von Paukerdorf bis Dingsda». Musikalisch umrahmte den Vormittag Stefan Picard.

Mal vergnüglich, mal ernster

Heiter vergnüglich und irgendwie genau passend zur grippegeplagten Jahreszeit war die Geschichte die «Pädagogendämmerung», verbunden mit dem schmerzlichen Wissen, dass Schülern ein kranker Lehrer allemal lieber ist als ein gesunder. Oder der weise Tipp eines gestandenen Inspektors an einen Junglehrer, die Arbeit nicht zum alleinigen Inhalt des Lebens zu machen. Auch Kollegialität hat eher enge Grenzen, ein Schuss Schadenfreude grinst meist gleich um die Ecke.

Tiefgründig die Erzählung um den verspotteten, schwächlichen Mäusejäger Hubert, immer etwas abseits stehend. Er verschwand und ganz verrückte, unwahrscheinliche Mythen dachten sich dazu seine Mitschüler aus. Philosophisch und ein wenig unwahrscheinlich die winterliche Rutschpartie eines Mannes verbunden mit den physikalischen Gesetzmässigkeiten und der humorvollen Frage, was wohl ein Pfarrer von alldem versteht. Köstlich realitätsbezogen der krasse Widerspruch zwischen den Mahnungen des friedvollen Pfarrers an seine Schäfchen und deren unabänderlichen, finsteren Absichten, herrliche Kindheitserinnerungen an Hilde oder den Versuch, aus Frick einen vorzeigbaren Kurort zu machen.

Heinz Picard zieht den Bogen des Lebens von seinen Enkeln, die dabei sind, das Krabbeln zu erlernen bis hin zu sich selbst, der mit 79 Jahren etwas müde geworden ist vom Rennen.

Im Nachlass seines Vaters fand er dessen «Sanatoriumserinnerungen», mal heiter, mal traurig, mal spöttisch ironisch, ernst und bewegend – so wie das Leben ist. Im Schlusswort zitiert er Bert Brecht und die Fahrt eines in die Jahre gekommenen Mannes, der ein Himmelstaxi bestellt, direkt und einfach, wenn möglich.