Regionalpolizei
Häusliche Gewalt nimmt im Oberen Fricktal zu

Der Jahresbericht der Polizei Oberes Fricktal zeigt, dass sich die tätlichen Übergriffe in Familien verdoppelt haben.

Marco Sartori
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Häusliche Gewalt findet in allen Gesellschaftsschichten statt. (Symbolbild)

Häusliche Gewalt findet in allen Gesellschaftsschichten statt. (Symbolbild)

KEYSTONE

Geschichten, wie sie das Polizistenleben schreibt: Der Fricker Ziegenbock Merlin büxt aus und muss eingefangen werden. Dieser Polizeieinsatz vergangen September bleibt der Regionalpolizei Oberes Fricktal noch lange in Erinnerung. Nur mit vereinten Kräften gelang es, das Tier wieder in sein Gehege zu treiben — ein «witziges» Erlebnis. «Merlin ist ein gutes Beispiel dafür, wie abwechslungsreich unser Arbeitsalltag ist», sagt Polizeichef Werner Bertschi, als er den Jahresbericht vorstellt.

Er kann aber längst nicht über alle Einsätze schmunzeln. Das Jahr 2016 hielt die Polizei unter anderem mit besorgniserregenenden Entwicklungen auf Trab. Besonders Einsätze wegen häuslicher Gewalt haben zugenommen. Noch nie musste die Polizei Oberes Fricktal deshalb häufiger ausrücken. Im Vergleich zum Jahr 2015 hat sich die Anzahl der Einsätze beinahe verdoppelt und ist auf über 40 gestiegen.

Bertschi glaubt aber nicht an eine tatsächliche Zunahme an verübten Gewalttaten. Lediglich die Dunkelziffer schrumpfe. «Die Nachbarn hören nicht mehr weg, wenn es nebenan laut wird. Es gibt immer mehr Hinweise aus dem Umfeld von Opfern», sagt er. Dabei werden die Täter immer jünger. Dies liege an der steigenden Gewaltbereitschaft der Kinder und Jugendlichen gegenüber ihren eigenen Eltern.

Stehen vor der Baustelle: Werner Bertschi, Daniel Suter und Markus Erni (v.l.) können es kaum erwarten, den neuen Polizeiposten zu beziehen.

Stehen vor der Baustelle: Werner Bertschi, Daniel Suter und Markus Erni (v.l.) können es kaum erwarten, den neuen Polizeiposten zu beziehen.

Marco Sartori

Andere Entwicklungen verlaufen positiver. Beispielsweise die Präventivmassnahmen gegen Einbrüche führen zu grösseren Erfolgen. Die Zahl der Einbrüche war vergangenes Jahr rückläufig. Auch hier halfen Hinweise aus der Bevölkerung. Der sogenannte Kriminaltourismus beschäftigt die Regionalpolizei aber weiter. 2016 war sie täglich auf Patrouille und wird dies auch so beibehalten. «Mit wachsender Erfahrung entwickelt man ein Bauchgefühl für potenzielle Täter und kann sie frühzeitig aus dem Verkehr ziehen», sagt Bertschi.

Die Polizei rüstet sich für Asyl-Dorf

Der Blick auf das laufende Jahr zeigt, es wird ein veränderungsreiches werden. Im Dezember steht für die Polizei der Umzug ins ehemalige Fricker Gemeindezentrum an, das derzeit saniert wird. Und ebenfalls in diesem Jahr wird die Asylunterkunft in Frick in Betrieb genommen. Diese erfordere laut Bertschi besondere Vorkehrungen, da das Zusammenleben auf engstem Raum nicht einfach sei für die Flüchtlinge.

Nicht selten führe es zu Auseinandersetzungen. Diese Erkenntnis gewinnt Bertschi aus den Erfahrungen mit der Unterkunft in Laufenburg. «Es ist wichtig, dass wir die Situation von Anfang an überblicken und Notfallpläne ausarbeiten», sagt der Polizeichef. In Frick würden Menschen untergebracht, die «unvorstellbar Schlimmes» erlebt haben und deshalb aus ihrem Land geflüchtet sind. «Leider nutzen auch einige das System für ihre krummen Machenschaften aus. Dann sind wir gefragt, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen und jene zu schützen, die Hilfe benötigen.»

Für das Jahr 2017 hat sich die Repol zum Ziel gesetzt, die Sicherheit der Polizisten im Einsatz zu erhöhen, Kontrollen zur Fahrfähigkeit zu verschärfen und die Präsenz an den Bahnhöfen zu verstärken.

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