Gansingen
Hausexplosion: War es ein erweiterter Selbstmord?

Im explodierten Einfamilienhaus in Gansingen sollen sich mehrere Gasflaschen befunden haben. Ermittler prüfen einen Selbstmord - gar einen erweiterten Suizid.

Thomas Wehrli
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Die Einfamilienhaus-Ruine nach der Explosion - waren Gasflaschen die Ursache?

Die Einfamilienhaus-Ruine nach der Explosion - waren Gasflaschen die Ursache?

Keystone

Vom einst schmucken Einfamilienhaus an der Ausserdorfstrasse ist nicht mehr viel übrig. Das Haus ist in der Nacht von Samstag auf Sonntag bis auf die Grundmauern abgebrannt. Am Montag setzen Spezialisten der Polizei und der Gebäudeversicherung ihre Arbeit vor Ort fort. Sie haben die nicht einfachen Fragen zu klären: Was hat den Brand verursacht? Und vor allem: Was führte zu der heftigen und lauten Detonation, welche die Nachbarn um 4.33 Uhr aus dem Schlaf gerissen hat?

Erweiterter Suizid

Was ist ein erweiterter Suizid? Es handelt sich dabei um einen Selbstmord, bei dem Dritte mitgetötet werden. Es spielt gemäss Definition keine Rolle, ob diese um ihr Einverständnis gefragt wurden.

Recherchen von Radio Argovia zeigen, dass mehrere Gasflaschen explodiert sein müssen. Eine Gasflasche alleine hätte nicht ausgereicht, um einen solchen Schaden anzurichten. Laut einer «zuverlässigen Quelle» der Radiomacher steht ein erweiterter Suizid im Vordergrund der Ermittlungen.

Recherchen der az zeigen: Hausbesitzer und mutmassliches Opfer A. arbeitete beim Zwilag – als Leiter eines Chemielabors. Dies bestätigt das Zwilag auf Anfrage.

Die Staatsanwaltschaft wollte am Montag gegenüber der az keine Stellung zur Brandursache und dem Stand der Ermittlungen nehmen. Die Staatsanwaltschaft werde kommunizieren, sobald gesicherte Erkenntnisse vorliegen, sagt Mediensprecherin Fiona Strebel. «Das wird aber ziemlich sicher Mittwoch werden.» Möglich sind neben einem (erweiterten) Suizid zwei weitere Szenarien: ein durch technischer Defekt oder Fahrlässigkeit ausgelöster Brand oder Brandstiftung.

«Die Stimmung im Dorf ist auch am Tag nach dem Unglück gedrückt», sagt Gemeindeammann Mario Hüsler. Eine Frage treibt dabei die Einwohner vor allem um: Was ist wirklich passiert?

Das Feuer brach am frühen Sonntagmorgen, 17. März 2017, in einem Einfamilienhaus in der Fricktaler Gemeinde Gansingen aus. Inzwischen ist die Hausruine verschwunden.
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Die Flammen hatten das Haus weitgehend zerstört.
Nachdem die Feuerwehr den Brand gelöscht hatte, bargen Rettungskräfte zwei Leichen aus dem Innern der Brandruine.
So wüteten die Flammen am Sonntagmorgen.
Die Flammen griffen auch auf ein Haus in der Nachbarschaft über.
Die Flammen hatten das Haus weitgehend zerstört.

Das Feuer brach am frühen Sonntagmorgen, 17. März 2017, in einem Einfamilienhaus in der Fricktaler Gemeinde Gansingen aus. Inzwischen ist die Hausruine verschwunden.

Peter Rippstein

Nicht-Wissen belastet

Im Dorf werden alle drei Varianten herumgeboten. Mario Hüsler will sich auf Spekulationen nicht einlassen. Er glaubt aber nicht, dass A. Feinde hatte – zumindest nicht in Gansingen. «Ich selber habe ihn als ruhigen, eher unauffälligen Zeitgenossen erlebt», sagt Hüsler. Von anderen hörte er, dass A. sich in letzter Zeit eher zurückgezogen hatte. «Im Samariterverein war er nach wie vor aktiv dabei», sagt eine Samariterin. Sie beschreibt ihn als sympathisch und offen.

Der Umstand, dass man noch nicht weiss, was sich in jener verhängnisvollen Nacht vom Samstag auf den Sonntag in und um das Einfamilienhaus abgespielt hat, «macht es schwer, mit dem Geschehen umzugehen», sagt Hüsler. «Derzeit glaubt jeder zu wissen, was Sache ist, und doch hat niemand eine Ahnung – ausser der Polizei.»

Leichen noch nicht identifiziert

Offiziell ist noch nicht einmal bestätigt, dass es sich bei den beiden Toten um A. (59) und seine Freundin, die laut Nachbarn oft mit ihren beiden Hunden bei A. war, handelte. Derzeit deutet allerdings nichts darauf hin, dass sich zum Unglückszeitpunkt jemand anders im Haus aufgehalten hat.

A. gehörte das Haus und er betrieb in den Räumen ein Tattoo-Studio.

Als A. noch mit seiner Ex-Frau zusammen war, führten die beiden auf dem Anwesen eine kleine Hundezucht. Zwischen 2003 und 2005 wurden mehrere ihrer Hunde vergiftet.

Die Tragödie verarbeiten

Hüsler wünscht sich, wie auch die Nachbarn, dass das Unglück schnell aufgeklärt wird. «Das braucht es, damit die Tragödie verarbeitet werden kann.» Und damit die Angst, die seit Sonntag etlichen Dorfbewohnern in den Knochen steckt, gebannt werden kann. Hüsler schnauft kurz schwer, sagt dann: «Bei allem Unglück bin ich froh, dass nicht noch mehr Personen zu Schaden gekommen sind.» Das Feuer hätte leicht auf andere Gebäude übergreifen können. «Das hat unsere Feuerwehr verhindert. Sie hat einen Top-Job gemacht.»

Seine Gedanken seien bei den Angehörigen, sagt Hüsler. A. hinterlässt zwei erwachsene Kinder - einen Sohn und eine Tochter. Die Polizei konnte sie kontaktieren. Die Kinder waren am Montag für die az ebenso wenig zu sprechen, wie die Ex-Frau, die in einem Nachbardorf lebt.