Reaktivierung

Hartnäckige Fricktaler Politiker: Die Rheintallinie bleibt auf der Agenda

Derzeit fahren auf der Rheintallinie nur Güter- und Servicezüge. Dies soll sich wieder ändern.

Derzeit fahren auf der Rheintallinie nur Güter- und Servicezüge. Dies soll sich wieder ändern.

Die Reaktivierung der Rheintallinie hat einen schweren Stand – die Promotoren bleiben kämpferisch. Kantonale und nationale Politiker aus dem Fricktal und dem Zurzibiet weibeln in Aarau und Bern für die Idee und auch die beiden Planungsverbände Fricktal Regio und Zurzibiet Regio haben sich hinter das Projekt gestellt.

Sie sind hartnäckig, die Fricktaler (Politiker), das beweisen sie immer wieder. Wenn sie etwas wollen, dann bekommen sie es auch – zumindest oft. So haben die Grossräte den Halbstundentakt zwischen Laufenburg und Stein gegen den Willen der Regierung im Parlament durchgeboxt und so haben sie sich – befeuert von Herbert Lützelschwab – gegen die Streichung des Kantonsbeitrages an den Tarifverbund Nordwestschweiz erfolgreich gewehrt.

Ein solches Herzensprojekt ist jetzt die Rheintallinie, die reaktiviert werden und Basel dereinst wieder direkt mit Winterthur verbinden soll – via Laufenburg und Stein. Kantonale und nationale Politiker aus dem Fricktal und dem Zurzibiet weibeln in Aarau und Bern für die Idee und auch die beiden Planungsverbände Fricktal Regio und Zurzibiet Regio haben sich hinter das Projekt gestellt.

Das Projekt verursacht hohe Kosten

Die schnelle Zugverbindung, die hier geplant ist, gleicht derzeit allerdings mehr einem Bummelzug. Weder die Aargauer Regierung noch der Bundesrat können dem Projekt etwas abgewinnen und verweisen auf die hohen Kosten, die das Projekt verursacht, wobei der Bundesrat in seiner Antwort auf das Postulat von Ständerat Hansjörg Knecht (SVP) auch durchblicken lässt, dass sich zuerst einmal der Kanton Aargau selber hinter dem Projekt stellen sollte.

Tut er derzeit nicht. Er beruft sich in der Antwort auf ein Postulat von CVP-Politikern um Sprecher Andreas Meier, das inzwischen zurückgezogen und mit geändertem Text neu eingereicht wurde, auf eine Bachelorarbeit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Die Studenten beziffern darin die jährlichen Betriebskosten für eine stündliche Interregio-Verbindung auf 37,2 Millionen Franken. Bei einer prognostizierten Auslastung von 20 bis 30 Prozent verblieben laut Regierung 26 bis 30 Millionen Franken ungedeckte Betriebskosten pro Jahr.

Ständerat weist Postulat von Hansjörg Knecht ab

Auch der Ständerat sieht keinen Handlungsbedarf; er hat das Postulat von Knecht nicht überwiesen. «Einer der wichtigen Gründe für die Ablehnung war die Haltung der Aargauer Regierung, welche das Projekt vor allem auch aus finanziellen Gründen derzeit nicht unterstützt», bilanziert Knecht in einer Mitteilung. Hier gelte es, noch Überzeugungsarbeit zu leisten und den nötigen Rückhalt des Regierungsrates zu sichern.

Dies sieht CVP-Grossrat Alfons P. Kaufmann gleich. Er gehört zusammen mit seinen Partei- und Ratskollegen Werner Müller, Andreas Meier und René Huber zu den Promotoren des Projekts auf kantonaler Ebene. «Wir müssen unbedingt dranbleiben und uns mit allen politischen Mitteln für die Rheintallinie einsetzen.» Er ist sich dabei bewusst: «Es wird viel Überzeugungskraft brauchen.»

Die Brücke löst das Problem nicht

Dass es sich lohnt, steht für Kaufmann, der zugleich Fraktionschef seiner Partei ist, «ausser Frage». Zum einen müsse die Region Laufenburg besser an den ­öffentlichen Verkehr angeschlossen werden, zum anderen brauche es eine Alternativroute, um das «Nadelöhr Bözberg» zu entlasten.

Zudem weist Kaufmann auf das Sisslerfeld hin, wo dereinst 4000 bis 6000 Arbeitsplätze entstehen könnten. «Darauf müssen wir vorbereitet sein.» Das Problem löst seiner Ansicht nach auch die Brücke über den Rhein, die angedacht ist, nicht. «Wenn wir die Strasse und die Bahn entlasten wollen, kommen wir nicht um die Reaktivierung der Rheintallinie herum.»

Das Argument des Bundesrates überzeugt ihn nicht

In seiner Antwort auf das Postulat von Knecht weist der Bundesrat auf die Elektrifizierung der deutschen Hochrheinstrecke hin, an der sich der Bund finanziell beteiligt und die eine Entlastung bringen soll. «Die Rheintallinie braucht es daneben gleichwohl», ist Kaufmann überzeugt.

Ihn überzeugt auch das Argument des Bundesrates nicht, dass die Interregio-Verbindung die Aargauer S-Bahnen benachteilige und den Güterverkehr verunmögliche und dass zum Ausgleich dieser Nachteile «überschlägig gerechnet Investitionen von mehreren hundert Millionen Franken getätigt werden müssten». Es gebe viele andere Bahnprojekte, die teuer seien und wenig Rendite abwerfen. «Man kann nicht alles mit Zahlen aufwiegen. Für die Region ist dieses Projekt zentral.»

Die Nachbarkantone an Bord holen

Für ihn und die Rheintalline-Promotoren heisst das: «dranbleiben». Frei nach dem Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein, soll es gelingen, ein Umdenken bei Bund und Kanton zu erreichen. Dabei will Kaufmann auch die Nachbarkantone, Basel-Stadt und Basel-Landschaft, mit ins Boot holen und zu Verbündeten machen. Auch sie würden profitieren, ist Kaufmann überzeugt.

Es brauche ein breites Lobbying, sagt Kaufmann. Das sieht Knecht gleich. «Es ist wichtig, die Anliegen des Zurzibiets und des Fricktals immer wieder in Bundesbern einzubringen», schreibt der Ständerat in einer Mitteilung. Selbst wenn solche Vorstösse nicht immer von sofortigem Erfolg gekrönt seien. «Aber sie sensibilisieren das Parlament und den Bundesrat für die Belange von Randregionen, welche ansonsten nicht unbedingt im Fokus der Aufmerksamkeit stehen.»

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Autor

Thomas Wehrli

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