Kraftwerk Rheinfelden
Härtetest für die dritte Kraftwerkmaschine

Die Arbeiten am neuen Kraftwerk in Rheinfelden sind voll im Zeitplan. Nun begannen die Testläufe mit der dritten Maschineneinheit.

Peter Rombach
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Wenn alle Maschinen «rund» laufen und monotones Dröhnen im Betonbau zu hören ist, befällt einen sonst von nüchterner Technik geprägten Projektleiter Helmut Reif etwas Melancholie: «Welch ein Ton», schmunzelt er und öffnet die Tür zur Leitwarte, von wo aus der gesamte Kraftwerkkomplex elektronisch überwacht und gesteuert wird. Auf riesigen Monitoren an der Wand sind die Funktionsweisen von Turbinen, Laufrädern oder Generatoren dargestellt. Für den Laien unverständlich, gibt es noch eine Fülle anderer Informationen, die Kraftwerkleiter Hansjörg Matt und sein Team beherzigen müssen. «Im Grunde genommen funktioniert solch ein modernes Kraftwerk völlig von alleine und reguliert sich selbst», verdeutlicht Helmut Reif.

Bis dahin ist allerdings noch jede Menge Arbeit zu bewältigen. An diesem Dienstag bleibt nicht alles bei der Routine. Um einen Computerbildschirm scharen sich Ingenieure der verschiedensten Fachrichtungen. Zu ihnen gehört auch Harald Bornefeld, bei der Firma Voith verantwortlicher Mann für die Leittechnik Kraftwerke. Der Uhrzeiger rückt auf 10 Uhr vor, die Spannung steigt, auf dem Bildschirm bewegen sich diverse Elemente – der dritte Maschinensatz ist «angefahren».

Mindestens eine Woche dauern nun die mechanischen Tests. Da geht es um die Höhe von Drehzahlen, ob der so genannte Leitapparat optimal schliesst, wie sich das Laufrad ausrichten lässt, wie hoch die Temperatur in den Lagern ist oder ob die Ölstation wichtige Steuerelemente problemlos versorgt. Die Materialgüte kommt ebenfalls auf den Prüfstand, falls für eine Maschineneinheit eine Schnellabschaltung in 9,4 Sekunden – beispielsweise bei einem Blitzeinschlag ins Leitungsnetz – notwendig werden sollte. «Dabei entwickeln sich gigantische Kräfte», weiss Projektleiter Reif. Verständlich, wenn er daran erinnert, dass ein Rotor 120 und ein Laufrad 60 Tonnen wiegt.

Dass «Land in Sicht» ist, macht Reif noch an einem anderen Beispiel fest. Kommenden Montag wird mit dem Höherstau im Oberwasserbereich begonnen, wofür ein Wasservolumen von einer Million Kubikmetern erforderlich ist. Bei der momentanen Wasserführung des Rheins – 688 Kubikmeter pro Sekunde gestern um 17.10 Uhr – dauert die Aktion dann mindestens zwei Tage.

Für den Höherstau waren umfangreiche Vorarbeiten zu erledigen. Hierzu gehörten im Wesentlichen die bauliche Sicherung für Schloss Beuggen und die angrenzenden Industrieanlagen sowie Schutz- und Sicherungsmassnahmen für die Fischereieinrichtungen am deutschen und Schweizer Ufer.