«Wir alle hetzen durch das Leben und werden abgelenkt. Die Musik ermöglicht es uns, im Hier und Jetzt zu sein», begrüsste Edit Siegfried-Szabo das Publikum im Zeininger Ärztehaus. Und man sollte hinzufügen: Engagierte Menschen wie Barbara Kasper, Yvette Oeschger und Edit Siegfried-Szabo ermöglichen der Fricktaler Bevölkerung, vor Ort hochstehende Musik zu hören.

Denn Musik von Weltrang war es, die Aniele Steininger und Aline Schnepp, beide in festlichen Abendkleidern, an diesem Abend spielten. Zwei Musikerinnen, die schon bei Grössen wie dem russischen Pianisten Nikolai Luganski oder dem ungarischen Cellisten Miklós Perényi zur Schule gingen, in einem Zeininger Ärztehaus – ein interessanter Kontrast, der schon nach den ersten Klängen zum Natürlichsten der Welt werden sollte.

Gelungene Zusammenarbeit

Bereits in den ersten drei Sätzen aus Ludwig van Beethovens Sonate Nummer 5 verdeutlichte sich die gelungene Zusammenarbeit der Künstlerinnen. Kein Instrument dominierte das andere und es entstand ein harmonisches Klangvolumen im grossen Attika. Aniele Steininger vereinnahmte das Publikum durch einen unprätentiösen Zugang zu Beethovens Sonate, einem Spätwerk, das er 1815 praktisch taub komponiert hatte. «Während der erste Satz mit vielen Kontrasten spielt und kurz, prägnant und spielerisch daherkommt, ist der zweite Satz, das ‹Adagio con molto sentimento d’afetto›, unglaublich tiefgründig und verletzlich», erklärte Aline Schnepp.

Durch ihren sorgfältig herausgearbeiteten Bogenstrich, ihre persönliche Intonation und Artikulation gelang es der Cellistin im Konzert, diese Fragilität zum Ausdruck zu bringen. Auch im dritten Satz, einer komplexen Fuge, wurde dem Publikum die aussergewöhnliche Leistung der beiden Künstlerinnen bewusst. Gerade Auftritte im kleinen Rahmen ermöglichen eine Nähe, die den Musikern eine hohe Konzentration abverlangt.

Unterschiedlicher Charakter

Die Nähe des Cellos zur menschlichen Stimme verdeutlichte sich in Manuel de Fallas «Suite populaire espagnole». Als sänge sie mit Klavierbegleitung, spielte Aline Schnepp die sechs kurzen Stücke unterschiedlichen Charakters, welche Maurice Maréchal nach den originalen «Siete canciones populares españolas» für Violoncello und Klavier bearbeitet hatte.

Nach dem Eintauchen in die spanische Musikwelt folgte ein weiteres Meisterwerk, die Sonate in A-Dur von César Franck von 1886. Sie stammt aus der Violin-Literatur und wurde für das Cello bearbeitet. Im Gegensatz zur Sonate Beethovens hängen die einzelnen Sätze hier klar zusammen. Das Hauptthema, welches immer wieder auftraucht, strahle auf sie eine innere Ruhe aus, schilderte Aline Schnepp. «Die Klangfarbenpalette der beiden Instrumente wird voll und ganz ausgeschöpft und vom ersten bis zum letzten Ton wird man als Zuhörer aber auch als Interpret in eine Traumwelt versetzt.»

Nach dem Konzert, dessen Kollekte an die Künstlerinnen ging, wurde das Publikum zu einem Apéro eingeladen. Die nächsten Konzerte im Zeininger Ärztehaus finden am 10. November und 15. Dezember statt.