Kaisten
Happy End für Schwein Paula: Auf dem Tierlignadenhof hat es ein Zuhause gefunden

Mit den Ferkeln Peggy und Page hat das Hausschwein auf dem Tierlignadenhof in Kaisten zwei Freunde gefunden.

Dennis Kalt
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Hausschwein Paula fühlt sich auf den Tierlignadenhof, den Janina (im Bild) und Stefanie Sutter zusammen leiten, sauwohl.

Hausschwein Paula fühlt sich auf den Tierlignadenhof, den Janina (im Bild) und Stefanie Sutter zusammen leiten, sauwohl.

Dennis Kalt

Paula bringt unter ihrem Gewicht die Holzplanken des Stalls zum Knirschen. Wenn das Hausschwein Essen ortet, dann ist es um seine Zurückhaltung geschehen. So verschwindet denn auch im Nu der Apfel aus der Hand von Tierlignadenhof-Leiterin Janina Sutter, 32, schmatzend im Maul des über drei Zentner schweren Kolosses.

Die Geschichte von Paula ist nur eine von vielen aus dem zu Ende gehenden Jahr, die sich auf dem Kaister Gnadenhof ereigneten. Als Gebärmaschine auf einem Zuchtbetrieb vor der Verwurstung gerettet, verlangte das Veterinäramt die Vergesellschaftung von Paula mit einem zweiten Hausschwein. Weil dies mit Wildsau Joker nicht klappte, holten die Schwestern mit den Ferkeln Peggy und Page zwei weitere Artgenossen hinzu. «Es klappt mit den dreien. Zuweilen aber rennen Peggy und Page quiekend davon, wenn ihnen Paula mit offenem Maul hinterherrennt», sagt Janina Sutter, die zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Stefanie auf dem Hof lebt.

Quarantänesituation zum Wohl der Tiere verhindern

Neben dem Wohl der rund 150 Tiere beschäftigt die Zwillingsschwestern dieses Jahr besonders ein Thema: Corona. Seit Oktober haben sie den Gnadenhof für Besucher geschlossen – dies primär aus Verantwortung der Tiere gegenüber. «Wenn sich einer von uns infiziert und wir in Quarantäne müssen, kann kein Tierarzt mehr zu uns kommen», sagt Janina Sutter. «Schrecklich, wenn es dann zu einem Notfall auf dem Hof kommen würde», schiebt sie nach.

Andererseits wirkt sich dieser Besucherstopp – bereits im Frühjahr gab es solch einen – negativ auf die Finanzen aus, denn: «Einige Besucher bringen uns Sachspenden vorbei, stecken uns eine 20er-Note zu oder übernehmen eine Patenschaft für ein Tier», sagt Sutter. Rund 20000 Franken für Futter, Tierarzt, Unterhalt und Teilzeitangestellte beträgt der monatliche Aufwand, der neben ebendiesen Spenden und Patenschaften mit Legaten und durch den Verdienst der Schwestern aus ihren eigenen Berufen finanziert wird.

Ein Glücksfall sei die Serie «SRF bi de Lüt – Echte Tierhelden» gewesen, die im April und Mai vom Tierlignadenhof berichtete. «Zwar konnten die Leute nicht mehr zu uns, dafür kamen wir in ihre Wohnzimmer», sagt Janina Sutter. So trudelten viele Spenden ein, die geholfen haben, das Loch durch den ersten Besucherstopp zu kompensieren. «Im Moment geht es uns finanziell nicht schlecht; ich will mich nicht beschweren», sagt Janina Sutter.

Auch dieses Jahr habe man viele Anfragen von Privaten und Tierschützern für einen Platz auf dem Gnadenhof bekommen. Neben Peggy und Page – den zwei Ferkeln – haben die Schwestern vier Hunde, zwei Ponys, drei Geissen, rund 20 Katzen sowie mehrere Gänse und Enten aufgenommen.

Tierlignadenhof ist wie eine grosse WG

Neben dem finanziellen Aspekt müsse auch die Platzkapazität berücksichtigt werden bei der Frage, ob eine Aufnahme möglich ist. Das wichtigste Kriterium, so Janina Sutter, ist aber die Frage, «ob die Tiere mit anderen Bewohnern vom Gnadenhof auskommen».

Der Gnadenhof ist für die Zwillingsschwestern wie eine grosse WG. Deswegen ist es für sie auch immer unglaublich schwer, wenn sie von einem Tier Abschied nehmen müssen. Etwa auch, als vor wenigen Wochen Hund Jamie nach über 13 Jahren verstarb. «Er war wie ein Familienmitglied. Er fehlt uns», sagt Janina Sutter. Die Tatsache, dass, sobald man nach Hause komme, wieder sieben oder acht Hunde auf einen warten, die geknuddelt und gefüttert werden wollen, helfe einem aber, solche Verluste schneller zu verarbeiten; und auch die Gewissheit, dass wieder ein Platz für ein glückliches Schicksal entsteht.