Stein
Hansueli Bühler tritt von der politischen Bühne ab

Der Gemeindeammann kandidiert nach 24 Jahren nicht mehr – er hat viel für Dorf und Region geleistet.

Thomas Wehrli
Drucken
Teilen
«Auf Stufe Gemeinde kann man viel bewegen und das Erreichte ist konkret, ist sicht- und fassbar»: Hansueli Bühler in seinem Büro im Gemeindehaus. Archiv/twe

«Auf Stufe Gemeinde kann man viel bewegen und das Erreichte ist konkret, ist sicht- und fassbar»: Hansueli Bühler in seinem Büro im Gemeindehaus. Archiv/twe

Mit Hansueli Bühler tritt Ende Jahr ein Schwergewicht von der politischen Bühne ab: Seit 28 Jahren sitzt der 69-Jährige im Gemeinderat von Stein, seit 24 Jahren führt er die Gemeinde als Ammann. Sein «fortgeschrittenes Alter» führt Bühler denn auch als Hauptgrund für seinen Entschluss an, im Herbst nicht mehr zu kandidieren. «Nochmals vier Jahre zu machen, wäre mir zu viel», sagt er. Er habe sich zwischenzeitlich überlegt, nochmals anzutreten und eine halbe Amtsperiode zu machen, diesen Gedanken aber dann verworfen.

Mit dem Rücktritt von Bühler ist der Generationenwechsel, den der Gemeinderat 2015 eingeleitet hat, weitgehend vollzogen. Von den fünf Gemeinderäten, welche die Amtsperiode 2013-17 in Angriff genommen haben, ist nur noch Bühler und Vizeammann Walter Zumstein im Amt; die drei anderen Sitze wurden in den letzten zwei Jahren neu besetzt. Zumstein tritt wie die drei «Neuen» im Herbst nochmals an.

Was Bühler besonders freut: Es kam bei jeder Ersatzwahl zu einer Kampfwahl, was für die Gemeinde und ihre politische Kultur spricht. Der scheidende Ammann ist denn auch überzeugt, dass sich auch diesmal gute Kandidaten für seinen Sitz finden werden – «natürlich aus der FDP», sagt FDP-Mann Bühler augenzwinkernd.

Das Bauchgefühl

Ganz leicht werde es ihm sicher nicht fallen, abzutreten, sagt Bühler – und wer den Vollblutpolitiker kennt, weiss, dass er etwas untertreibt, denn die Politik ist und war sein Leben. Bühler war – parallel zum Ammann-Amt – elf Jahre lang Präsident des Planungsverbandes Fricktal Regio und sass sechs Jahre im Grossen Rat. «Ich werde einiges, was mir wichtig ist, loslassen müssen», räumt er ein, verstummt kurz und fügt dann hinzu: «Aber es ist Zeit. Das sagt mir auch mein Bauchgefühl.»

Vermissen wird Bühler die Arbeit – oder besser: das Erarbeiten. «Auf Stufe Gemeinde kann man viel bewegen und das Erreichte ist konkret, ist sicht- und fassbar.» Sichtbar ist etwa, dass sich Stein in den letzten 40 Jahren vom armen Bähnler- und Zöllnerdorf zur reichen Pharmahochburg gemausert hat. Novartis und Syngenta sei Dank.

Sichtbar ist die Veränderung, dieses Werden auch am Dorfbild: Die «graue Maus», wie Bühler das Dorf in den Siebzigerjahren erlebt hat, hat sich zu einem kleinen, pulsierenden Zentrum zwischen Frick und Rheinfelden gewandelt. Bühler lacht, wie er sich an die erste Zeit in Stein erinnert. Seine Bank schickte ihn, nein: verdonnerte ihn 1971 dazu, die Filiale in Stein auf Vordermann zu bringen. Zwei, drei Wochen sollte er bleiben und dann über den Hügel nach Aarau zurückkehren. Es wurden 47 Fricktaler Jahre.

Eine Schönheit sei Stein zwar auch heute noch nicht, räumt Bühler ein. «Doch das Dorf bekam seinen unverwechselbaren Charakter und es entwickelte sich dank der Pharma und auch dank Bad Säckingen prächtig.» Das zeigt sich nicht zuletzt an der Zahl der Einwohner: Sie hat sich in den letzten 30 Jahren nahezu verdoppelt.

Verletzende Mails nehmen zu

Was waren für Bühler die Highlights in diesen Jahren? Bühler stutzt, überlegt. «Darüber habe ich bislang noch nicht nachgedacht», sagt er dann. Denn derzeit sei er ja noch voll im Amt. Und wird es bleiben, bis zum letzten Amman-Tag. Der Auf- und Ausbau der Infrastruktur sei sicher ein Meilenstein gewesen, sagt er dann, die Weiterentwicklung des Rheinfelsareals ein zweiter, ein beschwerlicher auch, denn mit dem ersten Projekt scheiterte der Gemeinderat grandios.

Es war auch die Zeit für Bühler, in der er die Schattenseite des Politisierens kennenlernte. Gehässige Dispute, verletzende Mails, Angriffe auf die Person. Dies sei der Teil des Amtes, den er nicht vermissen werde, sagt er. Das Auf-den-Mann-Spielen habe in den letzten Jahren klar zugenommen. «Keine gute Entwicklung», findet Bühler. Manchmal, wenn die verbalen Schläge arg tief waren, habe er sich schon gefragt: «Weshalb tust du dir das an?» Ganz einfach: Weil man einen Bühler nicht kleinkriegt. Wer ihn aber etwas genauer kennt, der weiss auch: Die Angriffe haben ihn nicht kalt gelassen, haben Spuren hinterlassen.

Das sei aber nicht der Grund, dass er nicht mehr antrete, sagt Bühler und lacht. «Aber mit 70 muss man vernünftig sein.» Langweilig wird es Hansueli Bühler mit Sicherheit nicht. Reisen wolle er zusammen mit seiner Frau, erzählt er. Endlich einmal längere Zeit nach Australien gehen, dorthin, wo seine Tochter mit ihrer Familie lebt. New York steht ebenso auf seiner Reiseliste wie Kanada und der Norden. Gute Reise. Ins Leben danach.

Aktuelle Nachrichten