Zeiningen

Hanfpflanzen aus dem Baukasten – bald sind Bestellungen aus dem Katalog möglich

Gavin Geroge forscht für «Pure Production».

Gavin Geroge forscht für «Pure Production».

Der Zeininger Hanfhof wird zum gesicherten Forschungscampus. Durch Züchtungen sollen spezifische Eigenschaften von einer THC-Pflanze auf eine harmlose CBD-Pflanze übertragen werden. Bald sind massgeschneiderte Bestellungen aus dem Katalog möglich.

Da staunte die Eidgenössische Zollverwaltung nicht schlecht: Stevens Senn, CEO der Pure Holding AG, meldete letzte Woche die Einfuhr von 15000 Cannabissamen mit dem berauschenden Wirkstoff THC am Flughafen Zürich an. «Das war für uns genauso Neuland wie für den Zoll. Schlussendlich verlief der Import jedoch reibungslos, da wir die nötigten Dokumente dabei hatten», erzählt Lino Cereghetti, Pure-COO.

Möglich war die Einfuhr, weil das Bundesamt für Gesundheit der Pure Holding AG, zu der sechs Gesellschaften gehören, eine Lizenz zur Forschung mit dem psychogenen Wirkstoff erteilte. «Uns geht es darum, mehr genetische Diversität in die Forschung zu bringen. Nicht darum, berauschende Blüten zum Konsum auf den Markt zu bringen», so Cereghetti.

So sollen durch Züchtungen unter anderem spezifische Eigenschaften – etwa eine erhöhte Resistenz gegen Krankheiten – von einer THC-Pflanze auf eine CBD-­Pflanze übertragen werden. Bei CBD-Hanf handelt es sich um ein Produkt, dessen THC-Gehalt so tief ist, dass es nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fällt.

Zäune mit Stacheldraht, 37 Kameras und Bewegungsmelder

Damit das Unternehmen mit dem berauschenden Pflanzen am Standort in Zeiningen forschen kann, musste ein gesicherter Bereich geschaffen werden. Dazu gehören Zäune mit Stacheldraht, 37 Kameras mit Bewegungsmeldern und Türen, die sich nur per Badge öffnen lassen. Das berauschende Material, das während der Züchtung entsteht, wird in einem gesicherten Container gesammelt. «Wir führen Protokoll über die Menge an THC, die anfällt. Das Material wird regelmässig unter Aufsicht des Kantonsapothekers vernichtet», sagt Cereghetti.

In den gesicherten Forschungsbereich, der im Juni in Zeiningen fertiggestellt wurde, hat das Unternehmen mehrere Millionen Franken investiert. Dazu gehören unter anderem mehrere Gewächshäuser mit Sicherheitsschleusen, zwei Labore und ein Raum, in dem man verschiedenen klimatische Bedingungen simulieren kann.

Mit dem neuen Forschungsareal hat das Unternehmen die Tochterfirma Puregene gegründet, die sich darauf fokussiert, herauszufinden, wie eine Pflanze spezifische Inhaltsstoffe und Eigenschaften ausbildet. Bis März wolle man einen Katalog mit 120 Eigenschaften auflisten, aus denen sich die Kunden – etwa die Pharmaindustrie – ihre Pflanze wie aus dem Baukasten züchten lassen können. Bereits dieses Jahr sind mehrere Millionen Ableger von Züchtungen der Puregene AG auf dem US-Markt abgesetzt worden.

Derzeit beschäftigt «Puregene» aus zehn Nationen 17 Mitarbeiter und Forscher, die einen Algorithmus mit DNA-Sequenzen füttern, um herauszufinden, welche Sequenz für welche Eigenschaft verantwortlich ist. «In einigen Wochen werden wir täglich Daten aus bis zu 3000Pflanzen in den Algorithmus einspeisen können», sagt Senn. «Dann wird unser Wissen über die Pflanze exponentiell wachsen», so Cereghetti.

Autor

Dennis Kalt

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