Fricktal
Handwerksbetriebe müssen um gute Lehrlinge kämpfen

Handwerksbetriebe stehen zunehmend unter Druck, wenn es um die Rekrutierung ihrer Lehrlinge geht. Steigende Konkurrenz seitens der Gymnasien, aber auch mangelnde Grundlagenbildung dünnen die Auswahl erheblich aus.

Sabina Galbiati
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Die Schreinerei David Kläusler in Herznach setzt auf Innovation.

Die Schreinerei David Kläusler in Herznach setzt auf Innovation.

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Fricktaler Lehrmeister bangen um Qualität und Zahl ihrer Lehrlinge. Weil gute Schüler immer häufiger ins Gymnasium abwandern, sorgen sich viele Unternehmer um die künftige Besetzung der Kaderpositionen. Zwar könnten sich auch schwächere Schulabgänger auf Kaderpositionen fokussieren. Gerade kleine Unternehmen können sich jedoch die intensive Betreuung von Realabgängern zeitlich oft nicht leisten und geraten in einen Interessenkonflikt.

In den Betrieben sei man durchaus daran interessiert, motivierte Realabgänger zu engagieren, aber «wenn sie nicht wissen, wie viele Quadratzentimeter ein Quadratmeter hat, dann kommen auch wir an unsere Grenzen», sagt David Kläusler, Schreinermeister in Herznach. Insbesondere die Handwerksbranche leidet. Auch Marcel Birrer, Berufsbildungsobmann des Autogewerbes im Kanton Aargau, klagt: «Den Realabgängern fehlt es oft an den Grundlagen.» Seit 20 Jahren setzt er sich für die Lehrlinge ein, auch in seinem Betrieb in Sisseln. «Ich merke oft, dass schwächere Schüler, in der 2-jährigen Attestlehre schulisch kaum Fortschritte machen.» Diese jungen Leute seien handwerklich zwar gut, aber ihr schulischer Rucksack sei praktisch leer, stellt Birrer fest.

Schüler auf Irrwegen

Zwar bringt die Attestlehre neue Lehrlinge in die Betriebe, trotzdem ist sich der Schreinereiverband einig: Man will Lehrstellen auch mit Bezirksschülern besetzen können. David Kläusler spricht nicht nur aus Erfahrungen von seinem Betrieb in Herznach, sondern auch als kantonaler Präsident der Schreinermeister, wenn er die Vermittlung von Handwerksberufen in den Schulen kritisiert. «Den Jungen wird nicht aufgezeigt, welche Aufstiegsmöglichkeiten sie bei uns haben. Dabei könnten junge Leute gerade in unseren Berufszweigen schnell Kaderpositionen erreichen.» Doch für ehrgeizige Schüler sei von vornherein festgelegt, dass sie das Gymnasium machen und weiter an die Unis oder Hochschulen pilgern, ergänzt er.

Viele Oberstufenschüler finden sich ob des immensen Berufsangebots gar nicht mehr zurecht, bestätigt Heinrich Klaus, Rektor des Berufsbildungszentrums Fricktal. «Gleichzeitig wird der Kampf unter den Ausbildungsstätten in den kommenden Jahren härter, weil demografische Veränderungen darauf deuten, dass es künftig weniger Schulabgänger geben wird», erklärt Klaus weiter. Sinnvoll wäre allerdings, man würde bereits in den Oberstufen die Schüler besser über ihre Möglichkeiten informieren, heisst es gleich von mehreren Seiten.

Fricktaler Lehrmeister sehen auch die Eltern in der Verantwortung, wenn es etwa um die Weichenstellung der Kinder geht. Einerseits wollen und können viele Eltern ihre lernschwachen Kinder nicht adäquat betreuen, weil beide berufstätig sind oder selber nicht über das nötige Wissen verfügen, andererseits gibt es Eltern, die denken nur das Beste sei gut genug, auch wenn es nicht das Beste für ihre Kinder ist. Ähnlich tönt es vom Berufsbildungszentrum Fricktal. «Die Eltern sollten realistischer sein. Doch sie stellen die Weichen oft falsch, weil sie denken, das Gymnasium sei Garant für eine Karriere.» Rektor Klaus bedauert, dass «der Königsweg über die Berufslehre, die Berufsmatur und letztlich eine Hochschule dermassen unterschätzt wird».

Dilemma der Betriebe

Was für die einen Betriebe ein Segen ist, bereitet anderen zunehmend Schwierigkeiten. Hat ein Betrieb es geschafft, gute Lehrlinge zu gewinnen, geht der Kampf um die Besten nach Abschluss der Lehre weiter. Doch die Betriebe kämpfen auch an anderer Front. So erklärt Walter Halser von der Walter Hasler AG in Frick: «Es braucht auch junge Leute die das Handwerk nach der LAP weiter ausüben, aber viele wollen sich die Hände später nicht mehr schmutzig machen.» Sie hängen die Berufsmatur und das Studium an, sodass sie später Kaderpositionen besetzen können. Doch in manchem Betrieb fehlt es dann an qualifizierten Handwerkern.

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