Fricktal

Halteverbot, Schwellen und Pedibus: So schützen die Gemeinden Schulkinder vor dem Verkehrswahnsinn

Im Bereich von Schule und Kindergarten besteht in Kaisten seit Anfang Jahr eine Begegnungszone mit Halteverboten.

Im Bereich von Schule und Kindergarten besteht in Kaisten seit Anfang Jahr eine Begegnungszone mit Halteverboten.

In Herznach und Kaisten bewährt sich das neue Verkehrsregime bei der Schule – Möhlin sensibilisiert die Eltern.

Seit Anfang Jahr gilt in Kaisten im Bereich der Schule und des Kindergartens ein neues Verkehrsregime. Der Gemeinderat hat eine Begegnungszone eingeführt. Damit beträgt die zulässige Höchstgeschwindigkeit 20 Kilometer pro Stunde, und die Fussgänger haben gegenüber Fahrzeugen Vortritt. Letzteres war laut Gemeindeschreiber Manuel Corpataux einer der Hauptgründe für die Begegnungszone.

Nach rund einem halben Jahr zieht der Gemeindeschreiber ein positives Fazit über das neue Verkehrsregime. Anfänglich seien noch viele Automobilisten zu schnell unterwegs gewesen. «Mittlerweile hat sich das aber gut eingespielt und die meisten Automobilisten halten sich an die Regelung», so Corpataux. «Das System bewährt sich.» Wohl nicht zuletzt auch deshalb, weil die Gemeinde die Regionalpolizei beauftragt hat, Kontrollen durchzuführen. «Das werden wir auch weiterhin tun, die Sicherheit der Kinder steht für uns im Vordergrund», betont Corpataux.

Neue Schwellen in Herznach

So hat der Gemeinderat auch reagiert, als er festgestellt hat, dass durch die Baustellen an den Kantonsstrassen der Schleichverkehr durch die Schulstrasse zunimmt. Bei einer Messung habe die Polizei 300 Fahrzeuge in 90 Minuten gezählt, so Corpataux. Das hat den Gemeinderat veranlasst, ein auf die Bauzeit befristetes Fahrverbot für den Durchgangsverkehr zu verfügen. Dieses gilt vorerst für 60 Tage. In dieser Zeit will der Gemeinderat laut Corpataux auch die eingegangenen Einsprachen verhandeln.

Auch in Herznach hat man diesen Frühling rund um die Schule Neuerungen eingeführt, um die Sicherheit für die Kinder zu erhöhen. Einerseits stehen Schilder, welche die Automobilisten auffordern, freiwillig Tempo 30 einzuhalten. Andererseits wurden Bremsschwellen eingebaut, um das Tempo der Autos zu reduzieren. «Das neue Regime gilt noch nicht lange», so Gemeindeschreiber Harry Wilhelm. «Doch das erste Fazit ist positiv.»

Gefahr durch Eltern-Taxis

Seit Februar gibt es in Herznach zudem den Pedibus. Schulkinder werden an Haltestellen abgeholt und von einem Erwachsenen zu Fuss über die vielbefahrene Hauptstrasse begleitet. Mit dieser Massnahme will die Gemeinde einerseits die Sicherheit der Schüler auf dem Schulweg erhöhen und andererseits die Eltern-Taxis eindämmen, wie Harry Wilhelm sagt.

In Kaisten hat man ebenfalls Massnahmen gegen die Elterntaxis ergriffen. Auf der Schulstrasse gilt zu den Schulbeginn- und Schulschlusszeiten ein Halteverbot. «Wir wollen dadurch gefährliche Wendemanöver verhindern», so Corpataux. Eltern, die ihre Kinder in den Kindergarten oder zur Schule bringen wollen, müssen seit Anfang Jahr auf dem grossen Parkplatz bei der Sporthalle parkieren.

Auch in Möhlin kennt man die Eltern-Taxi-Problematik – jedenfalls an den Primarschulen, wie René Berger, Abteilungsleiter Bau und Umwelt, ausführt. «Die Kindergärten sind sehr gut über die Quartiere verteilt und die Wege für die Kinder dadurch relativ kurz», so Berger. Deshalb gingen die meisten Kindergärtler zu Fuss.

Um die Eltern-Taxis bei den Schülern einzudämmen, verfolgt Möhlin einen anderen Weg als Kaisten und Herznach. Man bekämpfe nicht das Symptom, sondern die Ursache, so Berger. «Die Schulpflege schreibt die Eltern regelmässig an und sensibilisiert sie darauf, wenn immer möglich auf die Chauffeur-Dienste zu verzichten.»

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