Gewerbe

Günstige Körbchen, Angebote per App, kleine Portionen: So kämpft das Fricktal gegen Food Waste

Manuel Schmutz vom Fricker «Biopeter» bietet im Kampf gegen Food Waste sogenannte «Putz-mich-weg-Körbchen» mit Obst oder Gemüse an.

Manuel Schmutz vom Fricker «Biopeter» bietet im Kampf gegen Food Waste sogenannte «Putz-mich-weg-Körbchen» mit Obst oder Gemüse an.

Rund ein Drittel der Lebensmittel geht zwischen Feld und Teller verloren oder wird verschwendet. Gemäss Bundesamt für Umwelt werden hierzulande 2,8 Millionen Tonnen an Food Waste fabriziert. Die Gastronomie und der Gross- und Detailhandel haben hier einen Anteil von 17 Prozent. Das findet Manuel Schmutz, der in Frick den Bioladen Bio­peter betreibt, bedenklich. «Wenn ich in meinem Laden etwas wegwerfen muss, tut mir das weh», sagt er. Um zu vermeiden, dass seine Lebensmittel in der Tonne landen, bevor sie im Einkaufskorb der Kunden liegen, fährt er verschiedene Taktiken. Eine davon ist etwa das «Putz-mich-weg-Körbchen». In diesem landet Obst und Gemüse, das überreif oder optisch nicht mehr ganz einwandfrei ist. Die Körbchen, in denen sich über ein Kilo an Inhalt befindet, bietet er für drei Franken an. «Es gibt Leute, die extra wegen dieser Körbchen kommen, um am gleichen Abend eine Gemüsesuppe oder einen Auflauf zu kochen», sagt Schmutz.

Was sich kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums befinde, reduziere er preislich, und was vor Ablauf nicht mehr verkauft werden könne, nähmen er oder die Angestellten nach Hause. «So können wir die Wegwerf-Quote bei etwa einem Prozent halten», sagt er.

Für die in Laufenburg domizilierte Bäckerei Maier, die neun Filialen betreibt, liegt ein guter Ausschusswert bei etwa 8 Prozent, ein schlechter bei 20, sagt Gregor Maier, Mitglied der Geschäftsleitung. Um den Ausschuss so gering wie möglich zu halten, bietet die Bäckerei übrig gebliebene Ware über die App «Too Good To Go» an. Auf dieser werden den Benutzern Gastronomiebetriebe und Shops angezeigt, bei denen man kurz vor Ladenschluss Essen zum vergünstigten Preis erhält. «Kunden, welche die App nutzen, bekommen bei uns eine Zusammenstellung von fünf süssen Teilchen, die je nach Verfügbarkeit variieren», so Maier.

«Die Menus werden ­kurzfristig angepasst»

Um das Thema Food Waste anzugehen, hat das Hotel Schützen in Rheinfelden die Portionen in den letzten Jahren verkleinert. «Lieber fragen wir nach, ob jemand einen Nachschlag möchte», sagt Martin Sonderegger, Direktor der Hotellerie und Mitglied der Geschäftsleitung. Darüber hinaus verzichte man darauf, das Buffet zum Ende der Essenszeiten voll nachzufüllen. «Menus werden kurzfristig angepasst», um zu vermeiden, dass noch nicht verarbeitete Lebensmittel im Kübel landen, so Sonderegger. Lebensmittel, die vom Gast in die Küche zurückkommen oder beim Rüsten entstehen, bringt ein Bauer in eine Biogas-Anlage nach Pratteln. «Diese Menge konnten wir in den letzten Jahren mehr als halbieren», so Sonderegger.

Migros und Coop betreiben im Fricktal insgesamt acht Supermärkte. Aktuell werden 98,6 Prozent aller Lebensmittel der Migros verkauft oder abgegeben, so Sprecherin Andrea Bauer. «Wir arbeiten mit ‹Tischlein deck dich› und der ‹Schweizer Tafel› zusammen». Gleiches gilt für Coop, der gemäss Sprecherin Andrea Bergmann zwischen 0,1 und 0,2 Prozent der Lebensmittel wegwerfen muss. «Nicht mehr zum Verzehr geeignete Produkte werden etwa als Tierfutter eingesetzt.»

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Autor

Dennis Kalt

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