Guck mal, wer da lächelt

Nun blicken einen die Grossratskandidaten wieder von allen Kandelabern herab an. Kleines Quiz: Wer verbirgt sich hinter den Ausschnitten?

Thomas Wehrli
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Es waren wirklich triste Monate. Seit Oktober 2019 haschte man als Autofahrer vergebens nach einem freundlichen Lächeln, sah sich erfolglos nach einem «Sieh mir in die Augen, Kleiner!» um, hörte höchstens ein «Du Hornochse!», wenn man ein Velo etwas arg nahe überholt hatte.

Doch nun sind sie zurück, die Damen und Herren (Fast-)Politiker. Wie vor einem Jahr bei den Nationalratswahlen strahlen sie nun, wenige Wochen vor den Grossratswahlen, mit ihrem Perlweisslächeln wieder um die Wette, blicken einen von den Kandelabern herab tief in die Augen und rufen einem förmlich zu: «Wähl mich!». Den Einen mag man da zurückrufen: «Warum nicht», Anderen: «Ich überleg’s mir» und Dritten: «Vergiss es!».

Haben Sie den Plakat­tep-pich, diesen sichtbaren Ausdruck der direkten Demokratie an Kandelabern und Strassenrändern, auch vermisst? Wenn ja, dann lächeln Sie zurück und sehen Sie sich satt – am 18. Oktober ist bereits wieder Schluss mit der Lächelparade.

Wenn nein, dann rufen Sie den Strahlemännern und -frauen aus dem Auto heraus ihre Meinung zu und halten Sie vor allem durch – im Wissen darum: Am 18. Oktober verschwinden die Köpfe, Pardon: natürlich nur die Plakate wieder im Nirwana des Strahlenmeers. Bis zu den nächsten Wahlen.

Derzeit aber ist wirklich kein Vorbeikommen an den Köpfen, den gut Frisierten ebenso wenig wie den Zerzausten, den Bärtigen ebenso wenig wie den Bebrillten. Selbst in Wohnquartieren strahlen sie einen aus ihren grünen, braunen, schwarzen, blauen, grauen und was-für-­farbigen Augen auch immer entgegen. Wer die Wahl hat, hat die Qual, kann man da nur sagen. Denn um die 17 Fricktaler Sitze im Parlament kämpfen nicht weniger als 126 Kandidaten. 56 sind es im oberen Fricktal; hier sind sieben Sitze zu besetzen. Im unteren Fricktal, das zehn Sitze im Grossen Rat hat, sind es 70.

Die gefahrlose Prognose: Es wird ein Mann sein

Wirklich Chancen ausrechnen können sich die wenigsten. Sechs der sieben Grossräte aus dem oberen Fricktal treten wieder an, einzig Tanja Primault (SVP) wird nächste Session nicht mehr dabei sein. Auf der SVP-Liste haben mehrere Kandidierenden reelle Wahlchancen, allen voran das SVP-Jungtalent Markus Liebi aus Oberhof, das von Listenplatz zwei aus startet.

Für zweierlei Vorhersagen muss man kein Prophet sein: Die SVP wird ihren zweiten Sitz – als Bisheriger tritt Christoph Riner nochmals an – halten können. Und: Es wird ein Mann sein. Wagt die AZ also doch einen Blick in die Glaskugel? Nein, wo denken Sie hin – ein Mann wird’s, weil die SVP-Liste schlicht frauenlos daherkommt.

Im unteren Fricktal tut sich nicht viel mehr. Von den 17 Grossräten treten 16 wieder an. Nicht mehr dabei sein wird im nächsten Jahr indes Politschwergewicht Franco Mazzi (FDP); der Rheinfelder Stadtammann tritt nicht mehr an. Das erklärte Ziel der FDP ist es, den zweiten Sitz – Bernhard Scholl will es nochmals wissen – zu halten.

Welche Augen passen zu welchen Mundpartien

Die Chancen dafür stehen gut – und verteilen sich auf mehreren Schultern. Die Liste ist ausgewogen und hat mehrere zugkräftige Namen, wobei Manuel Mauch und Astrid Zeiner sicher in der Favoritenrolle sind. Womit wir doch wieder beim Glaskugelspiel gelandet wären.

Ein anderes Spiel erscheint uns da origineller – und auch unterhaltsamer. Das Spiel geht so: Oben sehen Sie neun Mundpartien und neun Augenpartien. Die Detailaufnahmen haben wir ab den Plakaten aufgenommen, die überall hängen. Mit einer Ausnahme: Bei den SVP-Vertretern stammen die Aufnahmen von den offiziellen Wahlfotos, da die Partei auf Blachen wirbt und diese schlecht abfotografiert werden können.

Die erste Aufgabe ist es, jedes Augenpaar einem Mund (oder wahlweise auch umgekehrt) zuzuordnen. Doch, doch, das geht – das ist kein «Ha, die erwischen mich nicht»-Quiz. Augen und Münder passen zusammen – und zwar nicht wie die Faust aufs Auge, sondern ganz real. Die zweite Aufgabe ist es, die nun wieder vereinten Gesichts­partien mit einem Namen und, wer die Challenge noch steigern will, mit einer Partei zu hinterlegen. Kleiner Tipp: Es handelt sich bei allen neun Köpfen um Kandidierende aus dem Fricktal.

Wir wollen mal nicht so sein und geben – wie jeweils die Küchenhelferverkäufer es lautstark an den Märkten tun – einen Zusatztipp hinzu: Vier wohnen im oberen, fünf im unteren Fricktal.

Haben Sie alle erkannt? Wir gratulieren! Sie können von nun an, AZ-zertifiziert, den hoch­offiziellen Titel «Guck mal, wer da lächelt»-Profi tragen.