Gipf-Oberfrick
Gruppe feiert Jubiläum: «Eine Tracht leistet man sich nur einmal»

Die Trachtengruppe Gipf-Oberfrick feiert heuer ihr 80-jähriges Bestehen. Für Präsidentin Julie Schütz geht es im Verein um viel mehr als nur traditionelle Kleidung.

Mira Güntert
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zvg

Ein altes Sprichwort besagt, dass man den Vogel an seinen Federn erkennt. Das lässt sich in gewisser Hinsicht auch auf Menschen ummünzen. Zumindest auf diejenigen, die Tracht tragen. Denn diese zeigt ziemlich genau, wo ihre Trägerin herkommt.

In der Trachtengruppe Gipf-Oberfrick steht die Fricktaler Tracht hoch im Kurs. Logisch, es haben ja auch viele der drei Dutzend Mitglieder hier ihre Wurzeln. «Wir haben aber auch Leute mit anderen Trachten im Verein. Zum Beispiel mit der Baselbieter», sagt Julie Schütz, Präsidentin der Trachtengruppe.

Schütz arbeitet im «Rössli» in Gipf-Oberfrick als Serviertochter und ist seit bald 40 Jahren im Trachtenverein. Die wirblige Frau mit den langen, zum dicken Zopf gebundenen Haaren blüht auf, wenn sie von den Unterschieden und Feinheiten der Fricktaler Trachten erzählt. Sie weiss vom Leinenstoff der Werktagstracht, vom grösseren Wollanteil der Sonntagstracht und davon, dass der Stoff für die Festtagstracht sogar Seide enthält.

6500 Franken kostet eine Festtagstracht etwa. «Eine Tracht ist etwas, das man sich in der Regel nur einmal im Leben leistet», sagt Schütz.

Es sind nicht nur die Faszination an den geschichtsträchtigen Stoffen und die Freude an der Musik, die Schütz in die wöchentlichen Proben in die Trachtengruppe locken. Das gemeinsame Singen, Tanzen und Zusammensein sorgen für ein Gefühl von Zusammengehörigkeit, das sie auf keinen Fall missen will. Schütz berichtet von einigen Witfrauen im Verein, die auch dank der Trachtengruppe ihre sozialen Kontakte weiterpflegen können. «Man trägt sich in der Gruppe, wir lassen niemandem hängen», sagt sie.

Keine perfekte Stimme nötig

Die Trachtengruppe Gipf-Oberfrick ist eine der wenigen ihrer Art im Fricktal, bei denen Singen, Tanzen und eine Kindertanzgruppe dazugehören. In den meisten anderen Gruppen wird nur getanzt. Um bei der Trachtengruppe mitmachen zu können, muss man gemäss Präsidentin Schütz kein perfekter Sänger und kein perfekter Tänzer sein. «Die Freude an der Sache ist viel wichtiger», betont sie.

Der Hauptanlass des Vereins ist der jährlich stattfindende «Heimetobe» in der Mehrzweckhalle. Die Sing-, Tanz- und Kindergruppe bereiten sich intensiv auf diesen Abend vor. Ein Telefonat mit Carlo Brunner, dem bekannten Zürcher Kapellmeister, gehöre da schon mal dazu, erzählt Julie Schütz und lacht.

Die Gipf-Oberfricker beweisen, dass eine Trachtengruppe nicht nur alte, traditionelle Lieder singen muss. «Wir denken vorwärts und machen auch mal etwas Neues. Dieses Jahr singen wir auch ein Lied von Polo Hofer», sagt Schütz. Auch eine «Schnäpslibar» gibt es dieses Jahr zum ersten Mal. «Damit können wir hoffentlich auch beim jüngeren Publikum punkten», sagt Schütz.

Leute wollen sich nicht binden

Wie viele andere Vereine ist auch die Trachtengruppe nicht vor Nachwuchsmangel gefeit. Und das, obwohl man sich wie mit der «Schnäpslibar» immer wieder innovativ zeigt. «In diesem Jahr haben wir zwar schon vier neue Mitglieder dazugewonnen», freut sich Schütz. Drei davon seien erst 18-jährig oder jünger. «Doch grundsätzlich hapert es beim Nachwuchs.»

Schütz sieht den Grund für das fehlende Interesse am Vereinsleben aber nicht bei den jungen Leuten. «Es ist ein gesellschaftliches Problem. Die Leute wollen sich heute nicht mehr binden», sagt sie. «Die Dorfvereine tragen eine Gemeinschaft im Dorf.»

So gehört es für die Trachtengruppe dazu, dass man ab und zu im Alters- und Pflegeheim vorbeischaut, um die Menschen dort für einen Moment zu erfreuen. Julie Schütz kann es nicht genug oft betonen: Es ist der Zusammenhalt, der die Trachtengruppe einzigartig macht.