Dem Planungsverband Fricktal Regio weht eine steife Brise entgegen: Sein Entscheid, er akzeptiere die geplante Windkraftanlage Burg bei Oberhof angesichts der «vom Bundesrat beschlossenen Energiewende» nolens volens, stösst auf harsche Kritik. Es sei die «groteskeste Verlautbarung, die mir seitens eines regionalen Planungsverbandes je vor Augen gekommen ist», wettert Maximilian Reimann in einem Leserbrief.

Der SVP-Nationalrat wirft dem Verband implizit mangelnde Staatskundekenntnis vor und belehrt ihn, nicht der Bundesrat sei die Legislative, sondern das Parlament und letztlich das Volk. Dieses habe den Ausstieg aus der Kernenergie bislang stets abgelehnt und werde sich erst am 21. Mai zum Energiegesetz äussern, jenem Gesetz also, das die Energiewende bringen soll und das die SVP an vorderster Front bekämpft.

Womit auch klar ist: Der Ärger von Reimann ist stark abstimmungspolitisch getrieben. Reimann geht dabei in die Vollen: «In voreiligem Gehorsam und voller Überzeugung, nun müsse auch bei uns die völlig unrentable und naturschädigende Windkraft her, kuscht ‹Fricktal Regio› vor dem Bundesrat.»

Die az konfrontierte den Planungsverband mit den Vorwürfen von Reimann und stellte acht provokative Fragen wie: «Kuscht das Fricktal Regio vor dem Bundesrat?» Oder: «Ist Fricktal Regio noch ernst zu nehmen?», eine Frage, die Maximilian Reimann im Titel seines Leserbriefs aufwirft.

Drohnenflug über den geplanten Standort der Windparkanlage Burg

Drohnenflug über den geplanten Standort der Windparkanlage Burg

Der Rheinfelder Stadtammann Franco Mazzi, der als Vizepräsident von Fricktal Regio für den ferienabwesenden Präsidenten Christian Fricker antwortet, nimmt zu den Fragen nicht im einzelnen Stellung. In seiner summarischen Antwort hält der FDP-Politiker aber fest: «Die Regionalplanung hat sich mit seiner Stellungnahme zum Windpark Burg nicht zu der zur Abstimmung anstehenden Energiestrategie 2050 geäussert.»

Der Planungsverband sei vielmehr durch den Kanton aufgefordert worden, die Änderung der Nutzungspläne auf ihre regionale Auswirkungen hin zu prüfen. «Er hat sich dabei auf verschiedene Grundlagen des Planungsverbandes abgestützt.» Und zwar zum einen auf das regionale Entwicklungskonzept und zum anderen auf die Energie-Potenzialanalyse Fricktal aus dem Jahre 2013. «Letztere beschränkt das Windenergiepotenzial im Fricktal auf wenige Orte», sagt Mazzi. Mit dem Windkonzept des Kantons wurden zwei Gebiete für die Energieerzeugung definiert: «Burg» bei der Gemeinde Oberhof und «Hundsrugge» bei der Gemeinde Zeiningen. «Der Grosse Rat des Kantons Aargau hat am 26. März 2013 diese beiden Standorte im Richtplan des Kantons Aargau festgelegt», so Mazzi weiter, der selber seit 2013 im Grossen Rat sitzt.

Mazzi betont: «Unsere Verbandsgemeinde Oberhof unterstützt das Vorhaben auf ihrem Gemeindegebiet und hat das nun auch aus regionaler Sicht zu beurteilende Zonenplanverfahren eingeleitet.» Und weiter: «Der Vorstand des Planungsverbandes kam zum Schluss, dass die vorgesehene Windkraftanlage einen kleinen Mosaikstein einer künftigen Energieversorgung darstellen kann.» Die grundsätzliche internationale Problematik der aktuellen Energie- und Energiepreisdiskussion könne nicht auf der Stufe des Fricktaler Planungsverbandes gelöst oder beeinflusst werden.

Keine weiteren Windparks

Dass dem Planungsverband, der Windkraftanlagen bislang stets aus landschaftsschützerischen Gründen ablehnte, bei seiner angepassten Position – manche sagen: bei seiner Kehrtwende – nicht ganz wohl ist, zeigt auch die Medienmitteilung, die der Verband letzte Woche zu seinem «Ja mit Einschränkungen» zum Windpark Burg versandt hat. «Der Eingriff in die Landschaft ist für Fricktal Regio grundsätzlich unerwünscht», hält Fricktal Regio da fest. Deshalb habe man sich bislang stets für eine unversehrte Landschaft ausgesprochen. Vor dem Hintergrund der angestrebten Energiewende akzeptiere man aber eine Windkraftanlage im Gebiet Burg.

«Der Planungsverband bleibt jedoch bei seiner skeptischen Haltung und hält fest, dass die Anlage Burg neben der geplanten Anlage in Zeiningen die einzige der Region bleiben muss.»
Für Reimann ist diese «Widersprüchlichkeit» der Positionen nicht goutierbar. Ihm stösst zudem sauer auf, dass mit der Windenergie die heimische Wasserkraft «sinnlos konkurrenziert» wird, mehr noch: Er ist überzeugt, dass die in Windräder «verlochten» Millionen dazu beitragen, die Wasserkraftwerke «zu Defizitbetrieben verkümmern» zu lassen. Wie auch immer: Es gibt derzeit viel Wind um den Wind.