Wittnau

Grossrätin Gertrud Häseli will das Guetzeln nicht missen – und verrät den schönsten Moment dabei

Gertrud Häseli mit den Spitzbuebe, die sie während der Bundesratswahlen gebacken hat.

Gertrud Häseli mit den Spitzbuebe, die sie während der Bundesratswahlen gebacken hat.

Zur Vorweihnachtszeit gehört für viele Fricktaler das Guetzlibacken dazu. Auch für Grossrätin Gertrud Häseli.

Noch zehn Tage – dann ist Weihnachten. Während die einen, sichtlich nervös, über Geschenkideen brüten, sich nolens volens langsam an den Gedanken gewöhnen, auch in ­diesem Jahr mangels Inspiration einen Gutschein unter den Baum zu legen, ganz nach dem Motto: «Ein Gutschein ist immer noch besser als ein Last-Minute-Verlegenheits-­Dingsbums» – während also die einen an diesem Wochenende von Laden zu Laden hüpfen, stehen andere entspannt in der Küche und backen, oder genauer: guetzeln.

Auch für Grünen-Grossrätin und Biobäuerin Gertrud Häseli gehört das Guetzeln zur Vorweihnachtszeit dazu – wie das Amen in der Kirche. Wenn ihre Agenda weisser wird, wird es ihr Küchentisch ebenfalls – bestreut mit Mehl, um Spitzbuebe und andere süsse Köstlichkeiten in Form zu bringen.

Häseli ­bevorzugt dabei tra­ditionelle Sorten wie Zimtsterne, Vanillegipfeli oder Kokos-­Makrönli. «Weihnachten ist Tradition», sagt sie, während sie die Spitzbuebe mit Konfitüre bestreicht («mein Tipp: Hagebuttenkonfitüre»). Das dürfe sich auch in den Guetzlisorten spiegeln. «Traditionelle Sorten funktionieren über die Generationen hinweg und verbinden diese.» Von «neuen Konstruktionen alter Rezepte», wie Häseli die vielfältigen Rezeptvariationen in Backbüchern und im Internet nennt, lässt sie die Finger.

Häseli erlebt das Guetzeln jedes Jahr aufs Neue als wertvolle Zeit, als Betätigung, «bei der Kopf, Hand und Herz zusammenspielen». Sie lacht. Manchmal sei der Geist aber auch anderswo, weit weg, in Bundesbern etwa, wie an diesem Mittwoch, als sie beim Guetzeln die Bundesratswahlen verfolgt.

Häseli sieht im Guetzeln auch einen guten Ausgleich für den Berufsalltag, der viele immer weiter weg von der Handarbeit bringt. «Es ist eine Chance, einmal im Jahr in ein währschaftes Handwerk einzutauchen.»

Für einen Moment wird Häseli nachdenklich, sagt, es sei natürlich richtig und wichtig, dass heute auch Frauen ganz selbstverständlich einem Job nachgehen, sagt, dass es aber ebenso wichtig sei, dass Arbeiten wie das Guetzeln oder die Hausarbeit ihren Stellenwert in Familie und Gesellschaft behalten. «Sie sind zwar nicht monetär, aber für die Gemeinschaft überaus wertvoll.» Das eine schliesse ja das andere nicht aus. Zumal: «Von den ­Guetzli profitiert ja dann meist nicht nur die eigene Familie, sondern auch Nachbarn, Freunde und Bekannte», fügt Häseli an. Das Guetzeln wird so zum (Völker)verbindenden ­Moment.

An einen sprachverbindenden – oder vielmehr: sprachtrennenden – Guetzli-Moment erinnert sich Häseli noch gut, obwohl er Jahrzehnte zurückliegt. Sie absolvierte ein Haushaltslehrjahr im Welschland. Die Bäuerin musste weg und trug ihr noch auf, die Mailänderli zu machen. Im Rezeptbuch stand «dorée» und Häseli ging davon aus, dass dies hiess: goldbraun backen.

Die Sache mit den ­Mailänderli

Als die Bäuerin zurückkam und die goldbraun gebackenen, «zugegeben etwas blassen» Mailänderli sah, stand ihr die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. «Denn mit ‹dorée› meinte das Rezept, die Mailänderli vor dem Backen mit Eigelb zu bestreichen.»

Nun, die beiden machten aus der Not kurzerhand eine Tugend – und bestrichen die blassen Gesellen mit einer Glasur. «Sie schmeckten trotzdem.»

Der schönste Moment beim Guetzeln ist für Häseli jener Moment, in dem sie die Backofentüre öffnet, ihr der Guetzliduft entgegenströmt und sie weiss: Sie sind geglückt.

In diesem Sinne: viel Glück beim Guetzeln – oder beim Geschenkesuchen. Sie wissen ja: Es sind noch zehn Tage.

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