Fricktal
Grosse Umfrage: Acht neue Gemeindeammänner - acht neue Führungsstile

Acht Gemeinden im Fricktal erhalten Anfang 2018 einen neuen Ammann. Wie wollen sie führen? Wie mit Wutbürgern umgehen? Wovor haben sie Respekt? Die AZ hat die Antworten.

Thomas Wehrli
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Von links: Arpad Major, Kaisten, Barbara Fricker, Wölflinswil, Andreas von Mentlen, Wittnau, Gisela Taufer, Zeiningen, Bruno Tüscher, Münchwilen, Beat Käser, Stein, Daniel Hollinger, Zuzgen, Stefan Grunder, Eiken

Von links: Arpad Major, Kaisten, Barbara Fricker, Wölflinswil, Andreas von Mentlen, Wittnau, Gisela Taufer, Zeiningen, Bruno Tüscher, Münchwilen, Beat Käser, Stein, Daniel Hollinger, Zuzgen, Stefan Grunder, Eiken

az

Im Fricktal kommt es Anfang Jahr zum grossen Sesselrücken auf den Stühlen der Gemeindeammänner: In 8 der 32 Gemeinden tritt ein Neuer an die Spitze der Exekutive; das ist in jeder vierten Gemeinde.

Alle acht freuen sich auf das Amt, das zeigt eine Umfrage der AZ. Gleichzeitig haben sie grossen Respekt vor dem Amt. «Am meisten Respekt habe ich vor der Verantwortung gegenüber allen Mitbürgern, die ich zu tragen habe», sagt Bruno Tüscher, künftiger Ammann von Münchwilen. Sein Kaister Amtskollege Arpad Major sieht eine Herausforderung darin, «den verschiedenen und sich manchmal wiedersprechenden Anforderungen der unterschiedlichen Gruppen gerecht zu werden».

Konfrontiert werden die Neo-Gemeindeammänner in ihrem Amt auch mit dem einen oder anderen Wutbürger sein. Dass der Ammann dabei gelegentlich als Blitzableiter fungiert, sind sie sich bewusst. Sie werde versuchen, es nicht persönlich zu nehmen, sagt Barbara Fricker, die künftig Wölflinswil vorstehen wird. Gisela Taufer, Gemeindepräsidentin in Zeiningen, will «die Ruhe bewahren und das Gespräch suchen».

Beat Käser will zuhören und ein offenes Gespräch suchen. «Oftmals können Konflikte durch ein klärendes Gespräch behoben werden», weiss der designierte Ammann in Stein. Daniel Hollinger, ab Januar Ammann in Zuzgen, sieht es ähnlich. Er werde den Bürgern die nötige Zeit für ihre Anliegen schenken, damit sie Ihre «Wut» ablassen können. «So wie ein Blitzableiter, der die geballte Energie aufnimmt und sie ableitet.» Andreas von Mentlen dagegen wehrt sich, alle Personen, die offen zu ihrer Meinung stehen, in den gleichen Topf zu werfen.

«Nur weil jemand anderer Meinung ist und diese auch entsprechend vertritt, ist er noch lange kein Wutbürger oder muss der Gemeindeammann dafür als Blitzableiter hinstehen», sagt der künftige Ammann von Wittnau. Es nütze niemandem etwas, wenn die Bürger die Faust im Sack machen und ihre Ängste und Sorgen für sich behalten. Es brauche auch harte, aber faire Diskussionen. «Nur solche Auseinandersetzungen bringen letztlich auch eine Gemeinde immer wieder einen Schritt weiter.»

Der Führungsstil unterscheidet sich zum Teil deutlich. Er reicht von kooperativ über kommunikativ bis zu: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Kulante Arbeitgeber

Ebenfalls sehr unterschiedlich gehen die Neugewählten mit der zeitlichen Belastung um. Einige, wie Major, schätzen den Aufwand auf 30 Prozent. Das sei mit dem Job vereinbar. «Wenn nicht, werde ich zusammen mit meinem Arbeitgeber eine für beide Seiten machbare Lösung suchen.» Andere, wie Taufer oder Fricker, sind entweder nicht berufstätig oder können sich die Zeit selber einteilen.

Dritte, wie Hollinger, haben einen Arbeitgeber, der den Mitarbeitenden Zeit für öffentliche Ämter einräumt. Zu ihnen gehört auch Stefan Grunder, neugewählter Ammann in Eiken. Sein Betrieb sei «einer der wenigen in der Schweiz», der öffentliche Ämter fördere. Reduzieren könne er nicht, «da ich auch bei meinem Arbeitgeber 100 Prozent geben muss».