Armut in der Schweiz
Grosse Solidarität: Das Schicksal einer Fricktaler Familie bewegt unsere Leser

«Es kann nicht sein, dass Kinder nichts haben», kommentierte eine Facebook-Userin unseren Artikel über eine dreiköpfige Familie aus dem Fricktal, die knapp am Existenzmininum lebt. Dass sich die 11-jährige Petra* unter anderem keine Fussballschule leisten kann, berührte viele – und bewegte zum Helfen.

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Manche Familien müssen mit wenig Geld auskommen – Eltern können ihren Kindern auch grosse Wünsche nicht erfüllen.

Manche Familien müssen mit wenig Geld auskommen – Eltern können ihren Kindern auch grosse Wünsche nicht erfüllen.

Keystone

Dass Familien auch im Wohlstandsland Schweiz unter Armut zu leiden haben, weiss man ja irgendwie schon – und doch erschrecken Schicksale und Geschichten über jene, die täglich mit den Franken zu kämpfen haben, immer wieder.

Die Familie fährt nie in die Ferien

So auch jene einer Familie aus dem Fricktal, über die wir Anfang dieser Woche berichteten. Die 11-jährige Petra* und ihre Mutter Tanja* leben zusammen mit Tanjas neuem Lebenspartner von der Sozialhilfe. Eine Mischung aus «verkorkster Jugend, Krankheit und widrigen Umständen» habe sie in die finanzielle Abhängigkeit getrieben. Die Familie fährt nie in die Ferien, Kleider gibts aus dem Secondhand-Laden, am Ende des Monats ist manchmal auch zu wenig Geld für Essen übrig.

Und: Das Geld reicht nicht für Fussballschule für Tochter Petra.

«Wir wollen helfen!»

Dass sich hierzulande Minderjährige scheinbar die einfachsten Kindheitsträume nicht erfüllen können, weil 100 Franken dazu fehlen, bewegte unsere Leserinnen und Leser tief. «Wir wollen helfen!» oder «Tapferes, mutiges Mädchen! Ich würde ihm gerne eine Freude machen» ist auf Facebook und in der Kommentarspalte unter dem Artikel lesen. Mit Kleidung und Geld wird Unterstützung für die Familie angeboten. Die az sorgte dafür, dass die Adressen ausgetauscht werden konnten.

Eine angeregte Debatte

Dass es sich hier um eine Schweizer Familie handelt, die mit wenig Geld über die Runden kommen muss, scheint die Gemüter besonders zu erhitzen. «Diesen Leuten wird es künftig nicht besser gehen, da der Fokus auf den neuangekommenen Flüchtlingen liegt – den eigenen armen Leuten droht das Vergessen» kommentiert etwa ein User auf unserer Website. Ausländische Familien würden von den Steuerzahlern «durchgefüttert», während gebürtige Schweizerinnen und Schweizer immer mehr zu Working poor würden.

«Es geht nicht darum, Ausländer und Schweizer als Konkurrenten zu sehen. Es ist nicht Sinn und Zweck, sich zu streiten, wer denn nun ärmer sei», kontert eine Userin auf Facebook. Gegenargumente folgen auf Argumente.

Die Geschichte der Fricktaler Familie steht für eine von vielen – und doch öffnet dieser eine Blick in das Leben der vier eine Diskussion, die uns wohl noch lange beschäftigen wird.

Wenn auch Sie die Familie unterstützen wollen, dann schreiben Sie uns auf online@azmedien.ch.

(mbr)