Herznach/Ueken
Grosse Fragezeichen beim Fusionsprojekt: «Corona hat die Reservezeit weitgehend aufgebraucht»

Corona könnte dem Fahrplan des Zusammenschlusses von Herznach und Ueken einmal mehr gefährlich werden. Noch sind die Termine für den Infoanlass und die Abstimmung über den Zusammenschluss beider Dörfer vage.

Hans Christof Wagner
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Die Gemeinden Herznach und Ueken wollen dereinst zu einer Gemeinde fusionieren.

Die Gemeinden Herznach und Ueken wollen dereinst zu einer Gemeinde fusionieren.

Gerry Thönen (24. Juni 2015)

Der Fusionszug Herznach-­Ueken muss sein Tempo coronabedingt erneut drosseln. «Die Arbeitsgruppen stehen kurz davor, ihre jeweiligen Abschlussberichte zu formulieren» berichtet Robert Schmid, Gemeindeammann von Ueken. Dass die, wie geplant, jede für sich zusammenkommen, war mit Schutzmasken und Mindestabständen möglich. Doch ein gemeinsames Treffen aller sieben Gruppen abzuhalten, könnte unter Pandemiebedingungen zum Problem werden, bei rund 50 Personen, die sich insgesamt darin engagieren.

Und es gibt noch eine grössere Herausforderung. Diese liegt darin, die Ergebnisse der Fusionsabklärungen der Bevölkerung beider Dörfer an einem öffentlichen und dennoch coronakonformen Informationsanlass vorzustellen. Für Schmid bis Ende 2020 unmöglich und für Anfang 2021 mit Fragezeichen versehen. Das sieht auch dessen Kollege aus Herznach, Thomas Treyer, so: «Selbst fürs Frühjahr 2021 kann ich es mir im Moment kaum vorstellen.»

«Einen digitalen Info-Anlass kann ich mir nicht vorstellen.» - Robert Schmid, Gemeindeammann Ueken.

«Einen digitalen Info-Anlass kann ich mir nicht vorstellen.» - Robert Schmid, Gemeindeammann Ueken.

Charlotte Fröse

Für beide Ammänner keine Frage: Der Souverän in Ueken und Herznach muss im Vorfeld der Abstimmung die Chance haben, sich in dieser Zukunftsfrage selbst und persönlich ein Bild zu machen. Davon, die Stimmbürger darüber auf digitalem Weg zu informieren, halten Schmid und Treyer nichts. «Online kann ich mir das nicht vorstellen, das ist einfach nicht vergleichbar mit einer Präsenzveranstaltung», sagt der Ueker Gemeindeammann.

Abstimmung in der Gmeind und an der Urne

Wenn schon der Termin für den Infoanlass noch vage ist, gilt das auch für die Abstimmung über den Zusammenschluss beider Dörfer selbst. Die muss Treyer zufolge doppelt abgestützt sein – über eine ausserordentliche Gemeindeversammlung wie auch einen Urnengang. Wann beides stattfinden kann, ist noch unklar. «Wir gehen vom Sommer aus», so Treyer.

«Einen digitalen Info-Anlass kann ich mir nicht vorstellen.» - Robert Schmid, Gemeindeammann Ueken.

«Einen digitalen Info-Anlass kann ich mir nicht vorstellen.» - Robert Schmid, Gemeindeammann Ueken.

Charlotte Fröse

«Die Arbeitsgruppen haben ab August wieder Gas gegeben. Drei bis vier Sitzungen gab es allein vergangene Woche», berichtet Treyer. Mussten sie die Zeit wieder aufholen, die während des Lockdowns verloren gegangen war und in der bewusst auf virtuelle Treffen verzichtet wurde? «Nein», sagt Treyer, von März ab über mehrere Monate auf Sitzungen zu verzichten, sei richtig gewesen und habe den Fahrplan nicht gefährdet: «Wir hatten von Anfang an eine Reservezeit eingebaut. Die ist jetzt aber weitgehend aufgebraucht.»

Finanzielles und Bildung – das waren und sind aus Sicht der Gemeindeammänner die politischen Knacknüsse im Fusionsprozess. Finanziell geht es um den Steuerfuss. Der liegt in Herznach tiefer als in Ueken. Dass sich die Herznacher in der Fusionsgemeinde finanziell verschlechtern, möchte Treyer möglichst verhindern. Bildungspolitisch geht es um den Schulstandort. Schmid zufolge verliert hier weder Ueken noch Herznach: «Man will an zwei Standorten festhalten, zumindest vorerst.»

Bleibt es beim 1. Januar 2023?

Vorerst soll es den Ammännern zufolge auch beim 1. Januar 2023 als Fusionsdatum bleiben. Treyer aber warnt: «Mit einem neuerlichen Lockdown ist der Termin nicht mehr realistisch.» Aber auch mit Perspektive 2024 bricht das Projekt für ihn «nicht zusammen». Dennoch: «Es wäre ein weiteres Jahr, in dem das Projekt einen Grossteil der Verwaltungsressourcen an sich bindet», sagt Schmid.

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