Laufenburg

Grenzgänger-Priester: Am Altar wird Latein gesprochen

Vom deutschen Laufenburg aus betreuen die Patres Simon Gräuter (links) und Markus Schmidt Gläubige in Etzgen und Basel.

Vom deutschen Laufenburg aus betreuen die Patres Simon Gräuter (links) und Markus Schmidt Gläubige in Etzgen und Basel.

Markus Schmidt und Simon Gräuter pflegen den alten Messritus. Sie wohnen im deutschen Laufenburg – und predigen in der Schweiz.

In ihren bodenlangen, nachtfarbenen Soutanen sehen sie ein bisschen aus wie einem italienischen Schwarz-Weiss-Film der 50er-Jahre entsprungen. Und dieser erste Eindruck ist gar nicht so verkehrt. Schliesslich wollen Markus Schmidt und Simon Gräuter in vielem eine Kirche, wie sie es war vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil.

Die beiden jungen Priester leben seit Oktober in Laufenburg. Aber sie haben noch in keiner Kirche der Stadt Gottesdienst gehalten. Der Grund: Die der Priester­bruderschaft St. Petrus angehörenden Patres sprechen am Altar Latein statt Deutsch, sie zelebrieren nicht der Gemeinde, sondern dem Altarkreuz zugewandt, sie spenden den Gläubigen die heilige Kommunion in den Mund und nicht auf die Hand.

Dies ist die heilige Messe im tridentinischen Ritus, der nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil 1969 durch den heute üblichen ordentlichen Ritus abgelöst wurde.

Die Patres sind Grenzgänger

Regelmässige Messfeiern im ausserordentlichen alten Ritus dürfen nur mit Erlaubnis des zuständigen Bischofs abgehalten werden. Dies ist seit 2009 in der Kapelle Bruder Klaus in Etzgen und seit 2010 an der Kirche St.Anton in Basel so.

In beiden Fällen hätten Gläubige aus der Region darum gebeten, so Pater Schmidt. Er betreut Etzgen, Pater Gräuter Basel. Die Patres sind also Grenzgänger, die nach Laufenburg gezogen sind, weil sie von hier aus ihre Gemeinden besser erreichen können.

Im Oktober haben sie sich in einem Mehrfamilienhaus in der Altstadt eingemietet. Sie erhalten kein Gehalt von der Kirche und auch keine persönliche finanzielle Unterstützung von der Priesterbruderschaft. «Es sind Kollekten und Spenden, von denen wir leben, zu 100 Prozent.» Neben der Miete reicht das für 300 Euro Taschengeld monatlich.

Die Pater sind nicht am Gemeindeleben beteiligt

Am Gemeindeleben der Laufenburger Pfarrei Heiliggeist oder der Seelsorgeeinheit Laufenburg-Albbruck sind Pater Schmidt und Pater Gräuter bisher nicht beteiligt. Sie haben zwar bereits mehrmals den Ortspfarrer Klaus Fietz besucht, aber noch keinen seiner Gottesdienste besucht.

«Es würde uns freuen, wenn wir am Gemeindeleben teilnehmen könnten. Das ist auch ein Wunsch von uns. Aber solange bestimmte Dinge nicht geregelt sind, würde das zu viel Staub aufwirbeln», erklärt Pater Schmidt.

Im Erzbistum Freiburg haben Priester der Bruderschaft bisher keinen Auftrag zur Pfarrseelsorge. Grund sind vor allem Differenzen in der Frage des Messritus. Zwar kennt und praktiziert die römisch-katholische Kirche verschiedene Varianten des verbindlichen römischen Ritus, darunter auch die auf Latein gehaltene «alte Messe».

Messe muss im ordentlichen Ritus gefeiert werden

Doch seit 1969 ist die nach dem Zweiten Vatikanum reformierte Liturgie in der Volkssprache und mit verstärkter Teilnahme der Laien ordentliche Form. Als Diözesanpriester könnten die Geistlichen der Petrusbruderschaft die Messe nicht nur im ausserordentlichen tridentinischen Ritus feiern, sie müssten dies auch im ordentlichen Ritus tun.

Zwar erkennen die Mitglieder der Bruderschaft diesen als dem traditionellen Ritus gleichwertige Form der Messe an. Sie wollen ihn aber nicht praktizieren, da der Mensch ihrer Meinung nach in dieser Form der Messe zu präsent sei.

In der Messe werde das Heilige durch den Vollzug der Liturgie offenbar, sagt Pater Schmidt. «Und dies wurde im novus ordo sukzessive weniger für mich.»

Suche nach der Wahrheit ja, gemeinsame Gottesdienste nein

Auch bei der Ökumene haben die Pa­tres ihre Prinzipien: gemeinsame Suche nach der Wahrheit ja, gemeinsame Gottesdienste nein. «Das geht nicht, weil in diesem Bereich grosse Divergenzen sind. Wir gehen von der Realpräsenz dessen aus.

Das heisst, wenn der Priester die Wandlungsworte spricht, ist Gott gegenwärtig, ist hier, in realer Präsenz, in der Gestalt des Brotes und des Blutes. Protestanten gehen davon nicht aus», so Pater Schmidt.

Manche Ansichten der Petrusbruderschaft gleichen denen der 1970 vom traditionalistischen Erzbischof Marcel Lefebvre (1905–1991) nach der Liturgiereform gegründeten Priesterbruderschaft St. Pius X.

 Als katholische Gesellschaft anerkannt

Von dieser lösten sich einige Mitglieder, nachdem Lefebvre ohne Erlaubnis des Papstes Bischöfe weihte, um 1988 die Priesterbruderschaft St. Petrus zu gründen.

Anders als die inzwischen exkommunizierten ­Piusbrüder erkennen die Petrusbrüder den Primat des Papstes, die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils und die danach durchgeführte Liturgie­reform an.

Sie sind von der Kirche deshalb als katholische Gesellschaft apostolischen Lebens anerkannt. Im Jahr 2016 zählte die Bruderschaft weltweit 425 Mitglieder.

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