Wer heute seine Meinung zu etwas kundtun möchte, braucht nur ein paar Klicks zu tätigen. Schon hat man auf einer Bewertungsplattform über das verbrannte Steak im Restaurant geschimpft oder das freundliche Personal an der Hotelrezeption gelobt. Auch Arbeitgeber kann man online bewerten. Zum Beispiel auf «kununu», der nach eigenen Aussagen grössten Arbeitgeber-Bewertungsplattform Europas.

Die Arbeitsatmosphäre, das Umweltbewusstsein oder der Lohn werden dort mit vielen oder wenigen Sternen bewertet. Auch Fricktaler Unternehmen erhalten regelmässig Bewertungen.

Bei der Reha Rheinfelden werden in manchen Bewertungen das Gehalt oder die Führungspersonen bemängelt oder es heisst, dass «gemeine Spielchen gespielt» werden. Doch auch über die gute Lage, die sauberen Arbeitsplätze oder schlicht über die «super Firma» ist zu lesen. Summa summarum erhält die Klinik im Schnitt 2,93 von fünf möglichen Sternen aus zehn Bewertungen.

«Solche Bewertungen schaffen natürlich eine hohe Glaubwürdigkeit, weil sie direkt von Mitarbeitern kommen», sagt Markus Grutsch, Arbeitspsychologe von der Fachhochschule St. Gallen. «Leider sind Rückmeldungen sehr oft auf anonymer Basis, sodass ein Nachfragen nicht möglich ist», sagt Isabelle Wenzinger, Kommunikationsverantwortliche bei der Laufenburger Swissgrid AG.

28 Mitarbeiter geben der Netzbetreiberin durchschnittlich 2,98 Sterne. Von internen Grabenkämpfen ist die Rede, andererseits erfreuen sich die Bewertenden an interessanten Aufgaben.

Eigene Mitarbeiterbefragungen

Unternehmen wie die Feldschlösschen Getränke AG in Rheinfelden setzen eher auf eigene Mitarbeiterbefragungen. «Diese Analyse ist für uns von grösserer Bedeutung als Bewertungen auf ‹kununu›», sagt Gaby Gerber, Leiterin Unternehmenskommunikation.

Obwohl man der Plattform seine Beachtung schenke und die Einträge beobachte, habe man bisher noch keinen Beitrag auf «kununu» intern thematisiert. Dies, obwohl die Brauerei auffallend positiv bewertet wird.

Mit durchschnittlich 3,57 von fünf möglichen Sternen aus 35 Bewertungen gehört sie zu den besser bewerteten Unternehmen im Fricktal. Doch auch im Schloss ist man von negativen Kommentaren nicht gefeit: Es ist beispielsweise von zwischenmenschlich schwachen Teamleadern und ungenügender Kommunikation die Rede.

«Neben der Absicht, sein Wohlwollen zum Ausdruck zu bringen, können Bewertungen auch immer ein psychologisches Ventil sein, um dem Ärger über ein Unternehmen Luft zu machen», sagt Arbeitspsychologe Grutsch. Als mögliche Motive für einen Eintrag nennt er Rache am Unternehmen oder den Vorgesetzten. «Für Mitarbeitende sind solche Bewertungen häufig eine Genugtuung.»

Die Beiträge stellen für Grutsch eine willkürliche Selektion von Personen und ihren Einzelaussagen dar. «Solche Bewertungen sind nicht repräsentativ», sagt er. Der Arbeitspsychologe vermutet, dass heute viele potenzielle Bewerber auf solche Bewertungen im Internet achten.

Er mahnt zur Vorsicht: «Wenn wir 99 positive und eine negative Bewertung lesen, nehmen wir die negative am stärksten wahr. Negative Informationen können uns unbewusst beeinflussen.»