Im zweiten Anlauf hat der Steiner Gemeinderat der grenzüberschreitenden Veloverbindung den Weg geebnet. Hierfür genehmigte der Souverän an der Gemeindeversammlung von Freitagabend – 105 der 1590 Stimmberechtigten waren anwesend – einen Kredit über 350'000 Franken. Das Ergebnis fiel dabei in einer geheimen Abstimmung mit 52 zu 49 Stimmen äusserst knapp aus. Mit der Verbindung soll die Lücke im Netz des öffentlichen Verkehrs zwischen den Bahnhöfen der Gemeinden Stein und Bad Säckingen geschlossen werden.

Zur Erinnerung: Die Exekutive wollte sich die Zustimmung des Souveräns für die Radwegverbindung mit einem 350'000-Franken-Kredit bereits an der Wintergemeinde 2018 abholen. Die Stimmbürger erteilten dem Projekt, das mit 100 000 Franken der Gemeinschaftsinitiative Interreg subventioniert wird, jedoch eine Abfuhr. Unter anderem gab es Bedenken wegen der Kollisionsgefahr zwischen Schülern und Velofahrern auf der Schulstrasse.

Nach dem Rückweisungsantrag mit dem Auftrag, eine Alternativ-Route auzuarbeiten, hatte der Gemeinderat ein Ingenieurbüro engagiert. Dieses sollte zur bisherigen geplanten Streckenführung – Friedhofweg, Schulstrasse, Rheinbrückstrasse und Schönaustrasse (Anschluss Novartis) – Alternativ-Routen überprüfen. Eine der an der Wintergemeinde 2018 vorgeschlagenen Alternativ-Routen war jene über die Münchwilerstrasse und die Feldwege im Gebiet Neumatt. «Von Bahnhof zu Bahnhof verlängert diese Route die Fahrstrecke um 900 Meter», hielt Gemeinderat Hansruedi Schlatter in einem Vergleich mit der ursprünglichen Route fest.

Eine Rampe an der Ampel vorbei

Zudem stellte Schlatter dem Plenum eine Umfahrungsroute über die Zürcher- und Schaffhauserstrasse vor, mit der die bisherige Route ergänzt wird. Diese Strecke sei für Velofahrer gedacht, die mit dem E-Bike unterwegs sind oder einfach schneller fahren möchten, so Schlatter. «Zudem ermöglicht die Umfahrungsroute den Weg über die Fridolinsbrücke über den Zoll.» Für Velofahrer, die auf der Schaffhauserstrasse weiter geradeaus in Richtung Holzbrücke fahren, ist vorgesehen, die Wartesituation an der Ampel bei der Fridolinsbrücke zu verbessern. «Zeigt die Ampel rot, können die Velofahrer über eine kleine Rampe an der Ampel vorbeifahren», erklärte Schlatter.

Marc Kaufmann, Präsident der SVP-Ortspartei, der damals den Rückweisungsantrag gestellt hat, monierte, dass der Gemeinderat immer noch an der ursprünglichen Variante festhält. Ein zweiter Votant kritisierte, dass das Vorhaben, aus einer Schulstrasse eine Velostrasse zu machen, «ein fertiger Blödsinn» sei. Und ein Dritter enervierte sich darüber, dass das Projekt «herausgeschmissenes Geld» sei. «Aufgrund der Veloverbindung wird doch keine Person, die bisher mit dem Auto oder Bus zu Novartis gefahren ist, auf das Velo umsteigen.»

«Projekt ist ein Bekenntnis»

Es gab jedoch auch einige Fürsprecher für das Projekt. «Die Schulstrasse wird bereits jetzt von vielen Velofahren genutzt», sagte ein Stimmbürger. Durch die Zustimmung zur Veloverbindung würde jedoch die gehweglose Schulstrasse sicherer gemacht, indem die Kollisionsgefahr zwischen Fussgängern und Velofahren durch eine Bodenmarkierung reduziert werde.

«Mir ist bewusst, dass durch die Veloverbindung vermutlich nicht gleich die grosse Verlagerung vom Auto auf das Velo stattfinden wird, dennoch ist das Projekt ein klares Bekenntnis zur Notwendigkeit einer nachhaltigen Weiterentwicklung unserer Mobilität», sagte Schlatter.

«Wir prüfen nun im SVP-Vorstand, ob wir das Referendum ergreifen», sagte Kaufmann gleich nach der Versammlung. «Die Tendenz geht in Richtung, dass wir es ergreifen», schob er nach.