Rheinfelden
Glockenspiel in Rheinfelden erinnert an listigen Schneider

Beim Gebäude «Zum Schiefen Eck» im Rumpel erinnert ein Glockenspiel an die Belagerung der Stadt Rheinfelden durch die Schweden. Es sorgt vor allem bei Touristen immer wieder für Begeisterung

Sandra Bös
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Während des Dreissigjährigen Krieges standen die Schweden vor den Toren Rheinfeldens und beschlossen die Stadt zu erobern. Um keine Verluste zu riskieren, entschieden sie sich, die Stadt einfach aushungern zu lassen, denn die Rheinfelder sollten sich kampflos ergeben.

Sie schlugen ihre Lager um die ganze Stadt aus und warteten, bis die Bürger nichts mehr zu essen hatten. Es dauerte nicht besonders lange, bis dies der Fall war und die Rheinfelder fingen so langsam an zu verzweifeln.

Doch da kam der Schneider der Stadt und nähte sich, mit dem Fell der letzten Ziege, ein Kleid. Als Ziege verkleidet stieg er auf die Stadtmauer und lief lauft meckernd auf vier Beinen herum. Als die Schweden die Ziege erblickten, waren sie erstaunt. Sie dachten sich, dass die Rheinfelder noch eine Menge Vorrat haben mussten, wenn sie sogar eine Ziege achtlos auf der Stadtmauer rumlaufen liessen. Da ihre eigenen Vorräte langsam zu Ende gingen, hoben die Schweden ihre Belagerung auf und zogen weiter.

Der Held der Sage

Beim Gebäude «Zum schiefen Eck» im Rumpel erinnern das Glockenspiel und das Wandbild des bekannten Künstlermalers Jakob Strassers an den klugen Schneider, den Helden dieser bekannten Sage.

Robi Conrad ist Stadtführer in Rheinfelden und erzählt: «Bei einer Stadtführung versuche ich immer dann im Rumpel zu sein, wenn das Glockenspiel gerade am läuten ist, was aber nur viermal am Tag der Fall ist. Die Touristen sind meist sehr begeistert von der meckernden Ziege und dem Glockenspiel, vor allem Kinder haben grosse Freunde daran. Wenn Touristen ohne Stadtführung unterwegs sind, werden sie entweder von Wegweisern darauf aufmerksam gemacht, oder sie bekommen einen Stadtplan, auf dem das Glockenspiel auch angeschrieben ist.»

Der Blitz schlug ein

Die az Aargauer Zeitung will mehr darüber erfahren und fragt die Liegenschaftsverwaltung der Gemeinde Rheinfelden. Sandra Uebelhart weiss: «Letztes Jahr schlug bei einem Unwetter ein Blitz in die Altstadt ein, daraufhin funktionierte das Glockenspiel überhaupt nicht mehr.»

Die Gelegenheit wurde genutzt und die komplette Anlage renoviert. Seit der Renovierung läuft das ganze Glockenspiel automatisch, es müssen nur noch einzelne Knöpfe gedrückt werden. Das Gemecker der Ziege wurde von einer Kassette abgespielt, heute ist der Sound auf einer SD-Karte. Die Renovierung kostete 124‘700 Franken, doch sie bringe wirklich grosse Vorteile, soe Uebelhart. Davor lief die Anlage mechanisch und habe viel öfters repariert werden müssen.

Heute zahle die Gemeinde gerade mal etwa 400 Franken Unterhaltskosten im Jahr - früher war es einiges mehr. Das Gebäude «zum schiefen Eck» selbst gehört der Einwohnergemeinde Rheinfelden, der Mieter ist der ornitholgische Verein.»

Das Glockenspiel läutet täglich um 9:00, 12:00, 15:00 und 17:00 Uhr