Zu regnerisch, zu öde, keine Zeit – die Gründe, weshalb so manch ein Stimmbürger den bevorstehenden Gemeindeversammlungen fernbleiben wird, sind schnell gefunden. Halb leere Säle bei der demokratischen Entscheidungsfindung auf lokaler Ebene sind Ausdruck dieses politischen Desinteresses. Dieses führt zuweilen – gerade bei kleineren Gemeinden – so weit, dass die Funktion des Stimmenzählers überflüssig wird. Die AZ wollte wissen, welche Massnahmen die Gemeinden ergreifen, um ihren Einwohnern den Weg ins Versammlungslokal schmackhaft zu machen.

Die Gemeinde Mettauertal offeriert nach dem Ende der Versammlung einen Apéro in der Turnhalle, der von einem oder mehreren ortsansässigen Vereinen organisiert wird. «Viele schätzen das Angebot», sagt Gemeindepräsident Peter Weber. Ob dies jedoch einen grossen Einfluss auf die Stimmbeteiligung hat, wagt er zu bezweifeln.

Ähnliches berichtet Stefan Grunder, Gemeindeammann von Eiken. «Vielleicht wären fünf oder sechs Stimmbürger weniger anwesend, wenn wir unseren Apéro nicht mehr ausrichten würden.» Dies aber nicht aufgrund des kostenlosen Bieres oder der gratis Häppchen, sondern, «weil der eine oder andere Stimmbürger ein kurzes und persönliches Gespräch mit den Exekutiv-Mitgliedern äusserst schätze».

In Möhlin lassen sich gut zwei Drittel der Stimmbürger den Apéro nicht entgehen, sagt Gemeindeammann Fredy Böni. «Er wird sehr geschätzt. Bis die letzten vom Apéro aufbrechen, können bis zu zwei Stunden vergehen.»

In Zeiningen geht der Gemeinderat bereits seit vielen Jahren mit den Versammlungsteilnehmern ins Restaurant. «Die Gemeinde offeriert das erste Getränk – egal ob Wasser oder ein Gläschen vom guten Roten», sagt Gemeindepräsidentin Gisela Taufer. Von den rund 100 Stimmbürgern, die durchschnittlich an den Gemeindeversammlungen anwesend sind, würden etwa zwischen 60 und 70 Personen mit dem Gemeinderat im Anschluss das Restaurant besuchen. «Viele schätzen die Geselligkeit und die Nähe zum Gemeinderat», so Taufer. Es sei «gut möglich», dass der Spass an dieser geselligen Runde einen kleinen Einfluss auf die Stimmbeteiligung habe.

Die Gemeinde Sisseln hat bereits mehrere Ansätze verfolgt, um die Stimmbeteiligung zu erhöhen. «Dazu gehörten unter anderem die Verlosung eines Goldvrenelis oder das Verteilen einer 35-Liter-Kerichtsack-Rolle der Gemeinde an jeden anwesenden Stimmberechtigten», sagt Gemeindeschreiber Heribert Meier.

Gemeindeversammlung unter freiem Himmel

Ein weiterer Ansatz war jener im Sommer 2016, als man die Einwohnergemeindeversammlung an einem Samstagnachmittag à la «Landsgemeinde» unter freiem Himmel auf dem Schulhausplatz veranstalten wollte. Leider machte Petrus dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung, sodass man kurzerhand die Geschäfte in der Turnhalle behandeln musste. Immerhin schloss Petrus später die Schleusen, sodass den Stimmbürgern Grilliertes und Salat im Nachhinein auf dem Schulhausplatz kredenzt werden konnte. «Eine Open-Air-Gemeindeversammlung bringt natürlich eine besondere Atmosphäre mit sich, die sicher auch von vielen geschätzt wird», so Meier. So sei es denkbar, dass man zukünftig «eine Gmeind» unter freiem Himmel nochmals ansetzen könnte.

Damit die Anwesenden möglichst auch bei der nächsten Versammlung erscheinen, ist es für Michael Widmer, Gemeindeschreiber in Frick, wichtig, dass die Geschäfte attraktiv präsentiert werden. «Dazu gehört, dass bei den Präsentationen viel visualisiert wird.» Einen kleinen Anreiz, an der Versammlung teilzunehmen, setze man durch Exklusivität. «Am Ende erhalten die Stimmbürger Informationen zum aktuellen Stand von zwei oder drei Projekten, zu denen sie im Vorfeld der Versammlung noch nichts Neues – oder zumindest nicht viel – erfahren haben.»

Kurz und knackig muss es sein

Bruno Tüscher, Gemeindeammann von Münchwilen, pflichtet Widmer bei, dass die Geschäfte «nicht zu langatmig» präsentiert werden dürfen. «Entscheidend ist, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen.» Andernfalls verliere man das Plenum schnell. Zudem: «Wer zu einem Geschäft konkrete Informationen haben möchte, hat die Chance, im Anschluss zu fragen.»

Ein Faktor, der die Höhe der Stimmbeteiligung negativ beeinflusse, seien Temperaturen, die sich am Tag der Versammlung über 30 Grad Celsius bewegen, sagt Taufer. «Für einige ist es dann – unabhängig von den Traktanden – einfach zu heiss.» Deswegen werde man darüber nachdenken, bei der nächsten «Hitze»-Gmeind Glace an die Stimmbürger zu verteilen.