Gipf-Oberfrick
Orang-Utans, Aleppo und der Regenwald: Diese Fricktaler Designerin setzt mit ihrer Mode Statements

Ramona Erb legt bei ihrem Modelabel Anaé-Rose Wert auf Nachhaltigkeit. Und das nicht nur bei Material und Produktion, sondern auch bei den Designs. In ihrer neuen Kollektion thematisiert sie die brennenden Regenwälder in Bolivien.

Nadine Böni
Drucken
Teilen
In ihrer neuen Kollektion macht Modedesignerin Ramona Erb auf die Regenwaldbrände im Amazonasgebiet aufmerksam.
5 Bilder
Die Farben sind von bolivianischen Tüchern inspiriert, das braun erinnert an die Abholzung.
Die Stoffe, die sie für ihre Kleidungsstücke verwendet, sind aus recycelten PET-Flaschen und «Tencel», einer Faser aus Holz.
Für die Kinderkleidung kann Erb Stoffreste aus der Produktion für Erwachsene verwenden.
Für jedes verkaufte Stück ihrer Kollektionen spendet Ramona Erb fünf Franken an ausgewählte Organisationen.

In ihrer neuen Kollektion macht Modedesignerin Ramona Erb auf die Regenwaldbrände im Amazonasgebiet aufmerksam.

Bild: zvg / Fricktal

Ramona Erb war nah dran, aufzugeben. «Ich hatte das Gefühl, das Konsumverhalten der Menschen würde sich nie ändern», sagt die Modedesignerin aus Gipf-Oberfrick. Seit einigen Jahren produziert sie mit dem eigenen Label «Ramonaerb» Mode – und zwar nachhaltige Mode, die sie mit sozialem Engagement verbindet. In ihrer ersten Kollektion machte sie auf die Palmöl-Problematik aufmerksam, die für den schwindenden Lebensraum der Orang-Utans mitverantwortlich ist. In einer weiteren Kollektion auf das Kriegselend in der syrischen Stadt Aleppo. Aber: «Ich merkte immer wieder, dass nur wenige Menschen bereit sind, etwas mehr Geld für Mode auszugeben, die dafür nachhaltig ist», sagt Erb.

Ramona Erb, 33, Modedesignerin aus Gipf-Oberfrick.

Ramona Erb, 33, Modedesignerin aus Gipf-Oberfrick.

Bild: zvg

Während des Lockdowns im Frühjahr legte sie deshalb eine Pause ein von ihrer Arbeit als Designerin. Sie nahm sich mehr Zeit für anderes, genoss das «Runterfahren» mit ihrem Mann und den vier Kindern. «Ich stellte aber rasch fest, dass mir die Mode fehlt», sagt Erb. Und sie fühlte, dass in der Gesellschaft doch ein Umdenken stattfindet. Dass die Themen nachhaltige Mode und lokale Produktion gerade in der Krise an Bedeutung gewinnen. Also wagte sie den Neustart.

Anaé-Rose heisst ihr Label nun, benannt nach ihrer Tochter. Neu bietet sie auch Kindermode an, natürlich im Stil der aktuellen Kollektion. Die Kindermode bringt einen bedeutenden Nebeneffekt: Für die Kinderkleidung kann Erb Stoffreste aus der Produktion für Erwachsene verwenden – und muss so weniger wegwerfen. Überhaupt: Erb setzt auf noch mehr Nachhaltigkeit. Die Stoffe etwa, die sie für ihre Kleidungsstücke verwendet, sind aus recycelten PET-Flaschen und «Tencel», einer Faser aus Holz.

Für jedes verkaufte Stück spendet sie

Ihre neue Kollektion widmet Ramona Erb unter dem Titel «Burning Amazonas» dem Regenwald, speziell in Bolivien. Das zeigt sich im Design, etwa im Streifenprint, der von traditionellen bolivianischen Tüchern inspiriert ist. «Der warme Erdton der Wolle steht ausserdem für die Abholzung», erklärt Erb. «Die Abholzung im Amazonas ist ein wichtiges Thema, geriet durch die Pandemie aber etwas aus dem Fokus.» Sie möchte einen Beitrag dazu leisten, dass das Thema wieder die nötige Aufmerksamkeit erhält:

«Mode gibt mir die Chance, auf Missstände aufmerksam zu machen und einen Dialog dazu in Gang zu setzen.»

Für jedes verkaufte Stück ihrer Kollektionen spendet sie ausserdem fünf Franken an ausgewählte Organisationen. Bei der Kollektion Burning Amazonas» ist es ein Projekt der Naturschutzorganisation WWF, das sich für die Wiederaufforstung des Regenwaldes einsetzt. «Ich möchte meinen kleinen Beitrag dazu leisten, dass der Regenwald wieder aufgeforstet werden kann», sagt Erb. Und: Sie wünscht sich, dass die neue Kollektion genug Bestellungen bringt, dass sie weiterhin in neue Kollektionen investieren kann. Weil sie eben nicht aufgegeben hat.

Aktuelle Nachrichten