Gipf-Oberfrick
Bob-Anschieber Sandro Michel schwitzt derzeit für ein Ziel: Das Ticket für Olympia 2022

Zwischen sechs und acht Trainingseinheiten stehen für den 25-Jährigen derzeit auf dem Programm. Nebenbei schreibt der Athlet, der nächstes Jahr in Peking an den Start gehen will, an seiner Bachelorarbeit. Eine Arbeitsstelle oder das Masterstudium stellt er für sein grosses Ziel erst einmal hintenan.

Dennis Kalt
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Geht es nach Sandro Michel (h.) so würde er mit seinem Piloten Michael Vogt (v.) wie an der WM in Altenberg auch in Peking bei den Olympischen Winterspielen an den Start gehen.

Geht es nach Sandro Michel (h.) so würde er mit seinem Piloten Michael Vogt (v.) wie an der WM in Altenberg auch in Peking bei den Olympischen Winterspielen an den Start gehen.

AP/Keystone (6. Februar 2021)

Sprints, Sprünge und Kniebeugen mit zentnerweise Eisen auf dem Kreuz – auch den Sommer über perlt Bob-Anschieber Sandro Michel, 25, nahezu täglich der Schweiss von der Stirn. Sechs bis acht Trainingseinheiten stehen für den Gipf-Oberfricker wöchentlich auf dem Programm. Diese sind notwendig, um sich die notwendige Kraft und Explosivität für den nächsten Winter zu holen, damit er am Start im Eiskanal beim Anschieben des Bobs das letzte Hundertstel herausholen kann.

Das 1,88 Meter grosse und 100 Kilogramm schwere Kraftpaket gehört zu den besten Anschiebern des Landes. Mit seinem Piloten Michael Vogt errang er in der letzten Saison im Zweierbob-Gesamtweltcup den fünften Rang und verpasste in Altenberg nur knapp eine WM-Medaille. Derzeit schreibt der gelernte Hochbauzeichner seine Bachelorarbeit im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen. Michel sagt:

Bob-Anschieber Sandro Michel.

Bob-Anschieber Sandro Michel.

zvg
«Die Weltcuprennen, das Training, das Studium und die Beziehung zur Freundin – das alles braucht viel Organisation, um alles miteinander zu vereinen.»

Für Michel ist klar, dass er nach dem Abschluss seines Bachelorstudiums die Stellensuche oder einen allfälligen Masterstudiengang für die Olympischen Winterspiele 2022 hinten anstellt. «Auf den Sport will ich mich die kommenden Monate voll konzentrieren», sagt er. Michel finanziert sich seine Sportkarriere durch Sponsoren – «obwohl diese als Anschieber schwierig zu finden sind» – und die Sporthilfe der Armee. Michel sagt:

«Ich komme sicher nicht schlecht über die Runden und will mich nicht beklagen.»

Um von zu Hause auszuziehen und noch Geld zur Seite zu legen, dafür reiche es aber definitiv nicht. So hoff denn Michel auch, dass er nach Olympia einen kulanten Arbeitgeber findet, bei dem er den Winter über relativ oft für die Weltcup-Rennen fehlen kann.

Obwohl Michel letzte Saison oftmals als Anschieber von Michael Vogt im Eiskanal stand, ist ein Olympia-Ticket für ihn nicht garantiert. Denn so ermittelt der Verband in einem Einzelausschieben im Dezember, wen er für die – voraussichtlich – zwei Bobs, die er für Peking stellt, nominiert. «Grundsätzlich werden die Anschieber mit den schnellsten Zeiten nominiert», sagt Michel, der nicht verhehlt, dass der Druck beim Einzelausschieben gross sein wird. Er sagt:

«Natürlich würde ich unheimlich gerne neben dem 4er-Bob auch im 2er-Bob im Eiskanal stehen.»

Falls er in Form ist und sich nicht verletzt, schätzt er seine Chancen hierfür als intakt ein.

Sofern es mit seiner Olympia-Teilnahme klappt, vermag er aber nicht von Edelmetall zu reden. Michel gibt sich bescheiden. «Ein olympisches Diplom – das wäre schon was.» Neben der Startzeit, für die Michel verantwortlich ist, käme es darauf an, wie das Material auf der Bahn und wie seinem Piloten die Strecke liege, so Michel. «Wenn es gut läuft, kann es weit nach vorne gehen.»

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