Laufenburg
Gift-Schlamm in Rhein leiten: Fischer legen Geld für Anwälte auf die Seite

Der Kanton will giftige Sedimente aus dem Klingnauer Stausee in den Rhein leiten. Doch die Aargauer Fischervereine erheben Einspruch. Mehrere Verein haben sogar schon Geld für Anwalts- und Prozesskosten bereitgelegt.

Walter Christen
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Die Fischer wollen nicht, dass die Tiere im Rhein, wie dieser Hecht, giftigem Schlamm im Wasser ausgesetzt werden.

Die Fischer wollen nicht, dass die Tiere im Rhein, wie dieser Hecht, giftigem Schlamm im Wasser ausgesetzt werden.

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Damit der Klingnauer Stausee nicht weiter verlandet, soll eine Rinne ausgebaggert und der Schlamm in den Rhein geleitet werden (Die AZ berichtete). Das stösst bei den Fischern in der Region auf Unverständnis. Am stärksten von der Schlammfracht betroffen wäre die Fischerzunft der Stadt Laufenburg, welche die Aargauischen Fischenzreviere 6 und 7, vom Kraftwerk Laufenburg bis zur Einmündung der Aare (rund 19 Kilometer), gepachtet hat.

Fischervereine wehren sich

Zunftmeister Alfred Künzli meint, das letzte Wort sei noch nicht gesprochen: «Unsere Einsprache muss zuerst noch behandelt werden. Wir wehren uns, zusammen mit dem Aargauischen Fischereiverband, der in dieser Angelegenheit federführend ist, und mit zahlreichen Vereinen im Einzugsgebiet auf beiden Seiten des Rheins, gegen die Verfrachtung der giftigen Sedimente in unsere Reviere. Wir haben für dieses Jahr einen Betrag von 10'000 Franken für allfällige Anwaltskosten ins Budget aufgenommen. Auch weitere Vereine legen Geld auf die Seite für mögliche Prozesskosten, zum Beispiel die Sportfischer Waldshut und Umgebung 50 Euro pro Mitglied.»

Der Klingnauer Stausee Um die weitere Verlandung des Klingnauer Stausees durch angeschwemmte Sedimente zu verzögern, wird ein Seitenarm des Klingnauer Stausees reaktiviert.

Der Klingnauer Stausee Um die weitere Verlandung des Klingnauer Stausees durch angeschwemmte Sedimente zu verzögern, wird ein Seitenarm des Klingnauer Stausees reaktiviert.

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Es ist nicht alleine nur der Schlamm, der im Rhein für eine stärkere Verlandung sorgen würde. Die Fischer sind vor allem besorgt über die giftigen Sedimente: «Die auszubaggernden Schichten im Stausee, die jetzt von Material überlagert und gewissermassen gut verpackt und geschützt sind, enthalten giftige Substanzen: Schwermetalle und PCB», so Zunftmeister Künzli. «Die Polychlorierten Biphenyle sind krebsauslösende organische Chlorverbindungen und geraten in die Nahrungskette. Die Fische nehmen diese Stoffe auf und reichern sie an. Es sind für uns Fischer schlechte Aussichten, im Rhein Fische zu fangen, die durch den Schlamm aus dem Klingnauer Stausee verseucht sind.»

Als krassen Widerspruch empfindet Alfred Künzli das Vorgehen des Kantons, der einerseits den Konsum von Rheinfischen nur in geringer Menge vorschreibt, andrerseits aber durch die Einleitung von Sedimenten in den Rhein zur Belastung ebendieser Fische beitragen würde.

«Nur Verlagerung des Problems»

«Die Füllung unserer Staustufen mit dem Stauseeschlamm verlagert das Problem lediglich. Die nächste oder übernächste Fischergeneration hätte diese Sünde im wahrsten Sinne des Wortes auszubaden.»

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