Stein

Gibt es eine Zukunft für ein Restaurant im Rheinfels-Park? Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus

Aus ökonmoischer Sicht brauche es mehr Hotelzimmer, sagt der ehemalige Pächter. Andere Steiner hoffen auf eine Dorfbeiz.

«Es war absehbar, dass das nicht funktioniert», sagt Markus Schwehr, als er von der AZ erfährt, dass seine Nachfolger im Steiner Rheinfels Park, Serge Güntert und Corinne Siegfried, per Ende Februar vorzeitig aus dem Pachtvertrag aussteigen.

Einerseits seien die beiden nicht «vom Fach» und andererseits sei es nicht möglich mit den nur zehn Hotelzimmern betriebswirtschaftlich erfolgreich zu sein und die fehlenden Einnahmen aus dem Restaurantteil zu kompensieren. Eine entsprechende Analyse habe er schon zu seiner Zeit als Pächter dem Gemeinderat vorgelegt. Und auch heute noch sagt er mit aller Deutlichkeit: «Es braucht unbedingt mehr Hotelzimmer.»

«Bevölkerung will eine Dorfbeiz»

Da der Bedarf an Übernachtungsmöglichkeiten vorhanden sei, wäre ein reines Hotel eine Möglichkeit, so Schwehr. Auch den Input, auf einen regionalen (Senioren-)Mittagstisch zu setzen und so die Arbeitszeiten zu komprimieren, habe er eingebracht. «Doch ich konnte beim Gemeinderat keine Konzeptänderung durchsetzen.»

Noch heute sei er enttäuscht darüber, wie seine Zeit in Stein abgelaufen und zu Ende gegangen sei, so Schwehr weiter. Er ist weiterhin in der Gastronomie tätig und fungiert bei seinem früheren Arbeitgeber, der Psychiatrie Baselland, als Leiter Restauration.

Nachdem Serge Güntert und Corinne Siegfried ihren Abgang bekannt gegeben haben, hat für die Gemeinde vorerst Priorität, den Hotelbetrieb möglichst nahtlos weiterzuführen, wie Gemeindeammann Beat Käser sagte. Wie es mit dem Restaurant weitergehen soll, werde dann in einem zweiten Schritt entschieden.

Dass es überhaupt mit einem Restaurant weitergeht, hofft unter anderem Richard Weilenmann, Präsident der Wohnbaugenossenschaft Rheinfels-Park, die zeitgleich mit dem Hotel und dem Restaurant realisiert wurde. Für die Bewohner der 17 altersgerechten Wohnungen sei ein Restaurant in unmittelbarer Nähe ideal, sagt Weilenmann. «Sie können bei schlechtem Wetter in der Nähe etwas essen gehen oder sich mit Besuchern dort treffen», sagt er. Dem Pächterpaar attestiert er, dass es «mit viel gutem Willen versucht hat, das Geschäft anzukurbeln».

Dass sie nun so kurzfristig aufhören sei sehr schade. Nicht zuletzt auch für die Nutzer des Begegnungsraums. Urs Buser, ehemaliger katholischer Gemeindeleiter in Stein und ebenfalls im Vorstand der Wohnbaugenossenschaft, sagt: «Man sollte auf alle Fälle noch einmal einen Anlauf mit einem Restaurant nehmen.»

Vom Konzept her wünsche sich die Steiner Bevölkerung und vor allem auch die Bewohner der Genossenschaftswohnungen «eher eine gemütliche Dorfbeiz», ist Buser überzeugt. Er fügt allerdings an, dass dies schon allein aufgrund der Architektur des Gebäudes nicht einfach zu lösen sei.

Auch Stefan Lüthi, Vizepräsident der Steiner SVP, spricht davon, dass es nun ein Konzept brauche, «dass die Steiner Bevölkerung anspricht». Gutbürgerliche Küche würde möglicherweise besser ankommen, so Lüthi. Er und seine Partei gehörten zu den Gegnern, als es darum ging, ob das Projekt Rheinfels-Park realisiert werden soll.

«Wir waren nicht ohne Grund dagegen», sagt er heute. Dennoch wundere es ihn, dass der Abgang des zweiten Pächterpaars nun so rasch erfolge. Das Restaurant ganz aufgeben, will Lüthi aber noch nicht. «Einen Versuch sollten wir nun noch wagen», sagt er.

Marion Pfister, Vorstandsmitglied der Steiner CVP, bringt noch einen weiteren Aspekt ins Spiel, der dafür spricht, auch künftig ein Hotel und ein Restaurant zu betreiben. «Die Liegenschaft ist für diese Nutzung konzipiert», sagt Pfister. «Würde man am Konzept nun etwas ändern, kämen wieder Kosten auf die Gemeinde zu.»

Das sind die Aargauer Gastro-News 2020

Autor

Marc Fischer

Marc Fischer

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