Gesundheitszentrum Fricktal

Gewichtige Abgänge am Spital Laufenburg – nun stehen grosse Änderungen bevor

Im Szenario 2 bleiben nur das Pflegeheim, die ambulante Sprechstunde sowie allenfalls ein «Notfall light» in Laufenburg.

Im Szenario 2 bleiben nur das Pflegeheim, die ambulante Sprechstunde sowie allenfalls ein «Notfall light» in Laufenburg.

Es geht alles schneller als geplant: Nach dem Abgang von vier Ärzten prüft das Gesundheitszentrum Fricktal die Konzentration der stationären Chirurgie in Rheinfelden. Am Standort Laufenburg dürfte sich einiges ändern.

Die Vorgaben an die Player im Gesundheitswesen sind ebenso klar wie einschneidend: Kosten senken, Spitzenmedizin konzentrieren, «ambulant vor stationär» konsequent umsetzen. Die Leistungserbringer stehen unter Druck – und vor grossen Veränderungen. «Die Spitäler in den Regionen trifft es dabei besonders hart», sagt Miriam Crespo, Pressesprecherin des Gesundheitszentrums Fricktal (GZF). Das GZF betreibt in Rheinfelden und Laufenburg je ein Spital.

Dass am Hauptsitz in Rheinfelden intensiv über die Zukunft der beiden Häuser nachgedacht wird, ist seit längerem bekannt. Ebenso, dass primär ein Fragezeichen über Laufenburg schwebt – manche sprechen von einem Damoklesschwert. «Ist das Spital Laufenburg gefährdet?», fragte die AZ im letzten Juli. Nicht akut, sagte CEO Anneliese Seiler damals – unter der Bedingung allerdings, dass «wir die heutigen Synergien, insbesondere den Notfallverbund, weiterhin nutzen können und sich der Leistungsauftrag für Laufenburg nicht wesentlich ändert».

Nun geht doch alles etwas schneller. Ursprünglich ging man im GZF davon aus, bis Mitte 2019 Zeit für die künftige Strategie zu haben. Seither haben aber mehrere Chef- und Leitende Ärzte gekündigt. Den Anfang machte Ivo Ralf Fischer, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie in Rheinfelden. Er hat Ende Januar gekündigt und das GZF Ende März bereits verlassen – nach nur eineinhalb Jahren. Er habe gekündigt, «um eine neue Herausforderung anzunehmen», sagt Crespo.

Gewichtige Abgänge

Nur einen Monat nach Fischer kündigte Paolo Abitabile, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie in Laufenburg. Er wird das GZF Ende August verlassen. Man habe «unterschiedliche Auffassungen zur Weiterentwicklung der Chirurgie» gehabt, begründet Crespo seinen Weggang. Es sei um die Zahl der Betten gegangen, sagen informierte Kreise.
Nach diesen beiden gewichtigen Abgängen entschied die GZF-Leitung, die Allgemein- und Viszeralchirurgie unter eine Leitung zu stellen. Die Wahl für die standortübergreifende Gesamtleitung fiel auf Ingo Engel, 56, der aktuell an den Kliniken des Landkreises Lörrach arbeitet. Er tritt seine Stelle am 1. Oktober an.

Kaum war der Entscheid getroffen, kündigten Ende März auch die beiden Leitenden Ärzte in Laufenburg, Rok Dolanc und Simeon Berov. Damit verbleiben vom Ärzteteam «Allgemeine Chirurgie» in Laufenburg laut Homepage des GZF noch die beiden Gastroenterologen Felix Schulte und Christoph Steinborn, die aber bereits jetzt an beiden Standorten tätig sind.
Einen Chef- und zwei Leitende Ärzte gleichzeitig zu finden, «ist schlicht nicht realistisch», sagt Crespo. Für ein Regionalspital werde es – trotz guten Salären – immer schwieriger, Fachkräfte zu rekrutieren. Auch deshalb bilde man pro Jahr über 100 Lernende und Studierende selber aus.

Das GZF entschied nun, den ohnehin anstehenden Strukturprozess zu beschleunigen. Die Kündigungen hätten wie «ein Katalysator» gewirkt, umschreibt Crespo die Folge der Abgänge. Wollte man sich ursprünglich 12 bis 18 Monate Zeit nehmen, um die Allgemeinchirurgie neu auszurichten «sowie alle damit zusammenhängenden Bereiche», wie es in einem Brief des GZF heisst, so soll diese strategische Auslegeordnung nun bereits bis Ende Juni vorliegen.

Zwei Szenarien werden geprüft

Klar ist bereits heute: Es wird einschneidende Änderungen geben – primär am Standort Laufenburg. Der Verwaltungsrat hat die Geschäftsleitung beauftragt, eine Gesamtanalyse zu machen und zwei Szenarien für Laufenburg zu prüfen.

Das Szenario 1 sieht vor, die stationären chirurgischen Fachbereiche am Standort Rheinfelden zu konzentrieren. Das heisst: Alles, was stationär schneidend ist, wird nur noch in Rheinfelden angeboten. Neben der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie betrifft dies die Klinik für Traumatologie, Orthopädie und Handchirurgie. Pro Jahr werden in Laufenburg rund 1200 Fälle in diesen beiden Kliniken behandelt. «Bei Umsetzung dieses Szenarios würde der Standort Laufenburg weitergeführt werden mit der stationären Medizin, dem Pflegeheim sowie mit dem gesamten ambulanten Angebot», heisst es im Schreiben des GZF.

Beim Szenario 2 ist die Operation am «Patient Laufenburg» weitaus grösser. Hier bleibt nach dem Eingriff nur das Pflegeheim sowie ein «umfassendes Angebot an ambulanten Sprechstunden» übrig. Chirurgische Kleineingriffe unter Lokalanästhesie seien zudem denkbar.

Unklar ist bei beiden Varianten, wie der Notfall in Laufenburg weiterbetrieben wird. Der Notfall sei ebenfalls Teil der strategischen Überlegungen, sagt Crespo und verweist auf die Komplexität. «Änderungen in einer Abteilung ziehen immer Änderungen in anderen Bereichen nach sich.» Klar ist aber auch hier: Bei Szenario 2 gibt es den Notfall in der heutigen Form nicht mehr. «Allenfalls könnte ein ‹Notfall light›, sprich eine erste Triagestelle für Notfälle tagsüber, das Angebot abrunden», heisst es in dem Schreiben, das der AZ vorliegt.

Den Notfall in Laufenburg zu belassen und jenen in Rheinfelden zu kippen, ist «keine Option», so Crespo. Zum einen, weil in Rheinfelden der Hauptharst der Notfälle anfällt. Laut Crespo wurden im unteren Fricktal im letzten Jahr rund 10'000 Notfälle behandelt, in Laufenburg rund 4500. Andererseits sei es keine Option, weil sich die Frauenklinik inklusive Geburtshilfe in Rheinfelden befinde, «Bei der Geburtshilfe gelten sehr strenge Vorgaben an den Notfallbetrieb», so Crespo.

Ein ähnliches Modell, wie es das Szenario 1 vorsieht, praktiziert das Kantonsspital Baselland mit seinem Standort in Laufen. Eine Präferenz für ein Szenario gibt es derzeit laut Crespo aber nicht, «denn die Szenarien müssen wir jetzt erst eingehend prüfen». Den Einwand, die beiden Szenarien und insbesondere Szenario 2 komme einer Schliessung von Laufenburg als (Akut-)Spital gleich, kontert Crespo. «Eine Schliessung ist es in beiden Fällen nicht.» Gerade bei Szenario 1 würden sämtliche ambulanten Eingriffe auch künftig in Laufenburg durchgeführt – «und dieser Bereich wächst deutlich stärker als der stationäre». Dies auch, weil der Bund «ambulant vor stationär» pusht.

Widerstand ist programmiert

Viele Fragen sind derzeit noch offen. So jene, was mit den Betten passiert, sollten aus Laufenburg die beiden Kliniken abgezogen werden. Bis Ende Juni werde man mehr wissen, sagt Crespo. Dass das Spital nun in die Kommunikationsoffensive geht, hängt laut Crespo mit den Firmenwerten des GZF und mit der Verunsicherung zusammen, die man nach den Kündigungen gespürt habe. Am letzten Donnerstag wurden die Mitarbeitenden informiert. Dass man aktiv informiere, sei gut angekommen, sagt Crespo. Ihr ist besonders auch eine Message wichtig: Das GZF führe seinen Betrieb vorerst unverändert weiter – an beiden Standorten. Bis Ende August sei Abitabile in Laufenburg ja im Amt «und bis dahin wissen wir, wie es weitergeht».

Im oberen Fricktal und insbesondere in Laufenburg werden die Szenarien keine Freude auslösen. Das ist man sich beim GZF bewusst. Denn beide bedeuten einen Leistungsabbau in Laufenburg. Widerstand ist damit programmiert. Der Status quo, das macht Crespo aber auch klar, sei keine Option. Dafür sei der Druck von Bund und Kanton auf die Leistungserbringer zu gross. «Wäre der Druck nicht derart gross, hätten wir den Status quo zumindest geprüft.»

Crespo ist zuversichtlich, dass die Bevölkerung – auch im oberen Fricktal – den Entscheid des GZF mittragen wird. «Wir spüren viel Wohlwollen bei der Bevölkerung und den Politikern.» Die bisherigen Rückmeldungen, auch von innen, «stimmen uns zuversichtlich». Man werde «zeitnah und aktiv» informieren, betont Crespo – auch öffentlich. Am 23. April lädt das GZF zur Infoveranstaltung. In Laufenburg.

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