Sie ist auf Baustellen im Einsatz, wird im Garten verwendet oder von Handwerkern benützt. Sie ist rund 28 Kilo schwer und hat ein Fassungsvermögen von 60 Litern. Die Rede ist von der Spitzboden-Karrette.

Gleich zwei Dutzend dieser einrädrigen Arbeitsgeräte bilden an der Ausstellung der Natur- und Kulturwoche in Wölflinswil eine einmalige Parade neben dem alten Milchhaus. Die Karretten dienen selbst dort ihrem Zweck, sind sie doch gefüllt mit Ackererde, Rheinschotter, Moränenmaterial und vielen weiteren Gesteinsarten. Es gibt also während der ganzen Natur- und Kulturwoche in Wölflinswil und Oberhof nicht nur Steinkünstler, Skulpturen, verschiedene Aktivitäten und diverse Referenten rund um das Thema «Erde – Steine – Bodenschätze», die Organisatoren sind sogar auf die Karrette gekommen.

Am 1. August 1928 patentiert

Dabei handelt es sich nicht einfach um eine beliebige Schubkarre, sondern um eine echt schweizerische Erfindung, die am 1. August 1928 vom Bundesamt für Geistiges Eigentum patentiert wurde. Und zwar erhielt die Firma Schädler in Arbon das Patent mit der Nummer 127145.

Schädler hatte die Spitzboden-Karrette erfunden, die sich durch eine gute Gewichtsverteilung auszeichnet. Es gelang damit dem Konstrukteur, die Karrette aus einem einzigen Stück Blech und in einem einzigen Arbeitsgang zu fabrizieren. Später ging die Produktion der «Perfecta» genannten Karrette an die Blechwarenfabrik Muri AG über.

Die ersten Jahre war die Karrette mit einem Eisenrad bestückt, das später durch ein Pneurad ersetzt wurde. Ansonsten wird das praktische und überaus beliebte Arbeitsgerät unverändert hergestellt.

Oftmals wird diese Karrette als eine typisch schweizerische Erfindung gepriesen und von der Bedeutung her mit derjenigen des Schweizer Sackmessers gleichgestellt.

Landauf und landab gibt es ja kaum eine Baustelle ohne das Ding. Mag die bautechnische Entwicklung immer weiter gehen, neue Materialien und Bauweisen hervorbringen – die Karrette aber bleibt geradezu symbolhaft für eine Baustelle, einen Steinbruch, eine Erdverschiebung, einen Kleintransport von Steinen, Kies, Beton oder Sand.

Karrette für viele Zwecke

Im Garten und Kleinbetrieb, bei der Liegenschaft mit Grün um das Haus – überall wird die Karrette verwendet. Ob Bauarbeiter, Gärtner oder Handwerker, immer wieder findet die Karrette Verwendung.

Wie die Ausstellung in Wölflinswil zeigt, hat sogar ein Künstler (Hugo Suter) mit der Karrette eigenwillige Skulpturen angefertigt. Die Karrette erweist sich für die Ausstellung «Erde – Steine – Bodenschätze» als ideal, und die Idee mit der Karretten-Parade, die eine Vielfalt von Steinen, Mineralien und Rohstoffen im Aargauer Jura zeigt, ist wirklich gelungen. (chr)