Möhlin
Gewerkschafter werfen Spitex-Firma vor, ihr Personal auszubeuten

Der VPOD und sein Netzwerk Respekt@vpod protestierten am Freitagmorgen vor dem Hauptsitz der Home Instead Schweiz AG in Möhlin. Der Vorwurf: Die Anstellungsbedingungen seien zum Teil gesetzeswidrig. Die private Spitex-Firma weist die Kritik zurück.

Stefan Gyr
Merken
Drucken
Teilen
Die Home Instead Schweiz AG mache sichere Gewinne, wälze die Risiken aber auf die Lizenznehmer ab, kritisiert das Netzwerk Respekt@vpod.
4 Bilder
Ein weiterer Kritikpunkt: Die Anstellungsbedingungen seien «generell schlecht».
Eine Sprecherin der Home Instead Schweiz weist die Vorwürfe als haltlos zurück.
Demo bei Spitex-Firma Respekt@vpod in Möhlin

Die Home Instead Schweiz AG mache sichere Gewinne, wälze die Risiken aber auf die Lizenznehmer ab, kritisiert das Netzwerk Respekt@vpod.

Walter Christen

Rote Fahnen flatterten am Freitagmorgen im Industriegebiet von Möhlin: 25 Mitglieder der Gewerkschaft VPOD und ihres Netzwerks Respekt@vpod protestierten vor dem Hauptsitz der Home Instead Schweiz AG gegen die «Profit-Spitex».

Der Vorwurf: Die Anstellungsbedingungen seien zum Teil gesetzeswidrig. Es gebe Arbeitsverträge ohne Pensionskassenversicherung, Arbeit auf Abruf ohne Anspruch auf ein verlässliches Einkommen und keine Bezahlung von Wegzeiten und Spesen bei Fahrten zwischen den Kunden.

Die 2007 gegründete Home Instead Schweiz AG ist Franchisenehmerin einer US-Firma und vergibt Lizenzen in der Schweiz.

Bis heute sind 19 Geschäftsstellen eröffnet worden. Die Lizenznehmer arbeiten auf eigene Rechnung in einem zugewiesenen Gebiet unter der Marke Home Instead und bezahlen dafür Franchisegebühren. Die Home Instead Schweiz AG kassiere sichere Gewinne, die Risiken wälze sie aber auf die Lizenznehmer ab, kritisierte der VPOD.

Umsatzziel in Frick nicht erreicht

Nach seinen Angaben wird zurzeit die Geschäftsstelle in Frick an einen anderen Franchisenehmer übertragen: Die Home Instead Seniorendienste Fricktal GmbH habe das vereinbarte Umsatzziel nicht erreicht.

Der VPOD verlangt, dass nicht nur die Kunden, sondern auch die Angestellten übernommen werden, wie dies gesetzlich vorgeschrieben sei.

Die Home Instead Schweiz AG wies alle Vorwürfe des VPOD zurück. Sie stelle den Geschäftsstellen Arbeitsverträge zur Verfügung, die vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bewilligt worden seien, erklärte CEO Paul Fritz gegenüber der Aargauer Zeitung. Die Verträge könnten deshalb gar nicht rechtswidrig sein.

Die Zentrale achte auch darauf, dass die Verträge übernommen und eingehalten werden.

Im Dezember habe sie die Verträge der Geschäftsstellen in Frick und Basel geprüft und dabei keine Gesetzeswidrigkeiten festgestellt.

Arbeitsverträge ohne Pensionskassenversicherung sind Fritz «nicht bekannt». Es könnte allenfalls um einen fünf Jahre zurückliegenden Fall eines Arbeitsverhältnisses unter drei Monaten gehen.

Fritz will Geschäftsstelle kaufen

Rechtlich könne die Home Instead Schweiz AG aber keine Verantwortung für die Anstellungsbedingungen übernehmen: Die Geschäftsstellen seien juristisch selbstständig. Zu den Home Instead Seniorendiensten Fricktal sagte Fritz, der Betrieb habe sich «nicht wunschgemäss entwickelt».

Die von ihm geführte Geschäftsstelle Baselland habe deshalb der Franchisenehmerin ein Kaufangebot unterbreitet, aber noch keine Antwort erhalten.

Auch die Angestellten würden dabei übernommen, erklärt Fritz. «Unsere Seniorenbetreuung beruht auf vertrauensvollen Beziehungen - da übernehmen wir doch keine Kunden, für die wir keine Angestellten haben.»