Frick

Gewerbe muss eigene Stärken betonen und die Nähe zum Kunden nutzen

Moderator Christoph Grenacher, Hansjörg Knecht, Heidi Birrer, und Franziska Bircher und Thomas Rudolph (v.l.) diskutierten über Einkaufstourismus und Online-Handel.

Moderator Christoph Grenacher, Hansjörg Knecht, Heidi Birrer, und Franziska Bircher und Thomas Rudolph (v.l.) diskutierten über Einkaufstourismus und Online-Handel.

Einkaufstourismus ist und bleibt eine Herausforderung. Aber wer um den Kunden kämpft, muss den Trend nicht fürchten. So lautete der Tenor bei der Podiumsdiskussion des Gewerbes Region Frick-Laufenburg.

Hauptredner beim vom Verein Gewerbe Region Frick-Laufenburg organisierten Anlass war Thomas Rudolph, Professor für Marketing und internationales Handelsmanagement an der Uni St. Gallen. Obwohl aus dem «Feindesland» stammend, wie er auf seine deutsche Herkunft anspielte.

Rudolph gab den zahlreich erschienenen Gewerblern konkrete Tipps, wie sie dem boomenden Einkaufstourismus begegnen können: Sich auf die eigenen Stärken besinnen, diese dem Kunden verständlich machen und offensiv erklären, warum die im Ausland so viel billiger sein können als man selbst. Beispielsweise weil die Qualität nicht vergleichbar ist, weil die Sozial- und Lohnstandards niedriger sind, weil der Tierschutz geringgeschätzt wird.

Als abwegig wertete der Betriebswirtschaftler indes die These, dass Schweizer Produkte teurer sind, weil die hiesigen Händler besonders hohe Margen einstreichen.

Beratung und Service notwendig

Punkten kann der Schweizer Detailhandel für Rudolph nicht mit noch niedrigeren Preisen, sondern mit guter Beratung und Service, der auch nach dem Kauf des Produkts noch weitergeht. «Wer sich gut beraten fühlt, der bewertet das Preis-Leistungs-Verhältnis auf eine ganz andere Art», so der Professor. Der denkt sich, wie Regierungsrat Stephan Attiger am Abend meinte: «So gross ist der Preisunterschied ennet der Grenze dann doch nicht.»

Andererseits: Wenn Detaillisten kompetent und zeitaufwendig beraten und der Kunde dann doch im Internet kauft, haben sie auch nichts davon. Für Christoph Vogel, Präsident des Gewerbes Region Frick-Laufenburg ist, wie er am Dienstagabend betonte, der Online-Handel die noch grössere Herausforderung als der Einkaufstourismus.

Rudolph warb in der sich anschliessenden Diskussionsrunde mit Fricktaler Unternehmern dafür, diese Herausforderung offensiv anzunehmen – selbst online aktiv zu sein, den Grossen im Internet Paroli zu bieten und das weltweite Netz als Werbeplattform für die eigenen Stärken zu nutzen. Diese liegen für Franziska Bircher von Brogle Schreiner Küchen in Wittnau in regionaler Verwurzelung und handwerklicher Produktion. Heidi Birrer von Birrer Nutzfahrzeuge, Sisseln verriet, dass es bei ihr ein langer Weg bis zum Verkauf sei, der gute Beratung und «Top-Mitarbeiter» voraussetze.

«Im Lebensmittelhandel spielt online bislang keine grosse Rolle», berichtete auf dem Podium SVP-Nationalrat Hansjörg Knecht, der auch Geschäftsführer einer Getreidemühle in Leibstadt ist. Gleichwohl war er am Abend mehr Politiker denn Unternehmer, beklagte «immer mehr staatliche Regulatorien». Steigende Abgaben und Gebühren liessen den Menschen immer weniger Einkommen, was sie zum Einkauf im billigeren Ausland zwinge, wo auch die Ladenöffnungszeiten attraktiver seien. Auch Bäcker Markus Kunz, der sich aus dem Publikum zu Wort meldete, zielte darauf ab. Immer höhere Krankenkassenprämien schmälerten die Kaufkraft.

Rudolph berichtete indes auch von Gegentrends, davon, dass selbst reine Online-Händler wie Amazon inzwischen ihren Kunden das Erlebnis des Einkaufens vor Ort, in einem richtigen Geschäft anbieten. Sie setzen also auch auf jene «physische Nähe», von der auch Marc Jäger, Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank Regio Frick, sprach.

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