Welche Schlüsselqualifikationen erwartet das Gewerbe von Schulabgängern? Was kann das Gewerbe dazu beitragen, dass auch Jugendliche mit Realschulabschlüssen eine Chance auf dem Lehrstellenmarkt haben? Wie können Schule und Gewerbe den Anteil der Jugendlichen – speziell der Bezirksschüler – steigern, die nach der Schule eine Berufslehre beginnen? Wie funktioniert das Auswahlverfahren bei der Lehrstellenvergabe?

Fragen, die drängen, wenn man die Teilnehmerzahl aus Schule und Wirtschaft zum Massstab nimmt. Rund 60 Lehrpersonen, Gewerbevertreter und Politiker folgten der Einladung des Gewerbes Region Frick Laufenburg (Geref) und nahmen sich einen Nachmittag Zeit, die genannten und ähnliche Fragen zu diskutieren. Acht Tische mit Themenfeldern, acht Gruppen mit bunt durchmischten Diskussionsteilnehmern, drei Durchgänge à 30 Minuten – so lauteten die «Spielregeln», die für angeregte Gespräche rund um die Schnittstelle zwischen Schule und Berufsalltag sorgten.

Abbau von Schwellen

Dass zwischen Gewerbe und Lehrerschaft noch Schwellen bestehen, zeigte sich in mehreren Diskussionsgruppen. Konkret am Beispiel der Referenzen. «Wir Lehrer stehen sehr oft auf als Referenz auf der Bewerbung für Lehrstellen, angerufen werden wir fast nie», hiess es da aus Lehrerkreisen. «Stimmt», gaben die Gewerbetreibenden zu, «wir verlassen uns oft auf die Eindrücke aus den Schnupperlehren.» Und sie setzten zur Gegenfrage an: «Würden wir denn ehrliche Antworten erhalten?» Die Antwort war ein klares Ja. «Wir stehen ja schliesslich mit unserem Namen dafür.»

Während in dieser Frage Konsens herrschte, gingen die Meinungen darüber, was von Schulabgängern erwartet wird, weiter auseinander. Die KMU-Vertreter forderten vertieftes Sachwissen, gefestigtes Basiswissen, Interesse, Engagement, Sinn für praktisches Arbeiten, Kreativität. Ein breites Anforderungsprofil. «Mit den Ressourcen und Lehrplänen ist dies nicht alles möglich», hiess es dagegen auf Lehrerseite, zumal noch eine weitere Anforderung dazukommen: Sozialkompetenz.

Konkrete Anliegen vorgebracht

Flugs weitete sich die Diskussion auf die Politik aus, die in Sachen Lehrplan und Finanzen Vorgaben machen müsse. Und ebenso schnell kamen die grossen Abwesenden des Nachmittags ins Spiel – die Eltern. «Das Elternhaus steht in der Verantwortung», waren sich Schul- und Wirtschaftsvertreter einig. «Es kann nicht sein, dass wir immer mehr für die Charakterbildung und den Grundanstand zuständig sind», forderten die Lehrpersonen. Sie erhielten Unterstützung von den Gewerbetreibenden: «Die Lehrstellensuche ist Sache der Schüler, unter Mithilfe der Eltern.»

Neben den eher allgemeinen Aussagen wurden aber auch konkrete Vorschläge gemacht, wie der Übertritt vom Schul- in den Berufsalltag künftig besser gestaltet werden kann. Die Lehrerschaft empfahl dem Gewerbe, sich dafür einzusetzen, dass es künftig analog zu den Infoabenden der Gymnasien und der Fachmaturitätsschulen auch Infoabende der Berufsmaturitätsschulen gibt. Weiter wünschten sich die Lehrpersonen im Sinne der Schüler eine regionale Plattform mit Lehr- und Schnupperlehrstellen und wenn möglich auch mit Angeboten für Ferienjobs. Auch Berufsvorstellungen aus erster Hand in den Schulstunden sind laut den Lehrpersonen erwünscht. Das Gewerbe seinerseits wünschte sich von den Lehrpersonen eine verlässliche Notengebung – «eine 5 muss auch gut bedeuten» – und Empfehlungsschreiben, gerade bei schwächeren Schülern zur Ergänzung der Zeugnisse.

Thema wird weiter bearbeitet

An der Projektgruppe mit Vertretern des Geref und der Schule ist es nun, die gesammelten Voten, Anliegen und Vorschläge zu sichten und ihn geeigneter Form zusammenzufassen. «Wichtig war es an diesem Nachmittag, die Spannungsfelder aufzuzeigen und das gegenseitige Verständnis zu fördern», so Geref-Vizepräsidentin Franziska Bircher. Das Gewerbe Region Frick Laufenburg wird das Thema nicht nur in der Projektgruppe weiter bearbeiten. «An der Expo’14 haben wir das Schwerpunktthema Lernende», so Franziska Bircher weiter.