Laufenburg (D)
Getötetes Baby: Familie wurde vom Jugendamt betreut – Haftbefehl gegen Vater

Das tot aufgefundene Kind starb an stumpfer Gewalteinwirkung, die Familie hatte das Jugendamt bereits vor Monaten um Hilfe gebeten.

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Anteilnahme: In Rhina haben Menschen in Gedenken an den kleinen Jungen, der am ersten Weihnachtsfeiertag getötet wurde, Kerzen und Kuscheltiere aufgestellt.

Anteilnahme: In Rhina haben Menschen in Gedenken an den kleinen Jungen, der am ersten Weihnachtsfeiertag getötet wurde, Kerzen und Kuscheltiere aufgestellt.

Südkurier/Andreas Gerber

Im Fall des getöteten drei Monate alten Babys im deutschen Laufenburg (Stadtteil Rhina) hat der Haftrichter nun den Haftbefehl unterzeichnet. Der mutmassliche 36-jährige Täter, der nach Behördenangaben mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der Vater des kleinen Jungen war, kommt damit in Untersuchungshaft.

Der 36-Jährige hatte sich am ersten Weihnachtsfeiertag um kurz nach 11 Uhr bei der Polizei gemeldet und die Tat gestanden. Polizei und Notarzt fanden vor Ort in der Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Rhina den Vater und das tote Kind. Der psychisch labile Mann gab an, mit der Betreuung des Kindes überfordert gewesen zu sein.

Familie stand unter Betreuung des Jugendamtes

Bisher hatte die Ermittlungsbehörde als Todesursache pauschal ein Schädel-Hirn-Trauma angegeben. Das vorläufige Obduktionsergebnis hat mittlerweile konkretere Ergebnisse erbracht. Laut Leitender Oberstaatsanwältin Iris Janke war es zu "einer mehrfachen Gewalteinwirkung gegen den Kopf des Kindes" gekommen. Todesursächlich sei "ein stumpfes Schädel-Hirn-Trauma", so Janke. Anhaltspunkte für ein so genanntes Schütteltrauma und für Altverletzungen hätten sie hingegen nicht gefunden. Das ausführliche Gutachten zum Tode des Säuglings werde jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen, so die Leitende Oberstaatsanwältin.

Der Hochrhein ist nach wie vor entsetzt und rätselt, wie es zu dieser Gewalttat kommen konnte. Auf Anfrage des Südkurier bestätigte das Landratsamt Waldshut, dass die Familie unter Betreuung des Jugendamtes stand. Die Familie habe das Jugendamt schon vor längerer Zeit – noch während der Schwangerschaft – um Hilfe ersucht, teilte die Behörde mit.
Daraufhin sei für die Zeit nach der Geburt des Kindes zusammen und in Absprache mit verschiedenen Institutionen eine ambulante Hilfe installiert worden. Die Familie sei dabei mehrere Tage in der Woche unterstützt worden und schien auf einem guten Weg zu sein, hiess es. Gewalttätigkeiten seien der Behörde bislang nicht bekannt geworden. Diese Aussage des Jugendamtes deckt sich auch mit dem vorläufigen Ergebnis der Obduktion, wonach der Säugling keine Anzeichen von älteren Verletzungen hatte.

In welchem Umfeld lebte die Familie? Es handelt sich um ein Mehrfamilienhaus im Laufenburger Ortsteil Rhina. Polizeisprecher Dietmar Ernst sagte, nach dem Bild, das die Behörde derzeit habe, sei das Leben des Paares in geordneten Bahnen verlaufen. Auch laut Staatsanwaltschaft gibt es keine Hinweise auf eine offensichtliche Verwahrlosung des Kindes. Gleichwohl würden die häusliche Umgebung und die näheren Lebensumstände Gegenstand der laufenden Ermittlungen sein, so Janke.

Der mutmassliche Täter und wahrscheinliche Vater war während der Tat alleine mit dem Jungen. Wie es zu dem Ausraster kam, untersucht die Polizei derzeit. Gegenstand der Ermittlungen ist dabei unter anderem auch die Blutprobe des 36-Jährigen. Denn laut Polizei stand der Mann unter Medikamenteneinwirkung. Dabei wird im Rahmen der Untersuchung auch zu klären sein, welche Substanzen er geschluckt hat und ob diese legal sind. Nach Behördenangaben war der Mann beim Eintreffen der Polizei auch selbst verletzt. Welche Verletzungen er hatte, wurde nicht mitgeteilt. Nach unbestätigten Informationen unserer Zeitung hat der 36-Jährige nach der Tat versucht, sich die Pulsadern am Arm aufzuschneiden. Der Mann ist auch in U-Haft weiter unter ärztlicher und psychologischer Betreuung. Er gilt als suizidgefährdet.

Die Mutter war am Vormittag des ersten Weihnachtsfeiertages während der Tat nicht in der Wohnung. Über ihren Aufenthalt gibt es keine genaueren Informationen. Janke sagte nur: "Die Mutter befand sich wenige Stunden ausser Haus im Landkreis Lörrach."

Laut Polizeisprecher Ernst sei die Mutter noch bei ihr nahestehenden Personen untergebracht und werde psychologisch betreut. Denn die Wohnung der Familie ist bislang noch nicht freigegeben. Die Kriminalbeamten und die unterstützenden Kollegen des Landeskriminalamtes seien mit der Spurensicherungen zumindest auch noch am Donnerstag beschäftigt gewesen, so Polizeisprecher Ernst.