Im Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) in Rheinfelden ist der Mittag vorbei. In der Cafeteria stellen Gäste, Ärzte und Belegschaft ihre Teller auf den Tablettwagen. Was darauf noch übrig ist, kommt in den Kompost oder Kehricht. Was aber geschieht im Spital mit den anderen Abfällen? Mit gebrauchten Spritzen? Blut- und Urinbeuteln? Mit Skalpell und Medikamenten? Und was passiert mit humanen Teilen – etwa einer Plazenta nach der Geburt?

Entsorgung beginnt bei Patienten

«Es gibt eine ganze Reihe von spezifischen medizinischen Abfällen, die als Sonderabfall speziell behandelt werden müssen», sagt Rolf Prions, Leiter des Qualitätsmanagements im GZF. Dazu gehören in erster Linie Abfälle, von denen eine Ansteckungs- oder Verletzungsgefahr ausgeht: Blut, Ausscheidungen und andere Exkrete sowie sogenannte «Sharps» – etwa Spritzen, Skalpelle, Kanülen und Glasröhrchen.

Mehrere Tonnen an Abfällen gilt es für das GZF jährlich zu entsorgen. «Die Entsorgung beginnt dabei direkt beim Patienten», sagt Prions. Spritzen, Kanülen und Ampullen werden sofort nach der Verwendung in stichfeste Behälter entsorgt. Blut- und Urinbeutel sowie Verbandsmaterial in reissfeste und flüssigkeitsdichte Verpackungen. Dann werden sie in einem geschlossenen Raum gelagert, bei festgeschriebener Luftfeuchtigkeit und Temperatur – bis eine spezialisierte Entsorgungsfirma sie abholt. Plazenten werden nach der Geburt eingefroren. Sie kommen in eine Verbrennung. Die Entsorgung von Medikamenten übernimmt die Apotheke, die Wäsche wird im Kantonsspital Baden gereinigt.

Zum Schutz der Mitarbeiter

«Es gilt, zu jedem Zeitpunkt die Mitarbeitenden zu schützen», sagt Prions. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Infektionsgefahr. Prions spricht von «absoluten Einzelfällen», wenn es darum geht, wie oft sich Mitarbeitende von Gesundheitsbetrieben am Abfall mit einer Krankheit anstecken. «Beispielsweise sind mir genau zwei Fälle bekannt, in denen sich jemand an einem scharfen Gegenstand mit Hepatitis B infizierte – in der ganzen Schweiz», sagt Prions.

Eine 100-prozentige Sicherheit, das betont Prions, gebe es allerdings nicht. Deshalb sei es besonders wichtig, die Belegschaft in regelmässigen Schulungen auf die Gefahren und Richtlinien aufmerksam zu machen. Ein Sicherheitskoordinator überprüft ausserdem ebenso regelmässig die Abläufe und eine Hygienefachfrau berät das Gesundheitszentrum.

Aus den Augen, aus dem Sinn

Daneben sollen sowohl die Belegschaft als auch die Patienten und Angehörigen möglichst wenig von der mitunter komplizierten Entsorgung mitbekommen, soll ihnen alles so einfach wie möglich gemacht werden. Aus den Augen, aus dem Sinn – für einmal gilt der Spruch: «Die Belegschaft soll sich auf ihre Arbeit konzentrieren können, die Patienten auf ihre Genesung», sagt Prions. «Das ist eines unserer obersten Ziele.»