Vielleicht schielt manch ein Ueker in diesen Tagen mit etwas Neid nach Magden. Dort hat man innerhalb weniger Wochen gefunden, was Ueken schon seit Monaten sucht: Kandidaten für den Gemeinderat.

Carole Binder-Meury (SP) und Roger Sprenger (SVP) kandidieren für die beiden frei werdenden Sitze von Urs Manser (SP) und Brunette Lüscher (SVP). Der bisherige Vizeammann André Schreyer stellt sich ausserdem als Nachfolger von Gemeindeammann Brunette Lüscher zur Verfügung. «Im Wissen, dass ein geeigneter Nachfolger da ist, ist der Rücktritt für mich sorgloser», sagt Lüscher.

Ortsparteien ein Vorteil

In Ueken hingegen läuft gerade eine Nachmeldefrist im zweiten Wahlgang. Dies, nachdem bereits im ersten Wahlgang und in der Anmeldefrist für den zweiten Wahlgang keine Kandidatur eingegangen war. Von sorglos kann nicht die Rede sein.

Was also unterscheidet die beiden Gemeinden voneinander? Weshalb fällt die Suche Ueken so schwer und Magden scheinbar leicht? Da ist der offensichtliche Unterschied: die Grösse. Magden zählt bald 4000 Einwohner, in Ueken sind es keine 1000. «Bei uns ist die Auswahl schlicht grösser», sagt der Magdener Gemeindeschreiber Michael Widmer.

Hinzu kommt, dass Magden im Gegenteil zu Ueken aktive Ortsparteien der CVP, FDP, SP und SVP hat. Diese seien zwar «nicht riesig» (Lüscher), aber sie verfügen über einen Bekanntenkreis politisch interessierter Personen. «Die Ortsparteien sind ein Gremium, das vorsondiert, wenn ein Rücktritt ansteht. Das kann ein Vorteil sein bei der Suche nach Kandidaten», so Gemeindeammann Lüscher.

Nur: Dies mögen Gründe sein, warum Ueken Mühe bei der Rekrutierung von Behördemitgliedern bekundet. Aber es gibt wohl noch einen weiteren entscheidenden Grund.

Uneinigkeiten ein Hauptgrund

Diesen Eindruck kriegt, wer mit einem Ueker spricht, der in die Suche nach Kandidaten involviert war – und sie mittlerweile aufgegeben hat. «Ich habe zwischen 25 und 30 Leute angesprochen, die ich für geeignet hielt. Machen wollte es niemand», sagt er. Als Begründung habe er immer wieder zwei Argumente gehört: der Job und die Situation im Gemeinderat.

Uneinigkeiten hatten vor rund einem Jahr zu einem Dreifach-Rücktritt geführt. Die drei Gemeinderäte machten diesen später zwar wieder rückgängig. Dafür verliess der Gemeindeammann im Winter die Behörde. «Viele wollen nun abwarten, wie sich das entwickelt, bevor sie sich engagieren», sagt der Ueker. «Das ist schade gegenüber den amtierenden Gemeinderäten. Sie machen aus meiner Sicht einen guten Job.»

Sind negative Schlagzeilen also ein Kriterium für allfällige Gemeinderats-Kandidaten? Ja, lautet die Antwort bei sämtlichen von der az befragten Gemeindevertretern. «Es ist sicher einfacher, Kandidaten für ein funktionierendes Gremium zu finden, als wenn der Wurm drinsteckt oder es in der Vergangenheit Probleme gab», sagt etwa Michael Widmer. «Streitereien wirken sich nach aussen negativ aus», sagt der Steiner Gemeinderat Hansjörg Güntert, der auf Ende Jahr abtritt – allerdings «geordnet», wie er es nennt.

Ruhe ein Wunschszenario

Der Gemeinderat Stein hat im vergangenen Herbst einen Generationenwechsel angekündigt. «Wir sehen es als Vorteil für die Nachfolger, wenn ein erfahrenes Umfeld da ist und sie sich in Ruhe in ihr Amt einarbeiten können», erklärt Güntert.

Ein Szenario, von dem ein anderes Dorf im Fricktal derzeit nur träumen kann: Eiken. Die Gemeinde kämpft mit ähnlichen Problemen wie Ueken. Vor zwei Jahren traten nach einem Streit vier Gemeinderäte zurück. Zwischenzeitlich war die Behörde zwar wieder komplett. Nun aber tritt der Ammann aus Zeitgründen zurück – nach lediglich 17 Monaten im Amt.

Ammann eine Hürde

«Die Bevölkerung hat die Geschichte mit dem Massenrücktritt nicht vergessen», sagt Kurt Riner, alt Gemeinderat und Mitglied der IG «Neue Gemeinderäte für unser Dorf». Diese kümmerte sich vor zwei Jahren um die Nachfolge der abtretenden Gemeinderäte. «Bei der Suche habe ich damals auch gehört, dass sich mögliche Kandidaten ein Engagement in einem unruhigen Umfeld nicht antun wollen», sagt Riner.

Hinzu kommt, dass diesmal der neue Gemeinderat auch gleich Ammann werden soll. «Das ist eine zusätzliche Hürde», sagt Riner. Und vielleicht mit ein Grund, weshalb bald auch die Eiker mit ein wenig Neid nach Magden schauen.