Fricktal

Gesucht: Mehr Frauenpower in den Gemeinden

Die meisten Gemeindeverwaltungen im Fricktal werden von Gemeindeschreibern, nicht Gemeindeschreiberinnen, geführt. (Symbolbild)

Die meisten Gemeindeverwaltungen im Fricktal werden von Gemeindeschreibern, nicht Gemeindeschreiberinnen, geführt. (Symbolbild)

Jede dritte Gemeindeverwaltung im Friktal wird von einer Frau geführt – neue Arbeitsmodelle sind gefragt.

Frauen sind in den Aargauer Verwaltungen in der Mehrheit, aber kaum in Kaderpositionen anzutreffen. Dies ergab eine Analyse der az. Viele der Frauen verfügen zwar über die notwendigen Ausbildungen und Qualifikationen, um eine Kaderposition zu übernehmen, tun es aber nicht. Ein Grund: Es gibt wenige Teilzeitstellen im Kadersegment. Das erschwert es, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Die az hat die 32 Verwaltungen im Fricktal durchleuchtet und festgestellt: In den Bezirken Laufenburg und Rheinfelden sind verhältnismässig viele Frauen in Kaderpositionen anzutreffen.

10 von 32 Gemeinden werden von Frauen geführt.

Die Gemeindeschreiber im Fricktal

10 von 32 Gemeinden werden von Frauen geführt.

10 der 32 Gemeinden werden von einer Gemeindeschreiberin geführt. Was auffällt: Alle grossen Gemeinden haben einen Gemeindeschreiber.

Die Mehrheit der Finanzverwalter ist weiblich: 18 der 32 Stellen sind in Frauenhänden.

Die Sozialämter werden mehrheitlich von Frauen geführt (26 von 32); in elf kleineren Gemeinden ist es der Gemeindeschreiber oder sein Stellvertreter, der auch die sozialen Dienste unter sich hat.

Die Steuerämter sind nach wie vor eine Männerdomäne. Die Bauverwaltungen ebenso. In fast zwei Drittel der Gemeinden ist der Gemeindeschreiber zugleich der Bauverwalter.

40 Prozent Frauen

Alles in allem sind im Fricktal rund 40 Prozent der Führungspositionen in den Verwaltungen von Frauen besetzt. Eine von ihnen ist Christine Gottermann, 43. Sie ist seit 2007 Gemeindeschreiberin von Wittnau und arbeitet in einem 90-Prozent-Pensum. Die beiden Kinder betreut hauptsächlich ihr Mann. Mehr Teilzeitstellen oder Jobsharing würden ihrer Ansicht nach zwar helfen, um die Frauenquote im Kader zu erhöhen. Sie sagt aber auch: «Eine kleine Gemeinde kann man vielleicht mit einem 50-Prozent-Pensum leiten; bei einer grösseren Gemeinde wie Wittnau geht das nicht.» Was ihr entgegenkommt, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist die hohe Flexibilität ihres Jobs. «Ich kann meine Arbeitszeit zu einem guten Teil selber einteilen.»

Ein Teilzeit- oder Jobsharing-Modell kann sich dagegen Martina Schütz, 34, seit 2002 Gemeindeschreiberin von Oberhof, gut vorstellen. «Für eine Gemeinde unserer Grösse ist das machbar», ist sie überzeugt – und zu einem Teil auch Realität: Oberhof und Wölflinswil führen die Gemeindeverwaltung zusammen. Einen weiteren Ansatz sieht sie in der elektronischen Geschäftsverwaltung, dank der auch Homeoffice möglich wäre – zumindest partiell. «Der Publikumsverkehr hat in den letzten Jahren deutlich abgenommen», sagt Brigitte Schmid Schüpbach, 54, seit 1994 Gemeindeschreiberin von Wegenstetten. Heute läuft vieles per Mail. Die Folge: «Alles sollte immer sofort erledigt sein», sagt Schmid Schüpbach.

Belastung hat stark zugenommen

Die Belastung habe in den letzten Jahren spürbar zugenommen, hat auch Dieter Vossen, 64, Gemeindeschreiber von Möhlin, beobachtet. Das sei mit ein Grund, dass längst nicht jeder, der könnte, auch eine Kaderposition haben will. Gerade viele Frauen haben in der Verwaltung eine höhere Ausbildung, als sie für die Stelle, die sie ausüben, benötigen.

Was hält sie von einer Top-Position ab? Ein Faktor – neben dem Mangel an Teilzeitstellen – ist die hohe zeitliche Belastung, die das Familienleben einschränkt; Sitzungen am Abend und Termine am Wochenende sind für Gemeindeschreiber Alltag. Ein dritter Grund: «Nicht alle wollen die Verantwortung und Belastung auf sich nehmen, die der Job des Gemeindeschreibers mit sich bringt», sagt Vossen. «Sie holen sich an der Fachhochschule das Rüstzeug, wollen aber oft Vizegemeindeschreiber bleiben.»

Jennifer Enge, 22, die seit diesem Jahr Gemeindeschreiberin in Eiken ist, weiss von ihrer Zeit an der Fachhochschule her: «Die Verantwortung schreckt in der Tat etliche ab. Zudem wollen viele lieber mehr Freizeit haben.»

Dass es schwierig ist, Kaderstellen zu besetzen, bestätigt Vossen. «Der Markt für Spezialisten ist ausgetrocknet.» Zumal das Fricktal peripher liege und für Kaderleute aus anderen Regionen oft wenig attraktiv sei.

Auf seine Stelle – Vossen geht Ende Jahr in Pension – gingen sechs valable Bewerbungen ein. Eine Frau war nicht darunter. Gewählt hat der Gemeinderat Marius Fricker, derzeit Gemeindeschreiber in Münchwilen. Generell fällt auf: Das Gemeindeschreiber-Karussell dreht sich derzeit äusserst regional: der Münchwiler Schreiber geht nach Möhlin; der Magdener nach Frick; der Wölflinswiler nach Magden. «Der regionale Bezug ist wichtig», weiss Heinz Schmid, 64, Gemeindeschreiber in Frick.

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