Gipf-Oberfrick
Geschichtenerzähler Kaspar Lüscher lädt zur Begegnung mit einer «alten Bekannten» ein

Der Schauspieler Kaspar Lüscher verstand es am Seniorennachmittag, seine Zuhörerschaft zu begeistern. Er las Geschichten der Schriftstellerin Gertrud Häusermann vor.

Annemarie Schläpfer
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Kaspar Lüscher weiss seinPublikum zu fesseln. sag

Kaspar Lüscher weiss seinPublikum zu fesseln. sag

Kaspar Lüscher hat es mit den «alten Damen»: Vor wenigen Jahren führte er auf der Bühne des Kino Monti mit Stephanie Glaser «Gespräche mit Mama» und mit Gertrud Häusermann hat er eine Tasse Tee getrunken und ihr später noch eine Rose gebracht. Beide Damen sind inzwischen hochbetagt gestorben, doch Kaspar Lüscher hat sie noch gekannt und er seinerseits war dem Publikum ebenfalls wohlbekannt. Man spürte es an seiner locker, heiteren Einleitung: Kaspar fühlte sich in dieser Runde wohl.

«Gertrud Häusermann», vor allem den Frauen im Saal dämmerte es da und dort: «Von dieser Schriftstellerin habe ich doch in jungen Jahren auch einmal ein Buch gelesen, in den 50er-Jahren, ein typisches Mädchenbuch, in welchem es um Freundschaft, um Mutter-Tochter-Verhältnis und um die Berufswahl ging.» Und man war gespannt, vielleicht auch etwas skeptisch, was der Schauspieler und Geschichtenerzähler Kaspar Lüscher wohl mit dem Stoff dieser «verstaubten» Schriftstellerin anfangen wolle. Gertrud Häusermann war Aargauerin, aufgewachsen an der Reuss, und die drei Geschichten aus ihrem autobiografischen Buch «Heimat am Fluss» waren nun allerdings alles andere als verstaubt.

Vorgelesen mit der klaren Diktion des geschulten Schauspielers – selbstverständlich ohne Mikrofon – dann und wann mit einer zustimmenden oder ablehnenden Zwischenbemerkung, wirkten sie stark und so, als würden sie sich gerade jetzt abspielen. Drei Geschichten, die zur herbstlichen Jahreszeit passten.

Der erste Schnee aus der Sicht eines weissen Kätzchens, das im Wonnemonat zur Welt gekommen war und sich im Spätherbst seinen Reim zu der «grossen weissen Katze» machte, die vom Himmel gefallen war. Oder die Geschichte von der zimperlichen Lilli im beigefarbenen Mantel mit dem Samtkragen, die sich jeden Morgen vor dem Schulgang mit einem Kuss von ihrer Mutter verabschiedete und von ihren robusteren, ländlicheren Kameradinnen verachtet wurde. Oder auch die letzte Geschichte vom «Onkel Martin», dem grossen Wohltäter, der sich erst Jahre später als eine Fantasiegestalt entpuppte, obschon er doch so wirklichkeitsnah war mit seinem dicken Bauch, seiner goldenen Uhrenkette und dem noblen weissen Haus mit den Säulen und dem Gartenhäuschen.

Drei Geschichten, sprachlich mit plastischen Bildern gespickt, die den Zuhörenden Schmunzeln und auch lautes Lachen entlockten, deren Wendungen aber jedes Mal zum Nachdenken anregten. Kaspar Lüscher leitete jede dieser drei Geschichten mit seiner Klarinette ein und liess dem Publikum dazwischen Zeit für Kaffee und für die feinen Kuchen von Sonja Müller, die so reichlich vorhanden waren, dass alle, die wollten, noch ein Stück nach Hause nehmen durften. Rosmarie Hinnen vom Seniorenrat fügte ihrem Dank an Kaspar Lüscher noch die Ankündigung des nächsten Anlasses bei: Am 25. Januar im kommenden Jahr wird ein Spiel- und Jassnachmittag stattfinden.