Daniel Huber und ein Kollege von der Kantonsarchäologie setzen zu zweit den langen Handbohrer am Holzstamm an. Eine Wasserleitung wie die Römer zu bohren, braucht ein genaues Auge. Huber bohrt kurz an, dann schlagen sie Nägel ein, mit denen sie ausloten, ob der Bohrer richtig am Stamm ansetzt und diesen auch gerade der Länge nach durchbohrt. Huber ist zufrieden. Dann dürfen die Besucher sich an dem grossen Bohrer ausprobieren. «Für zwei Meter brauchen wir 60 Minuten bis eineinhalb Stunden», meint Huber. Er erklärt, die Technik wurde seit der Römerzeit bis ins 19. Jahrhundert eingesetzt.

2018 ist das europäische Kulturerbe-Jahr, an dem sich die Kantonsarchäologie mit vier Kulturerbetagen beteiligt. Neben Mumpf finden dies Jahr auch in Boswil, Zofingen und Schneisingen Kulturerbetage statt. Dabei arbeitet die Kantonsarchäologie mit lokalen Organisationen und Einrichtungen zusammen, erklärt Organisatorin Manuela Weber.

Breites Angebot im Dorf

So auch mit der Schule, wo Schüler im Unterricht ihre Vorstellungen von der Steinzeit und Römerzeit gezeichnet haben. Am Feuerwehrmagazin wurden die Zeichnungen ausgestellt. «Das Ziel ist es, den Leuten in den Gemeinden ihr eigenes Kulturerbe wieder näherzubringen», sagt Georg Matter, Leiter der Kantonsarchäologie. Aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen hat der Bezug zum kulturellen Erbe abgenommen. Mit den Kulturerbe-Tagen möchte die Kantonsarchäologie das wieder stärken. Aufgrund seiner Erfahrung hofft Matter, zehn Prozent der Einwohnerschaft erreichen zu können.

Den Besuchern machte die Kantonsarchäologie mit ihren Partnern ein breites Angebot im ganzen Dorf. An der Fähranlegestelle boten die Pontoniere Rudern und Stacheln auf dem Rhein und einen Wettbewerb im Spanntau-Werfen an. Unter anderem wurden Wanderungen mit dem Bodenforscher Werner Brogli zu steinzeit- und frühgeschichtlichen Fundstellen angeboten und vor dem Oberstufen-Schulhaus zeigte die Kantonsarchäologie Fundstücke verschiedener Epochen vom nahen Chapf. Dreh und Angelpunkt war aber das Feuerwehrmagazin, wo verschiedene Informationsangebote, die Ausstellung mit den Schülerzeichnungen und die Festwirtschaft untergebracht waren.

«Mir gefällt es sehr gut», erklärt eine Frau aus Obermumpf, während ihr Sohn vor dem Dorfmuseum einen Ziehbock ausprobiert. Zuerst waren die beiden am Schulhaus. Die Ausstellung fand sie zwar klein, aber lehrreich. «Das ist interessant, wenn man da wohnt und das erfährt», meint sie. Da sie in Mumpf erst seit neun Jahren wohnt, kennt sie sich mit der Historie nur wenig aus, hat aber durchaus Interesse daran. Ihr Sohn hat mittlerweile einen zwischen den zwei Holzbacken eingeklemmt Pflanzpfahl angespitzt. Schwer war es nicht, meint er, und zeigt, wie er mit dem Ziehmesser Späne abzieht. Den Kulturerbe-Tag findet er auch richtig gut.