Unglück
Gerüchte rund um Explosion in Gansingen: Schule beruft Lehrerkonferenz ein

In Gansingen herrscht nach der verheerenden Explosion und den zwei Toten Trauer, Wut und Unverständnis. Das Unglück beschäftigt auch die Primarschule.

Dennis Kalt
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Totale Zerstörung: Durch die Wucht der Explosion wurden die Aussenwände des Einfamilienhauses komplett weggesprengt.

Totale Zerstörung: Durch die Wucht der Explosion wurden die Aussenwände des Einfamilienhauses komplett weggesprengt.

Dennis Kalt

Eine gewaltige Explosion, eine Feuersbrunst, zwei Leichen – am Tag 3 nach dem furchtbaren Ereignis, das am Sonntagmorgen ein ganzes Dorf in Fassungslosigkeit versetzt hat, bringen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft die ersten Erkenntnisse: Diese geht davon aus, dass der 59-jährige Hausbesitzer A. zunächst mit einem Revolver seine 50-jährige Partnerin durch einen Kopfschuss getötet und danach sich selbst erschossen hat. Das Paar war bereits tot, als das Feuer im Haus wütete.

Josef Boutellier, langjähriger und ehemaliger Feuerwehrkommandant von Gansingen, fällt aus allen Wolken, als er von den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft erfährt: «Das ist doch einfach nur Wahnsinn, dass er seine Partnerin vermutlich umgebracht hat. Unvorstellbar», sagt er.

Boutellier traf A. noch bis vor einem halben Jahr ab und an beim Einkaufen oder beim Bäcker. Seitdem habe sich A. aber immer mehr aus dem Dorfleben zurückgezogen: «Dass es so weit kommt, konnte doch niemand wissen. Das macht die Tragödie noch schlimmer, als sie ohnehin schon ist», sagt Boutellier.

Lehrerkonferenz wird einberufen

Auch Urs Ammann, Leiter der Primarschule Gansingen, beschäftigt diese Tragödie. Er sagt jedoch: «Es besteht kein psychologischer Handlungsbedarf bei den Schülern.» Den Hauptgrund, weshalb sich die individuelle Betroffenheit der Schüler in Grenzen hält, sieht er darin, dass keiner der Schüler in einem näheren Verhältnis zu den Opfern stand. Dennoch ist das Ereignis ein Thema an der Schule. «Einige Väter der Schüler mussten am Sonntagmorgen in den Einsatz», sagt Ammann, der nachschiebt: «Was uns wirklich beschäftigt, sind die vielen aufkommenden Gerüchte.»

Deswegen wurde in der Primarschule auf Donnerstag eine Lehrerkonferenz angesetzt: «Wir wollen festlegen, wie wir als Kollegium mit den Gerüchten, die demnächst aufkommen werden, umgehen», erklärt Ammann.

Das Feuer brach am frühen Sonntagmorgen, 17. März 2017, in einem Einfamilienhaus in der Fricktaler Gemeinde Gansingen aus. Inzwischen ist die Hausruine verschwunden.
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Die Flammen hatten das Haus weitgehend zerstört.
Nachdem die Feuerwehr den Brand gelöscht hatte, bargen Rettungskräfte zwei Leichen aus dem Innern der Brandruine.
So wüteten die Flammen am Sonntagmorgen.
Die Flammen griffen auch auf ein Haus in der Nachbarschaft über.
Die Flammen hatten das Haus weitgehend zerstört.

Das Feuer brach am frühen Sonntagmorgen, 17. März 2017, in einem Einfamilienhaus in der Fricktaler Gemeinde Gansingen aus. Inzwischen ist die Hausruine verschwunden.

Peter Rippstein

Kerzen vor der Brandruine

Im Quartier, in dem sich die Brandruine befindet, ist die emotionale Betroffenheit gross. Dabei überwiegt die Trauer. Vor dem Zaun, hinter dem sich das niedergebrannte Haus befindet, haben Nachbarn als Zeichen der Anteilnahme Kerzen aufgestellt und Blumen niedergelegt.
Dennoch ist Trauer nicht die einzige Emotion, welche die Quartierbewohner im Hinblick auf die schreckliche Tat zeigen. So reagiert ein älterer Herr auf die Erkenntnisse der Oberstaatsanwaltschaft mit Kopfschütteln, schlägt seine Hände vors Gesicht und redet sich dann in Rage: «Die Tat von A. ist purer Egoismus. Er hat seinen Kindern unendliches Leid angetan. Sie werden es schwer haben, das jemals zu verarbeiten.» Und weiter: «Wenn er sich umbringen muss, dann bitte auf eine andere Weise. Durch den Brand und die Explosion hätten noch andere Menschenleben in Mitleidenschaft gezogen werden können.»

Einer Frau, die nur ein paar Häuser von der Brandruine entfernt wohnt, steht die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben: «Solche furchtbaren Ereignisse kenne ich sonst nur aus dem Fernsehen. Es wirkt so unwirklich. Dass das direkt in der Nachbarschaft passiert ist, kann ich einfach nicht fassen», sagt sie.

Zum letzten Mal hatte sie A. vor wenigen Wochen gesehen und beim Vorbeigehen gegrüsst: «Er hat einen sympathischen Eindruck gemacht. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass er so etwas Schreckliches machen kann», sagt sie.

Ein Herr mittleren Alters führte mit A. bis vor einigen Wochen noch kürzere Gespräche: «Er war zu mir immer freundlich.» Während der letzten Unterhaltungen habe er jedoch gemerkt, dass A. immer mehr zu ihm auf Distanz gegangen sei. «Ich habe mir jedoch nichts dabei gedacht», sagt er und schiebt nach: «Diese Tat macht mich traurig. Dafür gibt es einfach keine Worte und auch keine Erklärung.»

«Das Leben muss weitergehen»

Ein weiterer Mann aus dem Dorf sagt nüchtern: «Man kann den Leuten nicht in den Kopf schauen. Wenn sich jemand eine solche Tat in den Kopf gesetzt hat, dann kann man ihn nicht aufhalten.» Weiter hofft der Mann, dass dieses schreckliche Ereignis bald in Vergessenheit gerät: «Natürlich ist dies eine furchtbare Tat. Aber das Leben im Dorf muss weiter gehen.»