Frick
Genug Schnee im Skilager, aber zu wenig Sportler

Das Schneesportlager der Unter- und Oberstufe verliert seit Jahren Teilnehmer. Auffallend wenige Schüler aus der Realstufe melden sich an. Liegt es vielleicht an der Werbung?

Christof Brogle
Drucken
Teilen
Für die verbliebenen Teilnehmer ist das Schneesportlager noch immer ein Vergnügen. Bruno Bosshard

Für die verbliebenen Teilnehmer ist das Schneesportlager noch immer ein Vergnügen. Bruno Bosshard

Lagerromanze und Lawinentanz. Schneesturm und Skirennen. Discoabend und Dosenerbsen. Das Skilager bleibt vielen als Farbtupfer inmitten von grauen Wintertagen in Erinnerung. Hinter dem Schneesportplausch für die Jugendlichen steckt viel Engagement von freiwilligen Helfern, die Zeit opfern, um für die jungen Erwachsenen ein tolles Lager zu gestalten. Für die Teenager hat das Lagererlebnis zurzeit allerdings stark an Bedeutung verloren – die Teilnehmerzahlen schrumpfen seit Jahren.

«Ich freue mich auf das Fahren und auf das Zusammensein mit den Kollegen», sagt die Schülerin Marillia auf dem Pausenplatz der Oberstufe Frick. «Wir werden sicher viel Spass haben!», fügt sie an und lacht. Nicht alle Schüler können sich so für das Schneesportlager begeistern. Die beiden 4.-Bezler Alina und Florian möchten nicht ins Lager gehen, da sie bereits mit ihren Eltern in die Skiferien fahren. «Ich war schon einmal im Lager, aber es hat mir nicht so gefallen. Man ist nicht so frei, es ist alles vorgegeben,» meint die Schülerin.

Deutlicher Teilnehmerschwund

In Frick haben die Lager der Ober- und Unterstufe innerhalb der letzten 10 Jahre beinahe die Hälfte der Teilnehmer verloren. Waren es im Jahr 2002 noch rund 200 Kinder und Jugendliche nehmen am diesjährigen Ober- und Unterstufenlager Lager gerade noch 110 Schneesportler teil. Dieser Trend zeigt sich in der ganzen Schweiz, wie der Blick und die Tagesschau letztes Jahr berichtete. J + S (Jugend + Sport) führte gemäss dem Bundesamt für Sport (Baspo) im Jahr 2001 noch 3064 Schneesportlager durch, während es im Jahr 2010 gerade noch 2012 Lager waren. Bruno Bosshard, einer der beiden Leiter des Oberstufenlagers Frick, kann sich den Rückgang nicht hinreichend erklären: «Wir können nur erahnen, womit der Teilnehmerschwund zu tun hat.» Möglicherweise habe das breitere Angebot an Konkurrenzsportarten Einfluss auf die Anmeldezahlen, so Bosshard.

«Auffällig ist auch die Verteilung der verschiedenen Oberstufenabteilungen bei den Anmeldungen», sagt der Lagerleiter. Die Mehrheit der Teilnehmer käme aus der Bezirksschule, während sich aus der Realstufe kaum jemand angemeldet habe. «In der Realschule sind mehr Jugendliche mit Migrationshintergrund. Vielleicht ist die Schneesport-Tradition in solchen Familien nicht gleich stark kulturell verankert.» Lagerleiter Bruno Bosshard weist auf einen weiteren möglichen Grund für den Teilnehmerschwund beim Oberstufenlager Frick hin: «Es haben sich dieses Jahr 53 Jungs angemeldet, aber nur 18 Mädchen. Einige Mädchen tun sich wohl auch mit der Unterkunft in Arosa schwer», vermutet Bosshard. Aus Kostengründen hat die Lagerkommission für das Oberstufenlager eine fensterlose Zivilschutzanlage gemietet.

Ein Grund für schwindende Anmeldungen könnte aber auch an einer ganz anderen Stelle liegen: Das Schneesportlager von Frick wirbt nicht besonders stark um seine Teilnehmer und es ist nicht virtuell im Netz vertreten. Bruno Bosshard dazu: «Nur die Lehrer verteilen unsere Anmeldetalons an die Schüler; ansonsten machen wir keine Werbung.»

Soziale Netzwerke nutzen

Viele Jugendliche nutzen soziale Netzwerke wie Facebook und informieren sich auch so über Freizeitangebote. Es mag erstaunen, dass die Schneesportlager von Frick nicht durch das Internet um Teilnehmer werben. Lagerleiter Bosshard ist sich dessen bewusst und sagt: «Wir wollen nächstens stärker über Facebook werben und können so möglicherweise einen besseren Draht zu den Jugendlichen finden.»

Die Zeichen für zukünftige Teilnehmerzahlen stehen denn auch nicht allzu schlecht: «Das Lager der Primarschule ist sehr gut ausgebucht. Die nächste Generation von Oberstufenschülern ist also womöglich wieder mehr für Schneesport zu begeistern», so Bosshard.

Für jene, die sich entgegen dem Trend für das Oberstufenlager angemeldet haben, wartet nebst dem Schneesport ein tolles Rahmenprogramm. Am ersten Abend dürfen die Jugendlichen in einem Postenlauf Arosa erkunden und weiter sind ein Schlittel-Abend, ein Spielabend wie im Casino sowie eine gemütliche Film-Runde geplant. Am Donnerstagabend werden die Jugendlichen in einer Hütte im Skigebiet Fondue essen und danach mit Fackeln ins Tal fahren. Am Freitag folgt schliesslich der traditionelle «Bunte Abend» mit Preisvergabe zum Skirennen. Bei diesem Programm steht spätestens am Donnerstagabend einer Lagerromanze unter dem Bündner Sternenhimmel nichts mehr im Wege.