Fricktal
Genug gelitten – die Fricktaler Tiere atmen dank der Wärme endlich auf

Endlich wird es wärmer. Nicht nur den Menschen setzte der lange Winter zu, auch Tiere litten unter der Kälte. So stark, dass selbst die Brut verzögert ist. Fricktaler Storchenstation-Leiter, Biologe oder Bienenzüchter über das Wetter.

Sandra Bös
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Nicht alle Wasservögel haben ein solches Glück: Viele Nester wurden vom Hochwasser überschwemmt. az

Nicht alle Wasservögel haben ein solches Glück: Viele Nester wurden vom Hochwasser überschwemmt. az

Der scheinbar ewige Winter schlug den Leuten bisher aufs Gemüt. Doch nun herrscht Grund zur Freude: Die Temperaturen steigen deutlich und die Sonne zeigt sich grosszügig.

Auch die Tiere können aufatmen: Für sie bedeuteten die kalten Temperaturen Stress: Sie fanden keine Nahrung, froren, pflanzten sich nicht fort und wurden krank.

Frieren im Horst

«Nur etwa 15 junge Störche haben dieses Jahr auf unserer Station überlebt – vor 2 Jahren waren es noch 35. Insgesamt legen sie rund 70 Eier pro Jahr», so Leiter der Storchenstation Möhlin Marcel Läderach.

Die schlechten Wetterbedingungen würden dazu führen, dass die ausgeschlüpften jungen Störche im Horst in einem Sumpf liegen, und frieren. «In diesem Fall reicht auch die Körperwärme der Storcheneltern nicht mehr. Viele der Jungen erkälten sich dann und sterben».

Nicht nur Störche sind Vögel, die unter der Kälte leiden mussten, sondern auch andere Vogelarten. «Vor allem für Insektenjäger, wie Segler und Schwalben, stellte der sehr kalte Frühling ein grosses Problem dar, da sie ausschliesslich in der Luft jagen.

Bei Kälte und Nässe fliegen aber nun mal keine Insekten, die sie erbeuten könnten. Für viele von ihnen führte diese Situation zum Hungertod», erklärt Biologe Matthias Kestenholz.

Verzögerte Brut

Ausserdem hätte der hohe Niederschlag viele Nester von Wasservögeln überschwemmt. «Das bedeutet einen geringeren Bruterfolg. Da die Temperaturen nun aber steigen, können die Vögel einen zweiten Brutversuch starten. Eigentlich hat der kalte Frühling bei ihnen nur die Auswirkung, dass die Brut verzögert wird.»

Die bisherigen kalten Temperaturen sind nicht nur in der Luft spürbar, sondern auch im Wasser: Stark mitgenommen hat die Kälte deswegen auch die Fische.

Alfred Künzli, Zunftmeister der Fischerzunft der Stadt Laufenburg, macht sich grosse Sorgen: «Normalerweise sollte zurzeit die Fischwanderung stattfinden. Das passiert aber erst bei einer Wassertemperatur von etwa 14 bis 15 Grad. Es ist eine Katastrophe, denn die Temperatur des Rheins liegt im Moment bei gerade mal 10 Grad.»

Das Wandern ist für die Fische von grosser Bedeutung; Es ermöglicht ihnen, verschiedene Lebensräume zu nutzen und die optimalen Bedingungen für ihre Bedürfnisse vorzufinden.

Denn für ihre Fortpflanzung sind Faktoren wie Strömung, Temperatur und der Sauerstoffgehalt von Wichtigkeit.

«Nicht nur, dass dadurch das Ablaichen verzögert wird, zusätzlich finden die Fische bei dieser niedrigen Wassertemperatur keine Nahrung. Letzten Freitag hatten wir eigentlich vor, Hechte in den Rhein setzten, haben es aber, genau aus diesem Grund, bewusst nicht getan.

Stress führt zu Krankheit

Der kalte und verregnete Frühling ist auch bei den Bienen wenig beliebt. Der erfahrene Bienenzuchtberater Werner Habermacher aus Wölflinswil weiss:

«Solange es keine Waldtracht gibt, sind die Bienen nicht mit ausreichend Futter versorgt. Ihnen fehlt der Nektar und die Imker können somit auch keinen Honig ernten. Wenn sich das Wetter so präsentiert, kann das die Bienen so sehr stressen, dass es sogar möglich ist, dass Krankheiten ausbrechen.»

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