«Wenn kein geeigneter Wohnraum vorhanden ist, laufen den kleinen Landgemeinden die jungen Leute davon», ist der Hornusser Gemeindeammann George Winet überzeugt. «Wir wollen dafür sorgen, dass wir die Jungen im Dorf behalten können.» Wir – das sind neben Winet sieben weitere Personen aus verschiedenen Gemeinden von Mettauertal bis Herznach. Gemeinsam sind sie daran, die gemeinnützige Fricktaler Baugenossenschaft zu gründen. Die Initiative steht unter dem Motto «Wohnen für Jeden». «Die Wohnungen werden auch altersgerecht gebaut», betont Winet, das ermögliche älteren Menschen, ihr Einfamilienhaus zu verlassen und dennoch im Dorf zu bleiben. «Gleichzeitig können wir als Genossenschaft dann das leerwerdende Haus an junge Leute vermitteln», beschreibt Winet einen weiteren Vorteil.

Verhandlungen bereits im Gang

Noch wartet die Fricktaler Baugenossenschaft auf das Okay des Handelsregisteramts. Gleichwohl sind gemäss Winet schon in mehreren Gemeinden Verhandlungen im Gang. Ziel sei es, möglichst schnell geeigneten Wohnraum zur Verfügung zu stellen. «Das kann in bestehenden Liegenschaften oder in Neubauten sein», so Winet.

Der Initiant und Präsident der Fricktaler Baugenossenschaft verweist auf eine grosse Nachfrage bei Genossenschaftsprojekten in der Region. «In Herznach kamen jüngst an einen Informationsanlass für die Gründung einer Wohnbaugenossenschaft gegen 100 Personen», betont er. Immobilientreuhänder Donald Rebmann von Re/max Frick bestätigt, dass «eine gewisse Nachfrage» an Genossenschaftsbauten vorhanden ist. «Gerade für Menschen, die stark mit einer Ortschaft verwurzelt sind, ist das eine beliebte Option.»

In anderen Gemeinden wie etwa Wittnau sind derzeit bereits Genossenschafts-Liegenschaften im Bau. Braucht es denn überhaupt eine gemeindeübergreifende Baugenossenschaft? «Man könnte auch fragen, machen kleine Einheiten Sinn», entgegnet Winet. Eine gewisse Grösse sei aus seiner Sicht von Vorteil, gerade auch um eine professionelle Verwaltung zu gewährleisten.

Vertrauen in «Fremde»?

Etwas skeptischer ist in diesem Punkt Gertrud Häseli, Vizepräsidentin der Wohnbaugenossenschaft Wittnau. Sie begrüsse jede Initiative für eine Wohnbaugenossenschaft, so die grüne Grossrätin. Auf dem Land habe man vielerorts die Chancen einer solchen Genossenschaft lange Zeit nicht erkannt. Ein Fragezeichen setzt sie aber dahinter, ob das Modell auch funktioniert, wenn Auswärtige in einem Dorf die Idee vertreten. «Aus Erfahrung weiss ich, dass Vertrauen in den Vorstand das Wichtigste ist», sagt sie.

Martin Steinacher, Verwaltungsratspräsident der Wohnbauförderung Gansingen AG, hält eine fricktalweite Wohnbaugenossenschaft ebenfalls für schwieriger zu realisieren als im eigenen Ort. «Oft wollen sich die Leute dort einsetzen, wo sie verwurzelt sind», sagt er. Dennoch sieht er auch Vorteile in der regionalen Organisation. «Die Idee einer Genossenschaft ist an vielen Orten vorhanden, manchmal fehlen aber die Leute, die vorangehen.» Hier könnte die Fricktaler Baugenossenschaft allenfalls in die Bresche springen.

Donald Rebmann bringt noch einen anderen Aspekt ins Spiel. «Wichtig ist, dass nicht mehr Wohnungen gebaut werden, als der Markt braucht.» Zudem müsse man aufpassen, dass eine Genossenschaft «finanziell überschaubar» sei.