So etwas hat es in Möhlin schon lange nicht mehr gegeben. 20.56 Uhr zeigte die Uhr an der Turnhallenwand, als Ammann Fredy Böni die Gemeindeversammlung für beendet erklären konnte – nach knapp eineinhalb Stunden. Er tat es mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen. «Das ist auch mal schön», sagte er wenig später. Schön also, dass die ganz grossen Diskussionen für einmal ausblieben.

Schon ein Blick auf die Traktandenliste hatte die Vermutung geweckt, dass es diesmal deutlich weniger emotional zu- und hergehen würde, als in jüngster Vergangenheit – Stichworte: Leigrube, Sportplatz Rüttenen, Zentrumsplanung und Tiefgarage. Ein Blick in die Turnhalle bestätigte dann den Eindruck: 194 von 6679 Stimmberechtigten waren da. Deutlich weniger als die letzten Male.

Geld für den Industriezubringer

Auf der Traktandenliste fand sich denn auch lediglich ein grösserer Kredit. 750 000 Franken beantragte der Gemeinderat für die Sanierung der Bäumlimattstrasse. Der Industriezubringer, daraus machte Gemeinderat Thomas Freiermuth keinen Hehl, ist in einem schlechten Zustand. «Der Strassenbelag ist bis runter auf die Kofferung stark beschädigt», sagte er. Auch eine Untersuchung von 2005 sprach er an: Ein Fachunternehmen hatte damals den Zustand der Strasse analysiert. «Das Unternehmen gab die Empfehlung ab, die Strasse langfristig zu sanieren – das ist jetzt so weit», so Freiermuth.

Die FDP mit Ortsparteipräsident Markus Böhringer meldete diesbezüglich allerdings Bedenken an. «Es ist nicht die Frage, ob die Strasse saniert wird oder nicht, sondern wann sie saniert wird», sagte er. «Wir sind der Meinung, dass die Sanierung noch zwei oder drei Jahre zurückgestellt werden kann. Vielleicht könnte die Gemeinde so den Steuerfuss senken.»

Sowohl von der Rückstellung als auch von einer Senkung des Steuerfusses wollte der Gemeinderat allerdings nichts wissen. Jeder Winter sei ein Risiko für die Bäumlimattstrasse, betonte Freiermuth. «Im Winter dringt Wasser in die Risse ein, gefriert und sprengt den Belag. Es besteht so die Gefahr, dass auch die Fundationsschicht Schaden nimmt. Das wiederum würde zu massiven Mehrkosten führen.»

Die Versammlung nahm den Kredit schliesslich mit einer deutlichen Mehrheit an. Die Arbeiten an der Strasse sollen schon im nächsten Frühling beginnen und bis in einem Jahr abgeschlossen sein.

Finanzen wieder im Lot

Der Steuerfuss wurde dann wenig später noch einmal zum Thema, als Gemeinderat Lukas Fässler das Budget 2019 und in Teilen das neue Finanzleitbild vorstellte. Die Gemeinde plant demnach auch in den kommenden Jahren mit einem Steuerfuss von 115 Prozent. Die Finanzlage verbessert sich aber langsam. Allein im kommenden Jahr möchte Möhlin rund drei Millionen Schulden abbauen. «Die Nettoschulden der Gemeinde werden somit Ende Jahr noch rund fünf Millionen Franken betragen», so Fässler. Zum Vergleich: Nach Abschluss der Jahresrechnung 2017 waren es noch 29,1 Millionen Franken. Hinter dem Abbau steht allerdings in erster Linie eine buchhalterische Massnahme: Die Liegenschaften und Grundstücke wurden neu und – dank Leigrube und Sportplatz Rüttenen als Baugebiet – deutlich höher bewertet. Die Aussichten sind also rosiger als zuletzt. Das sei angesichts des anstehenden Schulhaus-Neubaus (siehe Kontext) aber auch wichtig, sagte Böni, bevor er die Anwesenden in den Apéro entliess. Für einmal war es eine Gemeindeversammlung im Schnelldurchlauf.