Frick
Gemeindeschreiber: «Frick ist eine starke Gemeinde und wird das auch bleiben»

Heinz Schmid ist seit 29 Jahren Gemeindeschreiber in seiner Heimatgemeinde: «Ich habe hier tiefe Wurzeln.» Amtsmüde ist er noch lange nicht. Nebenbei geht er seiner Leidenschaft für Geschichte und Ahnenforschung nach.

Andreas Fahrländer
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«Fleckenschreiber» Heinz Schmid, mit Albert Ankers «Gemeindeschreiber» von 1874.

«Fleckenschreiber» Heinz Schmid, mit Albert Ankers «Gemeindeschreiber» von 1874.

Andreas Fahrländer

An der Wand in seinem grosszügigen Büro hängt Albert Ankers Bild «Der Gemeindeschreiber». Die Schreibfeder im Mund, mit Zipfelmütze und Überrock sitzt der Kanzlist in die Akten vertieft am Schreibtisch. Das Bild verweist auf längst vergangene Zeiten. Sein Nachfolger im Geiste ist wesentlich moderner aufgestellt. Heinz Schmid hat für uns seinen Schreibtisch von den Aktenbergen befreit, die sich jetzt auf der Fensterbank und dem Sitzungstisch türmen.

Sein wichtigstes Arbeitsgerät ist heute der Computer. «Als ich in den 60er-Jahren als Lehrling bei der Gemeindeverwaltung in Frick angefangen habe, ging alles gemächlicher», erzählt er. «Unsere Arbeit ist durch die Technik leichter, aber auch sehr viel hektischer geworden.»

Einsatz bis zur Pensionierung

Seit 29 Jahren ist Schmid Gemeindeschreiber in seiner Heimatgemeinde. Ende 2016 geht er mit 65 in Pension. Bis dahin will er alles geben. «Mit Vollgas bis zur Ziellinie», sagt er. «Für mich kam es nie infrage, früher aufzuhören. Ich will meinen Job bis zum Schluss so gut wie möglich machen.» Das habe er nicht zuletzt im Militär und beim Sport in jungen Jahren so gelernt.

Nebenamtlich hat sich Schmid schon früh der Fricker Lokalgeschichte verpflichtet. In den Papiertürmen in seinem Büro findet sich viel Material für seine historischen Recherchen. Als Leiter des Arbeitskreises Dorfgeschichte ist er seit 1982 für die Herausgabe der Buchreihe «Frick – Gestern und Heute» verantwortlich.

Angefangen hat die Leidenschaft für Geschichte, als Heinz Schmid als junger Spund seiner eigenen Herkunft im Gemeindearchiv nachging. Sein Vorfahre Josef Schmid war als Homburger Vogt von 1761 bis 1786 Vorsteher der Dörfer Frick, Gipf und Oberfrick. «Als ich von meinem Ahnen geschriebene Dokumente in den Händen hielt, hat mich das Feuer gepackt. Ich wollte mehr über ihn wissen.»

Das Feuer hat ihn nicht mehr losgelassen. Durch die Recherchearbeit im Gemeindearchiv wusste er bald am besten Bescheid, was wo liegt. So kam es dazu, dass er bald das Archiv erfassen und bereinigen konnte. «Den Schlüssel zum Gemeindehaus habe ich als Lehrling übernommen. Durch meine Archivarbeit bin ich seit nunmehr 47 Jahren im Besitz des Schlüssels.» Nach 10 Jahren als Kanzleisekretär im Justizdepartement des Kantons Solothurn kehrte er 1985 in seinen Heimatort zurück und wurde Gemeindeschreiber.

Wunderbare Kindheit in Frick

«Der Ortswechsel nach Solothurn war sehr befruchtend. Aber ich bin gerne zurückgekommen, ich habe hier tiefe Wurzeln. Ich hatte eine wunderbare Kindheit in Frick, hatte gute Freunde, war im Turnverein und in der Jungwacht und war als Schüler oft in der kleinen Bibliothek im Pfarrhaus. Das Lesen hat meine Fantasie angeregt», sagt Schmid mit spitzbübischen Augen.

«Obwohl ich als Gemeindeschreiber einen Fulltime-Job habe, nehme ich mir gerne Zeit für die Dorfgeschichte und andere ehrenamtliche Aufgaben. Das bedingt aber, dass ich zwei, drei Mal pro Woche bis spät in den Abend hinein in der Kanzlei bin.»

Die Arbeit als Gemeindeschreiber macht ihm sichtlich viel Freude. «Was mir Spass macht, ist die enorme Vielfalt meiner Arbeit. Ich bin Generalist und mag die grosse Abwechslung. Ich wollte nie als Beamter wahrgenommen werden, sondern eher als Dienstleistungsunternehmer. Und nicht zuletzt als «Verkäufer» für die Gemeinde.» Dass Heinz Schmid diese Funktion erfolgreich ausführt, zeigt das starke Wachstum des Marktortes.

Trotz der zunehmenden Bevölkerung hat Frick nach wie vor ein harmonisches Ortsbild. «Wir sind eine grüne Gemeinde geblieben. Man ist von überall her in kürzester Zeit in der Natur. Seit Generationen betreiben wir eine erfolgreiche Landerwerbspolitik in Frick», erzählt Schmid. Durch diese vorausschauende Planung ist es der Gemeinde gelungen, das Wachstum in geregelten und vernünftigen Bahnen zu lenken. «Ebenso erfreulich ist unser reges Kulturleben, gefördert durch viel private Initiative und die Kulturkommission. Frick ist eine starke Gemeinde und wird das auch bleiben.»

Sie nennen ihn «Fleckenschreiber»

Man sieht ihm einen gewissen Stolz über diese Tatsache an. Manche Kollegen nennen ihn «Fleckenschreiber». Nicht etwa, weil er beim Schreiben sudeln würde, sondern weil Frick, zusammen mit Zurzach, im Kanton Aargau als Marktflecken eine Sonderstellung zwischen Städten und Dörfern einnimmt. Die Markttage sind in den Augen des Gemeindeschreibers wichtig und identitätsstiftend: «Als der Verkehr zunahm, wollte der Kanton 1926 die Märkte auf der Hauptstrasse verbieten.

Man könne die Hauptverbindung zwischen Zürich und Basel nicht mehr sperren. Doch die Fricker wehrten sich und die Markttradition blüht bis heute. Auch die Strassen- und Dorffeste finden auf der Hauptstrasse statt und sind immer ein grosser Erfolg.»

«Für die Hauptstrasse gibt es übrigens Überlegungen, Tempo 30 einzuführen, um die Attraktivität für die Anwohner und Geschäfte zu steigern. Beim Kanton stösst dieser Gedanke bisher auf wenig Gegenliebe», erklärt Schmid. «Der Durchgangsverkehr würde dann vermehrt die Autobahn als Ortsumfahrung nutzen und das Zentrum entlasten.»

Angesprochen auf das Thema Gemeindefusion schmunzelt er: «Ich persönlich fände eine Wiedervereinigung von Gipf-Oberfrick und Frick prüfenswert.» Die Dörfer wurden 1804 eher zufällig getrennt, davor bildeten sie die Homburger Vogtei Frick. «Zusammen wären wir stärker und effizienter.

Aber es ist auch gut so, wie es jetzt ist.» Positive Erfahrungen mit der Zusammenlegung von drei Dörfern hat Fricks deutsche Partnergemeinde Frickingen im Bodenseekreis gemacht. «Vor 40 Jahren gab es dort viel Widerstand dagegen. Heute spricht man von einer Erfolgsgeschichte», sagt Heinz Schmid.

Viel Knochenarbeit

Die Recherchen zu seiner Familiengeschichte sind notabene in den Anfängen stecken geblieben. Das ist ein Projekt, das er dereinst nach seiner Pensionierung angehen will. «Auf mehr Zeit in unserem Garten freue ich mich auch.» Schmid stellt fest, dass seine bisherige Amtszeit geprägt war von einer zunehmenden regionalen Zusammenarbeit. Grosse Projekte waren etwa die Zusammenlegung der Abwasseranlagen von 18 Gemeinden oder der Aufbau der Regionalpolizei Oberes Fricktal. «Da steckt viel Knochenarbeit und geduldiges Verhandeln dahinter, aber es hat sich für alle gelohnt.»

Ein aktuelles Projekt ist der Bau des neuen Verwaltungsgebäudes in Frick, direkt neben dem bisherigen Gemeindehaus. Dort will Schmid noch als Kanzler einziehen und auch weiterhin für die Dorfgeschichte und für gemeinnützige Stiftungen tätig bleiben.

«Wer wie ich ein gutes Leben führen darf, soll sich für diejenigen einsetzen, die weniger Glück haben», sagt Schmid. «Das kann ich in der weltweit tätigen Geschwister Keller Stiftung für Waisenkinder. Und als Präsident der Stiftung Pro Fricktal will ich meinen kleinen Beitrag dafür leisten, dass uns das Fricktal als lebenswerte Heimat erhalten bleibt.»