Kaisten

Gemeindeförster: «Der Wald wird mich so bald nicht los»

Der Förster und sein Lieblingsbaum: Eine 150-jährige Lärche.ras

Der Förster und sein Lieblingsbaum: Eine 150-jährige Lärche.ras

Der Wald im Eichenwaldgebiet Ba-Ischlag ist dicht und keiner kennt ihn so gut wie Ernst Furler. Seit vierzig Jahren ist er Gemeindeförster. Im Januar geht er in Pension – vorher aber steigt die Party.

Die stattliche Lärche überragt alle anderen Bäume im Eichenwaldgebiet Ba-Ischlag. 45 Meter ist sie hoch. Gemeindeförster Ernst Furler schaut ehrfürchtig am Stamm empor. Der Wipfel verschwindet im Hochnebel.

Die Lärche sei innerhalb des von ihm betreuten Waldgebiets sein Lieblingsbaum, erklärt Ernst Furler. Als er der Naturschönheit erstmals begegnete, war sie erst 110 Jahre alt, er 24. Nächsten Januar, also vierzig Jahrringe später, geht er in Pension. Die Lärche steht noch immer.

Andere Förster schütteln deswegen den Kopf. So kerzengerade wie sie ist, würde sie auf dem Markt bestimmt 5000 Franken Ertrag einbringen. «Die Förster fragen mich auf Exkursionen immer wieder, warum ich die Lärche nicht abhaue, doch für mich ist klar: Einzelne Prachtexemplare müssen für zukünftige Generationen stehen gelassen werden.» So verkörpert die Lärche seine ganze Berufsphilosophie: «Wir Förster dürfen unser Handeln nicht nur am finanziellen Ertrag ausrichten.»

Schon der Grossvater war Förster

Die Generationen: Was Ernst Furler weitergeben will, wurde auch ihm vererbt. Sein Grossvater war Förster, sein Vater ebenso. Im basel-landschaftlichen Bubendorf aufgewachsen wurde Klein Ernst an der Hand seines Vaters regelmässig zum nahen Eichenwald beim Schloss Wildenstein geführt. Die 700-jährigen knorrigen Bäume machten dem Dreikäsehoch mächtig Eindruck. Kein Wunder, dass er als Gemeindeförster von Kaisten in Ba-Ischlag schon 1975 begonnen hat, Eichen zu pflanzen. 22 Hektaren sind es heute – sein ganzer Stolz. Oder in seinen Worten: «Eichen sind Lebensraum für zahlreiche Tiere wie den Waldkauz, den Specht, für Schmetterlinge und Insekten.» Ende Januar hängt der Förster seine Waldhandschuhe an den Nagel. Vorher aber gibt es noch ein dreiwöchiges Abschiedsfest beim Forsthaus Esplen mit einer eigens eingerichteten Köhlerei.

Trotz des Abschieds: Der Lärche wird Ernst Furler weiterhin begegnen. Entweder auf seinen Waldspaziergängen mit seinem Hund oder als Jäger und Jagdleiter auf der Pirsch nach Wildschweinen und Rehböcken. «Der Wald wird mich so bald nicht los», sagt der 64-Jährige, streicht sich durch den Bart und erzählt von jenem Luchs, den er vor zwei Jahren bei Ittenthal «beobachten durfte.» Seine Demut vor der Natur drückt sich auch in seiner Wortwahl aus.

Der Lockruf kanadischer Wälder

Beim Durchstreifen des Waldes kommen weitere Erinnerungen hoch. Von «Lothar» 1999 beispielsweise, der den Kaistener Wald glücklicherweise weitgehend verschont hat oder vom Borkenkäfer, der ihm in manchen Trockenperioden einige schlaflose Nächte bereitete. Plötzlich bleibt der zweifache Familienvater stehen. Aus einem Gebüsch zieht er eine weggeworfene Bierdose und sagt: «Das macht mich immer noch wütend. Gleich wie vor 40 Jahren.»

Bald wird sich Ernst Furler nicht mehr so aufregen müssen. Seiner Pensionierung schaut er mit Vorfreude entgegen. Er wird mehr Zeit haben für seine Weinreben und seine Spargelzucht. Auf dem Programm steht aber auch eine Reise nach Kanada, gemeinsam mit seiner Frau. In British Columbia, wo die Naturschutzgebiete so gross sind wie der Kanton Aargau, wo sich Bären, Schakale und Wölfe Gute Nacht sagen, und wo es noch viel mehr solch alter Lärchen gibt, war er schon drei Mal. Doch genug hat er noch nicht.

Ob seine Frau denn die Naturverbundenheit mit ihm teile? «Schon», sagt Ernst Furler, «sie begleitet mich manchmal zur Tierbeobachtung auf den Hochsitz. «Im Gegensatz zu mir nimmt sie aber jeweils ein Buch mit.»

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