Geschlafen habe er nicht sehr viel, sagt Pfarrer Johannes Siebenmann am Morgen danach. Die Kritik, die in den Wochen nach der Ankündigung seiner Kandidatur für die Wiederwahl als Pfarrer auf ihn einprasselte, entlud sich am zweistündigen Diskussionsabend im reformierten Kirchengemeindehaus geballt.

Rund 100 Mitglieder der Kirchgemeinde waren anwesend und verliehen ihrem Frust Ausdruck. «Unsere Kirchgemeinde ist zu einem Scherbenhaufen geworden. Schuld ist Johannes Siebenmann. Wir füttern ihn jahrelang durch. In der Privatwirtschaft hätte er schon längst seinen Schreibtisch räumen müssen. Das ist tragisch», enervierte sich ein Diskussionsteilnehmer, der im Falle einer Wiederwahl von Siebenmann seinen Austritt aus der Kirchgemeinde ankündigte. Der Tenor an diesem Abend war deutlich: Es braucht einen Neuanfang – ohne Johannes Siebenmann.

Pfarrer Johan Siebenmann will die Wiederwahl

Pfarrer Johan Siebenmann will die Wiederwahl

Im Dorf ist er bekannt für seine langweiligen Predigen und die Nichterfüllung seines Amtes. Dennoch möchte er im September wiedergewählt werden.

Siebenmann verwies darauf, dass die Konfliktgeschichte in der Kirchgemeinde schon vor seinem Amtsantritt begonnen habe und dass er lediglich ein Teil dieser sei. Eines seiner Hauptziele, falls er als Pfarrer bestätigt werde, sei es, den Frieden in der Kirchgemeinde wiederherzustellen. «Es ist einfach, zu sagen: Der ist weg und alles wird gut. Das ist zwar möglich, aber mein Anliegen ist es, dass der Friede, der hergestellt wird, letztendlich einer ist, der in Gott wurzelt», erklärte Siebenmann.

Kurator Markus Fricker, eingesetzt von der Landeskirche, um in der Kirchgemeinde für einen Neustart zu sorgen, warf Siebenmann vor, dass er die Anliegen und Sorgen der Gemeindemitglieder, die diese durch ihre Kritik formulierten, nicht ernst nehme. «Stattdessen bezeichnet er die Kritik als ‹Schlammschlacht› und ‹Kesseltreiben›, um sich öffentlich als Opfer darzustellen», so Fricker. All das zeuge von nur wenig Verständnis für die Menschen und von einer geringen Sensibilität im Umgang mit denen, für die er Seelsorger sein sollte.

Bewerbung in anderer Gemeinde

Bettina Roth, die als Präsidentin der Kirchenpflege im letzten Jahr zurücktrat, liess ebenfalls kein gutes Haar an Siebenmann. Sie sei fassungslos darüber, dass dieser in einer Stellungnahme, die in «reformiert» publiziert wurde, mit keinem Wort auf die Kritik von Mitgliedern der Kirchgemeinde eingegangen sei, «die nicht mehr die Gottesdienste von Siebenmann besuchen, nicht mehr als Freiwillige an seinen Anlässen mithelfen oder ihre Verstorbenen lieber vom katholischen Pfarrer als von Johannes Siebenmann beerdigen lassen». Zudem kritisierte Roth Siebenmann dafür, dass dieser in jedem Statement behaupte, Gott habe ihm eine Tür nach Frick aufgemacht, sich aber gleichzeitig für eine Stelle in einer anderen Gemeinde beworben habe.

Siebenmann bestätigte die Bewerbung und begründete sie damit, dass er nicht den Eindruck entstehen lassen will, dass er stur und der einzige Pfarrer sei, der die Gemeinde glücklich machen könnte. Laut Siebenmann sei es so gewesen, dass im März 2016 die Kirchenpflege einstimmig beschlossen habe, ihn nicht mehr für die Wiederwahl vorzuschlagen. «Daraufhin kippte jedoch die Stimmung, die Mehrheit der Kirchenpflege hat mir das Vertrauen ausgesprochen und Bettina Roth ist zurückgetreten», so Siebenmann. Nach der Einsetzung des Kurators habe sich dann schnell eine Partei gebildet, die Position gegen ihn ergriffen habe. «In der Funktion des Kurators ist es nicht geschickt, Partei zu ergreifen», sagte Siebenmann.

Markus Fricker hielt dagegen, dass er keine Partei ergriffen, sondern Siebenmann nicht mehr als Pfarrer vorgeschlagen habe, um die Kirchgemeinde in eine positive Zukunft zu führen. «Diese Überzeugung habe ich aufgrund unzähliger Gespräche mit Kirchenmitgliedern, die mir von ihren Erlebnissen mit Johannes Siebenmann erzählt haben», erklärte Fricker. So sei in den ersten zwei Jahren der Amtstätigkeit von Johannes Siebenmann die Hälfte seiner Unterrichtsstunden ausgefallen, in der Erwachsenenbildung habe er nichts gemacht, Absprachen habe er nicht eingehalten.

Das Vertrauen der Kirchgemeinde verloren

Paul Jäggi, ehemaliger Pfarrer der Reformierten Kirche Frick, betonte, dass Siebenmann das Vertrauen der Kerngemeinde längst verloren habe und dieses auch nicht mehr herzustellen sei. «Wie willst du denn dann die Gemeinde überhaupt wieder aufbauen, wenn du gewählt wirst?», wollte er von Siebenmann wissen.

Siebenmann bedauerte, dass er bei vielen der Kerngemeinde das Vertrauen verloren habe. Die Kerngemeinde bestehe jedoch lediglich aus 40 bis 50 Menschen, die Anzahl derjenigen, die Steuern zahlen und stimmberechtigt sind, betrage jedoch 2800. «Es ist mir ein Anliegen, dass möglichst viele dieser Stimmen auch mitbestimmen. Das ist ihr demokratisches Recht, das ihnen durch die Abgabe der Kirchensteuer zusteht», sagte Siebenmann. Zudem sei er «auf das Szenario seiner Wiederwahl» vorbereitet. «Ich habe bereits Gespräche mit mehreren Personen geführt und habe auch schon Zusagen», so Siebenmann, der zuversichtlich ist, «ganz klare Strukturen mit klaren Aufgabenbereichen» zu schaffen.

Fricker glaubt nicht daran, dass Siebenmann in der Lage ist, für diesen Neuaufbau in der Kirchgemeinde zu sorgen. «Ich frage mich einfach, wieso Johannes Siebenmann nicht schon in den letzten Jahren auf die Leute zugegangen ist.»