Kaiseraugst geht es finanziell gut. Das zeigt sich am Nettovermögen der Gemeinde von rund 3000 Franken pro Einwohner. Und das zeigt sich am breiten Immobilienportfolio der Gemeinde. Insgesamt 55 Gebäude gehören der Gemeinde. Zusammen haben sie einen Versicherungswert von 82 Millionen Franken.

35 dieser Gebäude gehören dabei der Einwohnergemeinde, sie haben einen Versicherungswert von 68 Millionen Franken. Die 20 weiteren gemeindeeigenen Liegenschaften mit einem Versicherungswert von 14 Millionen Franken gehören den Ortsbürgern. Zum «historisch gewachsenen Immobilienportfolio», wie es der Gemeinderat in der Botschaft zur Ortsbürgergemeindeversammlung umschreibt, gehören unter anderem das Bolingerhaus, die Fährianlegestelle, der Violahof, das Zollhaus oder der Landgasthof Adler. Letzteren hat die Ortsbürgergemeinde im Sommer 2016 für 2,2 Millionen Franken gekauft. Ein Jahr später genehmigten die Ortsbürger – nach einigen Diskussionen – einen Sanierungskredit von nochmals 2 Millionen Franken. Seit diesem Sommer ist der «Adler» wieder offen.

Das Beispiel Adler zeigt: Immobilien sind ein sicherer Finanzwert – sie bringen aber gleichzeitig auch eine Unterhalts- und Investitionsverpflichtung mit sich. Bei einem derart grossen Immobilienportfolio, wie es Kaiseraugst besitzt, geht dies nicht ohne eine langfristige Unterhalts- und Investitionsplanung. Es muss klar sein, welches Gebäude wann welche Kosten generieren wird.

Und hier hapert es in Kaiseraugst bisher: Ein Facility-Management fehlt. «Die Gemeinde Kaiseraugst verfügt bis heute über keine Bauzustandsanalyse beziehungsweise über keine Unterhalts- und Investitionsplanung für ihre Immobilien», hält der Gemeinderat in der Botschaft an die Ortsbürger fest.

Für 25 Jahre aufzeigen

Diesen «unbefriedigenden Zustand» will er nun ändern und auf der Basis eines Lebenszykluskostenmodells die Investitionsplanung für sämtliche Gemeindeliegenschaften erstellen. Die anstehenden Aufwände sollen pro Liegenschaft und konsolidiert für das gesamte Liegenschaftsportfolio dargestellt werden.

Der jährliche Instandsetzungs- und Instandhaltungsbedarf pro Liegenschaft soll dabei über einen Zeitraum von 25 Jahren aufgezeigt werden. «Die Massnahmen sind als Prognosen und die Kostenangaben als Schätzwerte zu verstehen und sollen als solche den Investitionsbedarf für die Werterhaltung der Bausubstanz aufzeigen», so der Gemeinderat.

In einem ersten Schritt geht es dem Gemeinderat darum, die Grundlagen über den baulichen Zustand und den Unterhaltsbedarf zu erheben. «Als primäres Ziel sind die Kosten darzustellen, die dem reinen Werterhalt der Liegenschaften dienen», hält der Gemeinderat in der Botschaft fest. Alle Optimierungsmassnahmen – auch nutzungsspezifische – seien in einer späteren Phase zu eruieren.

Analyse kostet 142'500 Franken

Diese «Basisleistungen Gebäudeerhalt», wie sie der Gemeinderat nennt, beinhalten die Zustandsaufnahmen mit Auswertung und Beurteilung der Gebäude und geben somit einen Überblick über den Ist-Zustand der Gebäude. Der Gemeinderat rechnet für die Zustandsanalyse der Gebäude mit Kosten von 142'500 Franken. 86'800 Franken davon soll die Einwohnergemeinde tragen, 55'700 die Ortsbürgergemeinde.

Der Gemeinderat erachtet die Einführung eines Facility-Managements als «prioritär». Denn er ist sich bewusst, «dass in den nächsten Jahren die Kosten des Gebäudeunterhalts die gemeindliche Rechnung allenfalls stark belasten werden». Deshalb brauche es ein Instrument, sodass der Gebäudeunterhalt entsprechend geplant und ins Budget aufgenommen werden kann.